Trump droht Teheran mit totaler Zerstörung
Eigentlich wäre das Ultimatum, das US-Präsident Donald Trump dem Iran für die Freigabe der Straße von Hormus gestellt hatte, bereits am gestrigen Montag abgelaufen. Stattdessen wurde es jedoch noch einmal verlängert: Bis heute um 20 Uhr (EDT) hat die Islamische Republik noch Zeit, die für den internationalen Handel wichtige Meerenge wieder für den Schiffsverkehr freizugeben.
Lässt sie das Ultimatum verstreichen, drohen US-Militärschläge auf Kraftwerke und Energieanlagen Irans. In einer Meldung der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Tasnim hieß es allerdings mit Verweis auf die erneuten Drohungen Trumps, Teheran weise den vom Vermittler Pakistan überbrachten US-Vorschlag eines sofortigen Waffenstillstands zurück.
Die Drohungen, die Trump über seine Kommunikationsplattform Truth Social zuletzt äußerte, sollte der Iran das Ultimatum zur Freigabe von Hormus verstreichen lassen, werden unterdessen immer drastischer. Dies liegt wohl nicht zuletzt auch daran, dass am Wochenende Informationen über eine Rettungsaktion für einen über dem Iran abgeschossenen Soldaten der US-Luftwaffe durchgesickert war, was viele an der Aussage der US-Regierung zweifeln ließ, dass man den iranischen Luftraum unter Kontrolle habe.
"Am Dienstag ist im Iran gleichzeitig Tag des Kraftwerks und Tag der Brücke", spielt Trump in seinem Post auf die beabsichtigte Zerstörung von Kraftwerken und sonstiger Infrastruktur Irans an und fährt fort: "Das wird ein unvergessliches Erlebnis! Macht endlich die verdammte Meerenge auf, ihr Wahnsinnigen, sonst werdet ihr in der Hölle schmoren – wartet nur ab! Lob sei Allah." Die Befürchtung, dass der Iran-Krieg damit eine weitere Eskalationsstufe erreichen wird, trieb die Ölpreisen heute Morgen erneut nach oben, weil eine Freigabe der Straße von Hormus nun wieder unwahrscheinlicher werden dürfte.
OPEC8+ beschließen Förderanhebung um +206.000 B/T für Mai
Die acht OPEC+ Staaten (OPEC8+), die seit Anfang 2024 ihre Produktion auf freiwilliger Basis stärker kürzten als vorgegeben, kamen am Sonntag zu einer weiteren Videokonferenz zusammen, um über ihre Produktionsstrategie für Mai zu beraten. Anfang März hatten die OPEC8+ - nach einer Pause im ersten Quartal -bereits für den laufenden Monat beschlossen, die Rückführung der freiwilligen Zusatzkürzungen wieder aufzunehmen. Die jüngsten Entwicklungen im Nahen Osten hatten die Sitzung jedoch in den Hintergrund gedrängt und auch die am Sonntag getroffene Entscheidung der Gruppe zeigte an den Ölbörsen nur wenig Einfluss.
Wie bereits für April beschlossen die OPEC8+ auch für Mai eine Anhebung der Fördermengen um +206.000 B/T. Wie bereits von einzelnen Quellen aus der OPEC+ im Vorfeld angedeutet, dürfte es sich dabei jedoch eher um ein Signal an den Markt handeln, dass die acht Länder so viel Öl wie nötig auf den Markt zurückbringen werden, sobald die Straße von Hormus wieder frei ist und die Energieinfrastruktur der Länder dies zulässt. Denn solange der Schiffsverkehr durch die wichtige Meerenge noch durch den Iran beeinträchtigt wird und die iranischen Angriffe auf die Infrastruktur der Produzenten am Persischen Golf weitergehen, dürfte es den meisten der OPEC8+ unmöglich sein, die eigenen Fördermengen zu steigern.
In der Pressemitteilung zur Videokonferenz der acht Länder vom Sonntag hieß es dazu, dass das Planungs- und Kontrollkomité der OPEC+ (JMMC), das am Sonntag ebenfalls zusammengekommen war, seine Besorgnis über Angriffe auf die Energieinfrastruktur geäußert und darauf hingewiesen habe, "dass die Wiederherstellung der vollen Kapazität beschädigter Energieanlagen sowohl kostspielig als auch zeitaufwändig sei und somit die allgemeine Versorgungssicherheit beeinträchtige. Dementsprechend betonte der Ausschuss, dass jegliche Maßnahmen, die die Versorgungssicherheit untergraben – sei es durch Angriffe auf die Infrastruktur oder die Unterbrechung internationaler Schifffahrtswege –, die Marktvolatilität erhöhen und die gemeinsamen Bemühungen im Rahmen der Erklärung zum Umgang mit Energie (DoC) zur Unterstützung der Marktstabilität zum Wohle von Erzeugern, Verbrauchern und der Weltwirtschaft schwächen."
Die nächste Sitzung der OPEC8+ soll am 3. Mai stattfinden. Das JMMC wird sich am 7. Juni - kurz vor der nächsten OPEC+-Vollversammlung - erneut beraten.
Marktlage
Der Iran-Krieg bleibt auch zum Auftakt dieser Woche das marktbestimmende Thema. Da die Hoffnungen auf einen baldigen Waffenstillstand und Verhandlungen zwischen den USA und Iran zuletzt wieder einen beträchtlichen Dämpfer erhielten, notieren die Preise der Ölfutures derzeit größtenteils oberhalb der Niveaus von letzter Woche. Während sich Brent wieder oberhalb der 110 Dollar-Marke bewegt, hat WTI sogar die 115 Dollar bereits hinter sich gelassen.
Nachdem Pakistan dem Iran den US-Vorschlag für einen Waffenstillstand übermittelt hatte, antwortete der Iran mit einem Gegenvorschlag, der angeblich eine Aufhebung der Sanktionen, die sichere Durchfahrt durch die Straße von Hormus und den Wiederaufbau des Landes vorsieht. Eine weitere Verlängerung des Ultimatums lehnte Trump jedoch ab. Stattdessen drohte er dem Iran mit vollständiger Zerstörung, sollte Teheran nicht bis heute Abend 20 Uhr(EDT) die Straße von Hormus für den Schiffsverkehr wieder freigeben.
"Sollte Trump in den ‚Vernichtungsmodus‘ übergehen und der Iran mit noch verheerenderen und umfassenderen Vergeltungsschlägen nachziehen, erwarten wir einen Anstieg über 110 US-Dollar, hin zu 120 US-Dollar", kommentiert Robert Rennie, Leiter der Rohstoffforschung bei der Westpac Banking Corp. den jüngsten Schlagabtausch zwischen Trump und Teheran. "Sollte Trump sein Ultimatum jedoch erneut verlängern, bleiben wir vorerst im aktuellen Bereich von 95 bis 110 US-Dollar," so Rennie weiter.
Die Ankündigung der OPEC8+-Länder, die Produktionsmengen im Mai um weitere +206.000B/T zu steigern, wirkt derweil kaum preissenkend. Schließlich kann das Öl ohnehin nur auf den Markt gebracht werden, wenn Länder wie Saudi-Arabien, der Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate ihr Öl auch wieder über die Route durch die Straße von Hormus exportieren können. Die alternativen Exportwege dazu haben nicht genügend Kapazitäten, als das bei einer fortdauernden maßgeblichen Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs durch die Meerenge an Anhebungen der Fördermengen zu denken ist. Zudem bleibt die Frage, wie stark die Förderanlagen der Länder am Persischen Golf möglicherweise durch weitere Angriffe Irans in naher Zukunft noch beschädigt werden.
Wie die EIA die aktuelle Situation und die kurzfristige Entwicklung am Ölmarkt einschätzt, wird sich heute Abend zeigen, wenn die Behörde ihren aktuellen Monatsbericht veröffentlicht. Die Monatsberichte der OPEC und der IEA werden erst kommende Woche erscheinen. In der Nacht sind außerdem die wöchentlichen Bestandsschätzungen des API fällig. Die offiziellen Daten des DOE erscheinen wie üblich erst am Mittwochnachmittag. Vor allem den wöchentlichen Produktionsschätzungen des DOE könnten die Marktteilnehmer dabei Aufmerksamkeit schenken, denn die zunehmende Nachfrage nach Öl aus den USA bei eher rückläufiger Entwicklung der US-Rohölproduktion führte zuletzt sogar zu dem ungewöhnlichen Phänomen, dass der US-Rohölkontrakt mit einem Aufschlag zu Brent gehandelt wurde.
An den Ölbörsen orientieren sich die Kontrakte heute Morgen erneut nach oben. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich ebenfalls Potenzial für Preissteigerungen an.