Krisenherde im Nahen Osten breiten sich aus – Ölfutures auf hohem Niveau

Die militärische Eskalation im Nahen Osten hat sich seit dem 28. Juli deutlich ausgeweitet und den Irak zu einer weiteren Front des Konflikts gemacht. Saudi-Arabien und die USA greifen dort gezielt vom Iran unterstützte Milizen an, denen Riad wiederholte Drohnenangriffe auf saudische Ölanlagen vorwirft. Die betroffenen Gruppierungen gehören überwiegend zu den Volksmobilisierungseinheiten (PMF), einem Zusammenschluss schiitischer Milizen, die nach der US-Invasion des Irak im Jahr 2003 entstanden und bis heute erheblichen militärischen sowie politischen Einfluss ausüben. Viele ihrer Mitglieder sitzen im irakischen Parlament und prägen die Innenpolitik des Landes maßgeblich. In den vergangenen Jahren griffen verschiedene PMF-Gruppen wiederholt die noch im Irak stationierten US-Soldaten an, die derzeit lediglich Beratungs- und Unterstützungsaufgaben wahrnehmen und eigentlich bis Ende September vollständig abgezogen werden sollten. Angesichts der zunehmenden Spannungen könnte dieser Zeitplan jedoch erneut infrage gestellt werden.

Die irakische Regierung befindet sich dabei in einer schwierigen Lage. Ministerpräsident Ali al-Saidi versucht, sowohl die Beziehungen zu den USA als auch zum Iran aufrechtzuerhalten. Obwohl er bei seinem Amtsantritt angekündigt hatte, die Milizen entwaffnen zu wollen, verurteilte er die saudisch-amerikanischen Angriffe als inakzeptabel und bezeichnete sie als Verletzung der irakischen Souveränität. Mit der Ausweitung der Kampfhandlungen schwinden die Hoffnungen auf eine Stabilisierung der Region zunehmend. Stattdessen wächst die Gefahr, dass sich der ursprünglich zwischen den USA, dem Iran und Israel ausgetragene Konflikt auf weitere Staaten am Persischen Golf ausdehnt und dadurch eine noch umfassendere Destabilisierung des Nahen Ostens auslöst.

Trotz der zunehmenden geopolitischen Spannungen geben die internationalen Ölpreise an den Börsen ICE und NYMEX zunächst leicht nach. Die Marktteilnehmer bewerten positiv, dass sich die jüngsten US-Angriffe auf militärische Ziele im Iran beschränkten und wichtige zivile Infrastruktur wie Brücken oder Kraftwerke verschonten. Zudem bleibt der Schiffsverkehr in der Region zwar eingeschränkt, kommt aber nicht vollständig zum Erliegen. Nach vorläufigen Daten passierten zuletzt wieder mehr Frachtschiffe die Meerenge Bab el-Mandeb zwischen dem Roten Meer und dem Golf von Aden. Deutlich kritischer bleibt dagegen die Lage in der Straße von Hormus. Diese Meerenge zählt zu den wichtigsten Öltransportrouten der Welt, da vor Beginn des Krieges zwischen den USA und dem Iran rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gaslieferungen diesen Seeweg passierte. Seit Ausbruch des Konflikts blockiert der Iran die Passage jedoch weitgehend, sodass nur noch wenige Schiffe die Meerenge durchqueren.

Marktbeobachter weisen darauf hin, dass trotz der Blockade weiterhin Öl über alternative Transportwege die Region verlässt. Gleichzeitig entstehen zunehmend neue Routen, wodurch der iranische Einfluss auf die Straße von Hormus langfristig sinken könnte. Kurzfristig bleibt die Blockade jedoch ein wesentlicher Unsicherheitsfaktor für den Ölmarkt. Bereits im Juli sorgten die anhaltenden Kämpfe für starke Preisschwankungen, nachdem im Juni noch Hoffnungen auf eine Normalisierung bestanden hatten. Die Situation verschärft sich zusätzlich, weil die Huthi-Rebellen im Jemen mit einer Blockade Saudi-Arabiens im Roten Meer drohen und Saudi-Arabien gemeinsam mit den USA seine Angriffe auf iranisch unterstützte Milizen im Irak ausweitet. Analysten gehen deshalb davon aus, dass die Finanzmärkte eine mögliche Entspannung der Lage zu früh erwartet haben. Vor allem die Forderung Irans, im Rahmen eines möglichen Abkommens die Kontrolle über die Straße von Hormus zu behalten, spricht gegen eine schnelle Normalisierung. Die eingeschränkten Lieferströme führen weiterhin zu einer Verknappung auf den internationalen Energiemärkten.

Auch geldpolitische Entwicklungen beeinflussen die Märkte. Die US-Notenbank beließ ihre Leitzinsen zwar unverändert, was weitgehend den Erwartungen entsprach und den US-Dollar vorübergehend schwächte. Gleichzeitig deuteten Äußerungen von Fed-Chef Kevin Warsh darauf hin, dass mehrere Mitglieder des Offenmarktausschusses bereits eine Zinserhöhung befürworteten. Daher rechnen die Märkte weiterhin mit einer Straffung der Geldpolitik im September.

Insgesamt bleibt die fundamentale Einschätzung für den Ölmarkt bullish. Die Ausweitung des Nahostkonflikts erhöht die geopolitische Risikoprämie erheblich und hält die internationalen Ölpreise auf einem hohen Niveau. Entsprechend bleiben auch die Inlandspreise für Energie hoch, wobei ein stärkerer Euro den Preisanstieg im Bundesgebiet derzeit zumindest teilweise abfedert.

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Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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