
Huthi steigen in Kampfhandlungen ein
Die vom Iran unterstützten Huthis im Jemen sind am Wochenende in den Konflikt zwischen Israel und Iran eingestiegen. Am Samstag hatten diese zum ersten Mal seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten Raketen auf Israel abgefeuert, was die Sorgen am Markt vor weiteren Problemen in der Transportlogistik von Öl erhöht.
„Der Konflikt konzentriert sich damit nicht mehr nur auf den Persischen Golf und um die Straße von Hormus sondern dehnt sich nun auch auf das Rote Meer und die Straße von Bab el-Mandeb aus – einer der weltweit wichtigsten Passagen für den Transport von Rohöl und raffinierten Produkten“, so die Warnung der Analysten von JP Morgan.
Durch die Sperrung der Straße von Hormus exportiert Saudi-Arabien nun mehr Öl über seine Häfen im Roten Meer, die von Pipelines gespeist werden. So werden am Hafen Yanbu aktuell knapp 4,7 Mio. B/T umgesetzt. Sollten diese Anlagen ins Fadenkreuz der Huthi geraten oder die Straße von Bab el-Mandeb ähnlich wie die Straße von Hormus geschlossen werden, wäre dies eine neue Eskalationsstufe im Krieg und ein weiterer schwerer Schlag für das globale Ölangebot.
Verhandlungen und Bodentruppen?
In Pakistan laufen indirekte Verhandlungen zwischen den USA und Iran zu einer Beendigung des Krieges. Trump meldete am Wochenende, dass die Iraner „den meisten unserer Punkte zugestimmt haben. Warum sollten sie auch nicht?“ Doch aus dem Iran ist zu vernehmen, dass man den 15 Punkteplan ablehnt und eigene Forderungen stellt, die neben einer Anerkennung der Kontrolle über die Straße von Hormus auch Reparationszahlungen vorsieht – schwer vorstellbar, dass dies für Trump annehmbar ist.
Der pakistanische Außenminister, Ishaq Dar, macht zumindest etwas Hoffnung und gibt an, dass „beide, Iran und USA, ihr Vertrauen zum Ausdruck gebracht haben“, dass in Pakistan zukünftig Friedensverhandlungen stattfinden sollen. Jedoch hat keine der Seiten seine Bereitschaft zu einem direkten Treffen zum Ausdruck gebracht.
Trump will unterdessen den Einsatz noch einmal erhöhen und spielt öffentlich mit dem Gedanken Bodentruppen in der Region einzusetzen. Über das Wochenende sind weitere mehrere tausend Truppen in der Region eingetroffen, darunter Infanteristen der Marines und Fallschirmjäger. Die insgesamt nun 50.000 US Soldaten und Soldatinnen in der Region sind viel zu wenig für einen Angriff auf das iranische Festland, weshalb die Einnahme strategischer Punkte, wie beispielsweise die Insel Kharg, als wahrscheinlicheres Ziel gilt.
Die Insel ist neben einem Marinestützpunkt das größte Exportterminal der iranischen Ölindustrie und damit ein entscheidendes Asset für Teheran. „Um ehrlich zu sein, am liebsten würde ich das Öl im Iran nehmen, aber einige dumme Leute in den USA fragen: ‚Warum tut ihr das?‘ Aber das sind dumme Leute“, so die Trumps Andeutung auf eine mögliche Operation. Ein solcher Einsatz wird in den USA sehr kritisch gesehen, weil dieser wohl vergleichsweise viele Leben von US Truppen fordern dürfte und mindestens ein wochenlanges Engagement am Boden mit sich brächte.
Worst Case Szenario im Nahen Osten
Wenn man sich über ein konventionelles Worst Case Szenario im Krieg zwischen den USA und Iran Gedanken macht, so dürfte dies wohl darin bestehen, dass die USA die Ölinfrastruktur des Iran zerstört und der Iran im Gegenzug Pipelines, Raffinerien und Exporthäfen der Anrainer mit Raketen und Drohnen unbrauchbar macht.
Momentan könnte ein großer Teil der Ölexporte aus der Region vergleichsweise schnell wieder aufgenommen werden, sobald die Straße von Hormus sicher passierbar ist. Wird aber die Infrastruktur großflächig zerstört kann es Jahre dauern bis die alten Kapazitäten wieder hergestellt werden, was eine Katastrophe für das globale Ölangebot darstellen würde.
Ein möglicher Auslöser für eine solche Entwicklung könnte der Versuch der USA sein Teile des iranischen Territoriums mit Bodentruppen einzunehmen, wie beispielsweise die strategisch wichtige Insel Kharg. Trump spielte zuletzt genau auf ein solches Vorhaben an, vermutlich um die Verhandlungsposition gegenüber Teheran weiter zu verbessern. Aber jede erfolgreiche Einnahme würde wohl nach hinten losgehen, sollte im Zuge dessen wichtige Infrastruktur vernichtet oder die zweite wichtige Schifffahrtsroute durch die Straße von Babel-Mandeb bei Jemen durch die Huthis gesperrt werden.
Russland vor Force Majeure
Angriffe der Ukraine auf russische Energieanlagen zeigen ihre Wirkung. Zuletzt wurden vor allem die Verladeterminals für Öl im baltischen Meer durch Langstreckendrohnen getroffen. Ziel waren in der vergangenen Woche die Häfen in Ust-Luga und Primorsk.
Teilweise wüteten die Brände an den Anlagen bis in das Wochenende hinein, sodass ein erheblicher Anteil der Exportkapazitäten ausfällt. Für Russland sind diese Häfen kritische Einrichtungen, um sein Rohöl verschiffen zu können. Schätzungen zu Folge sind die Verladefähigkeiten Moskaus somit nun um rund 40 % eingebrochen. Die exportierenden Unternehmen werden damit vermutlich gezwungen sein ein Force Majeure auf ihre Öllieferungen auszurufen.
Auch wenn Russland nun deutlich weniger Öl verkaufen kann, so verdient man an den verbleibenden Exporten deutlich mehr. Die Rohölpreise sind dank des Krieges im Nahen Osten im März knapp 60 % gestiegen, was den Mengenrückgang durch die ukrainischen Attacken mehr als kompensiert.
Marktlage
Trader an den Ölbörsen blicken unvermindert auf die Entwicklungen im Nahen Osten, wo sich eine weitere Eskalation andeutet. Zwar sollen die USA und Iran in Pakistan indirekte Verhandlungen führen, jedoch liegen die öffentlich kommunizierten Positionen derart weit auseinander, dass eine schnelle Einigung mehr als eine riesige Überraschung wäre.
Zudem ist nicht einmal klar wie konkret die Gespräche wirklich sind und mit wem die USA verhandeln, nachdem Teheran in den vergangenen Tagen immer wieder angab keine Gespräche mit Washington zu führen. Sollte Trump sich dafür entscheidenden Druck mit Bodentruppen zu erhöhen, beispielsweise in dem man die Insel Kharg einnimmt, könnte das Worst Case Szenario eintreten und sich die Lage noch einmal deutlich verschärfen.
Als Gegenschlag sind iranische Angriffe auf die Öl-Infrastruktur der Anrainer denkbar, was die Exportprobleme der Region langfristig verschärft. Zudem ist auch eine Schließung der Straße von Bab el-Mandeb bei Jemen denkbar, die alle Schiffe passieren müssen, die auch den Suezkanal befahren. Etwa 12 % des globalen Warenhandels müssen durch diese Meeresenge um den langen Umweg um Südafrika herum zu vermeiden. Bei einer Eskalation dieser Art würden die Ölpreise vermutlich ganz neue Sphären erreichen können.
„Der Konflikt mit dem Iran zeigt kaum Anzeichen einer Deeskalation. Im Gegenteil, die Spannungen in der gesamten Region nehmen zu: Iran-nahe Milizen im Irak greifen US-amerikanische Einrichtungen an und die Huthi-Rebellen im Jemen blockieren weiterhin die Schifffahrtswege im Roten Meer“, fassen die Analysten bei Stone X die Lage zusammen.
Das Angebot an Rohöl und Produkten ist mit der Schließung der Straße von Hormus um etwa 12 Mio. B/T gesunken, nachdem vor dem Konflikt etwa 19 Mio. B/T die Meeresenge passierten. Aktuell können nur vereinzelt Schiffe passieren und nur ein Bruchteil kann über Pipelines umgeleitet werden. Der Umstand, dass die Ölpreise noch nicht deutlich höher liegen, lässt darauf schließen, dass der Markt noch immer ein Deeskalation und eine mehr oder weniger baldige Rückkehr zu normalen Exporten einpreist.
Sollte die Lage im Nahen Osten aber weiter eskalieren, sind die Folgen für die Ölpreise wohl deutlich größer als im Falle eines schnellen Endes des Konflikts. Auch rhetorisch deutet sich aktuell noch nicht wirklich eine Entspannung an, sodass wir unsere fundamental leicht bullishe Einschätzung beibehalten. Die Preise bleiben in den Morgenstunden weiter fest und deuten für das Inland somit erneut Preissteigerungen gegenüber Freitag an.