
Iran: Jedes Schiff in Straße von Hormus potenzielles Ziel
Am Montagmorgen hatte es zwar bereits Meldungen über Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus gegeben, von einer Sperrung der für den internationalen Öl- und Gashandel so wichtigen Meerenge durch den Iran war offiziell jedoch noch nicht die Rede gewesen. Mittlerweile hat Teheran die Straße von Hormus für die internationale Schifffahrt allerdings gesperrt. Dies gab Ebrahim Jabbari, ein Berater des Kommandeurs der Islamischen Revolutionsgarden, gegenüber iranischen Medien an.
Jabbari warnte, dass jedes Schiff, das versuche, durch die Straße von Hormus zu fahren, zum Ziel werde und kündigte an, der Iran werdeauch "die Ölleitungen der Feinde" angreifen und Ölexporte aus der Region verhindern. Bereits gestern wurden vier Öltanker in der Straße von Hormus vom Iran angegriffen, darunter der mit Kraftstoffen beladene Athena Nova, die Teheran Verbündeten der USA zuordnete.
Nahost-Konflikt zeigt erste Auswirkungen auf Gas- und Ölproduktion
Der Krieg zwischen den USA und Israel und dem Iran wirkt sich nicht nur auf den internationalen Ölhandel aus, der auf dem Seeweg über die Straße von Hormus abgewickelt wird, sondern auch auf die Gas- und Ölproduktion in der Region. So setzte am gestrigen Montag beispielsweise das Unternehmen QatarEnergy die Produktion von Flüssiggas (LNG) und damit zusammenhängenden Produkten an seinen Anlagen in Ras Laffan und Mesaieed aus, nachdem die beiden Anlagen das Ziel von Angriffen wurden. Darüber hinaus verwies der weltweit größte Produzent von LNG für seine Flüssiggaslieferungen auf den rechtlichen Passus Force Majeure.
Auch für die Erdgas-Lieferungen des US-Unternehmens Chevron vom Leviathan-Feld vor der Küste von Israel gilt dieser Passus, der Lieferanten in Fällen höherer Gewalt vor Regressansprüchen bei Nichterfüllung vertraglicher Lieferpflichten schützt, seitdem die israelische Regierung am gestrigen Montag aus Sicherheitsgründen die vorläufige Produktionsunterbrechung an dem Erdgasfeld angewiesen hat. Auch für das Karish-Feld ordnete die Regierung einen Betriebsstopp an.
Unterdessen legten in der semi-autonomen Region Kurdistan, im Norden Iraks, die Unternehmen DNO, Dana Gas, HKN Energy und Gulf Keystone Petroleum vorübergehend den Förderbetrieb an ihren Öl- und Gasfeldern nieder. Im Februar wurden aus Kurdistan täglich rund 200.000 Barrel Öl exportiert. Wie stark die Förderunterbrechungen die Ölexporte aus der Region im März sinken lassen, wird einerseits davon abhängen wie lange der Krieg zwischen den USA/Israel und Iran noch andauert und andererseits davon, ob an den Anlagen in der Region Schäden entstehen.
Marktlage
Die Eskalation des Konflikts zwischen den USA bzw. Israel und dem Iran führte Anfang der Woche zu einem massiven Preissprung an den Öl- und Gasbörsen. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Rohölsorte Brent kostete zum gestrigenSettlementzeitpunkt fast 5 Dollar mehr als noch beim Settlement am Freitag. Damit lag der Settlementpreis von Brent allerdings wieder unterhalb des psychologisch wichtigen Preisniveaus von 80 Dollar, das der Kontrakt am frühen Montagmorgen noch weit überschritten hatte. Heute Morgen legen die Kontrakte an ICE und NYMEX aber schon wieder zu.
"Da eine schnelle Deeskalation nicht in Sicht ist, die Straße von Hormus faktisch geschlossen ist und der Iran die Bereitschaft zeigt, die Energieinfrastruktur in der Region anzugreifen, bleiben Aufwärtsrisiken bestehen und nehmen mit der Dauer des Konflikts zu“, erklärt der Analyst Tony Sycamore von IG zum derzeit wohl stärksten preistreibenden Faktor in einer Mitteilung.
Aus Teheran hieß es nun, jedes Schiff, in der Meerenge, die im Normalfall täglich von Tankern durchfahren wird, die bis zu 21 Mio. Barrel Öl und 20 % des weltweiten Bedarfs an Flüssiggas geladen haben, sei ein potenzielles Ziel. Dementsprechend werden die Reedereien so gut es geht versuchen, die Tanker über andere Routen zu ihren Bestimmungsorten zu schicken, was längereTransportzeiten und damit auch höhere -kosten bedeutet. Schätzungen der Investmentbank JP Morgan zufolge sollen allein die Rohölexporte über die Meerenge bereits auf 4 Mio. B/T gesunken sein, was gerade mal einem Viertel dessen entspricht, was laut der Bank normalerweise über diese Route ausgeführt wird.
Die angekündigte Wiederaufnahme der Produktionssteigerung der acht OPEC+-Länder, die ihre Förderung seit Anfang 2024 stärker gekürzt hatten als nötig, dämpft diesen bullishen Aspekt aktuell kaum. Dies liegt einerseits daran, dass die sogenannten OPEC8+ die Rückführung der freiwilligen Kürzungenerst zum April wieder aufnehmen werden und andererseits daran, dass die Frage ist, wie viel von den angekündigten 206.000 B/T überhaupt zu einem Anstieg des weltweiten Angebots beitragen. Nicht nur, dass Produktionseinbußen in anderenOPEC+-Ländern den Angebotszuwachs dezimieren könnten, auch dürfte es für einige der acht Länder bei einer fortwährenden Sperrung der Straße von Hormus schwer werden, die zusätzlichen Fördermengen zu exportieren.
Zahlreiche Analysten versuchen derzeit, ihre Preiserwartungen auf die Situation abzustimmen. So rechnet man beispielsweise bei Wood Mackenzie damit, dass der Rohölpreis über 100 Dollar pro Barrel steigen könnte, sollte der Weg durch die Straße von Hormus nicht bald wieder frei werden. Die Analysten von Bernstein korrigierten derweil ihre Preisprognose für Brent für das laufende Jahr auf 80 Dollar pro Barrel nach oben, was einer Aufwärtskorrektur um 15 Dollar zur vorherigen Erwartung entspricht. Sollte der Konflikt allerdings wesentlich länger andauern als bislang angenommen, halten sie sogar einen Preisanstieg auf 120 bis 150 Dollar pro Barrel für möglich.
US-Präsident Trump hatte zunächst angegeben, der Krieg gegen den Iran dürfte etwa vier Wochen dauern. Er selbst und auch US-Außenminister Pete Hegseth haben jedoch mittlerweile auch bereits von einem etwas längeren Zeitraum gesprochen. Die Frage ist außerdem, wie stark die Erdgas- und Ölförderung der Region noch durch den Konflikt in Mitleidenschaft gezogen werden wird. Erste Unternehmen haben den Produktionsbetrieb an ihren Anlagen bereits aus Sicherheitsgründen ausgesetzt. Wie viele noch hinzukommen bleibt abzuwarten.
Die heute und morgen fälligen wöchentlichen Bestandsberichte von API und DOE dürften von der geopolitischen Situation größtenteils in den Hintergrund gedrängt werden. So ziehen die Ölfutures an ICE und NYMEX heute Morgen erneut an und Brent hat auch schon kurzzeitig die 80 Dollar-Marke wieder überschritten. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich daher im Vergleich zu gestern erneut Potenzial für Aufschläge ab, zumal der EUR/USD-Kurs weiter nachgibt.