Ölfutures kommen von ersten Tagestiefs zurück - Saudi-Arabien wehrt Drohnen ab

Die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz weitete ihre Angriffe auf die saudische Ölinfrastruktur aus und erklärte, mehrere strategisch wichtige Anlagen ins Visier genommen zu haben. Zu den Zielen gehörte offenbar auch die Ost-West-Pipeline, über die Saudi-Arabien Rohöl von den Ölfeldern im Osten zum Exporthafen Yanbu am Roten Meer transportiert. Die Huthi begründeten die Angriffe mit vorherigen saudischen Drohneneinsätzen im jemenitischen Luftraum. Gleichzeitig meldete Saudi-Arabien, seine Luftverteidigung habe mehrere von irakischem Territorium gestartete Drohnen abgefangen, die auf Ölanlagen im Osten des Landes sowie auf die Hauptstadt Riad gerichtet gewesen seien. Das saudische Verteidigungsministerium betonte das Recht des Königreichs, seine Infrastruktur zu schützen und auf die Angriffe zu einem selbst gewählten Zeitpunkt zu reagieren.

Parallel dazu erklärte US-Präsident Donald Trump, die USA und der Iran führten Gespräche, um ihren Konflikt diplomatisch beizulegen. Zugleich stellte er jedoch klar, dass die Vereinigten Staaten ihre militärischen Angriffe auf iranische Ziele wieder aufnehmen könnten, falls keine Einigung zustande komme. Trump zeigte sich optimistisch hinsichtlich einer möglichen Annäherung und führte die Gesprächsbereitschaft des Iran auf den Druck der USA zurück. Die iranische Regierung widersprach dieser Darstellung jedoch und erklärte, derzeit fänden keine formellen Verhandlungen statt. Lediglich die Übermittlung von Botschaften über Vermittler sei weiterhin möglich. Da Trump ähnliche Aussagen in der Vergangenheit bereits mehrfach getroffen hatte, ohne dass sie sich bestätigten, bewerteten Marktteilnehmer seine Ankündigungen mit Vorsicht. Zusätzliche Aufmerksamkeit richtete sich auf den bevorstehenden Besuch des israelischen Premierministers Benjamin Netanjahu in Washington, da dessen Gespräche mit Trump Einfluss auf die weitere Iran-Politik der USA haben könnten.

An den internationalen Rohstoffbörsen setzten die Ölpreise ihren Rückgang fort. Der Brent-Preis fiel wieder unter die Marke von 90 US-Dollar je Barrel, während WTI deutlich unter 85 US-Dollar notierte. Ausschlaggebend für diese Entwicklung war vor allem das vorläufige Ausbleiben weiterer militärischer Eskalationen zwischen den USA und dem Iran sowie die Aussicht auf diplomatische Gespräche. Analysten warnten jedoch davor, den Konflikt bereits als entschärft anzusehen. Sie verwiesen insbesondere auf die angespannte Lage in der Straße von Hormus, durch die der Schiffsverkehr zuletzt nahezu zum Erliegen gekommen war. Zwar versuchten einzelne Tanker weiterhin, die Meerenge zu passieren, teilweise sogar mit ausgeschalteten Transpondern, doch eine nachhaltige Normalisierung des Öltransports sei bislang nicht erkennbar.

Preisdämpfend wirkte außerdem die Wiederaufnahme der Verladungen am Exportterminal des Caspian Pipeline Consortium (CPC), nachdem der Betrieb rund eine Woche lang unterbrochen gewesen war. Dadurch nahm auch die Pipeline vom kasachischen Tengis-Ölfeld nach Noworossijsk ihren regulären Betrieb wieder auf, sodass sowohl der Exportterminal als auch die gesamte Infrastruktur des Konsortiums erneut normal arbeiteten. Dies verbesserte die Versorgungslage am Ölmarkt zusätzlich.

Gleichzeitig blieb die geopolitische Unsicherheit hoch. Die Huthi-Miliz setzte ihre Seeblockade gegen Saudi-Arabien fort und weitete ihre Angriffe offenbar zunehmend auf die Ölinfrastruktur im Osten des Landes aus. Besonders ein erfolgreicher Angriff auf die strategisch wichtige Ost-West-Pipeline könnte die saudischen Exportmöglichkeiten erheblich beeinträchtigen und die Ölpreise erneut deutlich steigen lassen. Bereits die bisherigen Angriffe auf den Hafen von Yanbu sollen die dortigen Ölexporte um etwa 25 Prozent reduziert haben.

Die Marktteilnehmer richteten ihren Blick zudem auf bevorstehende Konjunktur- und Marktdaten aus den USA. Das American Petroleum Institute (API) veröffentlichte seine wöchentlichen Schätzungen zu den US-Ölbeständen, bevor das US-Energieministerium (DOE) seinen offiziellen Wochenbericht vorlegen sollte. Von besonderem Interesse waren dabei die Entwicklung der US-Ölexporte sowie die Auswirkungen des Tropensturms Bertha auf die Rohölproduktion und den Raffineriebetrieb. Obwohl die Ölfutures zunächst weiter nachgaben, erholten sie sich im Tagesverlauf leicht von ihren Tiefständen, sodass sich auch bei den Inlandspreisen erste Anzeichen einer Stabilisierung zeigten.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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