Die USA und der Iran haben ihre gegenseitigen Militärangriffe vorübergehend eingestellt und damit erste Signale einer möglichen Deeskalation im Konflikt gesendet. Die USA hatten zuvor über 13 Nächte hinweg militärische Ziele im Iran angegriffen, um eine Gefährdung der Schifffahrt in der Straße von Hormus zu verhindern. Nach Angaben aus beiden Ländern wollen nun sowohl Washington als auch Teheran ihre Angriffe aussetzen, solange die jeweils andere Seite ebenfalls auf weitere Militärschläge verzichtet. US-Regierungsvertreter begründen die Pause unter anderem damit, dass nur noch wenige geeignete militärische Ziele im Iran verblieben seien. Zudem warnte General Dan Caine Präsident Donald Trump vor einer Wiederaufnahme umfangreicher Kampfhandlungen, da diese die amerikanischen Munitionsbestände erheblich belasten würden. Offiziell erklärte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Mike Waltz, die Unterbrechung der Angriffe solle diplomatischen Gesprächen mehr Raum geben. Der Iran hält jedoch weiterhin an seinem Grundsatz „Angriff gegen Angriff“ fest und betont, dass er seine militärischen Operationen nur solange aussetzt, wie auch die USA keine neuen Angriffe durchführen. Gleichzeitig äußern iranische Vertreter Zweifel an den Absichten Washingtons und vermuten hinter der Feuerpause eher ein taktisches als ein dauerhaftes Entgegenkommen.
Parallel dazu verschärft die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz ihre Seeblockade gegen Saudi-Arabien. Nach eigenen Angaben verhinderte sie innerhalb einer Woche die Durchfahrt von 16 saudischen Schiffen durch die strategisch wichtige Meerenge Bab al-Mandeb, griff mehrere Öltanker an und attackierte Ölanlagen des Staatskonzerns Saudi Aramco in den Hafenstädten Jizan und Yanbu. Die Blockade führte bereits zu einem deutlichen Rückgang des Schiffsverkehrs durch die Meerenge, die als zentrale Verbindung zwischen Europa und Asien sowie als Zugang zum Suezkanal von großer Bedeutung für den Welthandel und insbesondere für den internationalen Energieverkehr ist. Zwar konnten einzelne Tanker die Passage weiterhin passieren, insgesamt blieb der Schiffsverkehr jedoch deutlich hinter dem üblichen Niveau zurück.
Die Entwicklung beeinflusst auch die internationalen Ölmärkte. Nachdem die Ölpreise zuletzt stark gestiegen waren, gaben sie zu Wochenbeginn wieder nach. Auslöser hierfür war vor allem die gegenseitige Angriffspause zwischen den USA und dem Iran, die Hoffnungen auf eine Entspannung der Lage und eine Stabilisierung der globalen Rohstoffströme weckte. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass die grundlegenden Konfliktpunkte – insbesondere die Kontrolle über die Straße von Hormus sowie das iranische Raketen- und Atomprogramm – weiterhin ungelöst bleiben. Deshalb besteht die Gefahr, dass die Feuerpause nur von kurzer Dauer ist und der Konflikt erneut eskaliert.
Zusätzlich bleibt die Versorgungslage auf dem Ölmarkt angespannt. Die Huthi-Blockade erschwert Saudi-Arabiens Ölexporte sowohl über den Westen durch das Rote Meer als auch indirekt über die Straße von Hormus im Osten. Gleichzeitig reduzieren technische oder möglicherweise kriegsbedingte Unterbrechungen an wichtigen russischen Exportterminals im Schwarzen Meer das weltweite Rohölangebot. Marktbeobachter erwarten deshalb, dass anhaltende Lieferstörungen die Ölpreise trotz der aktuellen Entspannung auf einem hohen Niveau halten und weiterhin Inflationsrisiken für die Weltwirtschaft mit sich bringen könnten. Zwar notierten die Ölpreise am Montag wieder leicht über ihren Tagestiefs, dennoch deutete sich gegenüber dem Ende der Vorwoche insgesamt ein leichter Preisrückgang an.