Trump verlängert Frist für den Iran – Ölfutures auf Richtungssuche

Trump verlängert sein Ultimatum erneut
Am Wochenende hatte Donald Trump dem Iran ein Ultimatum von 48 Stunden zur Freigabe der Straße von Hormus gestellt. Dieses hat der US-Präsident nun unter Verweis auf positive Verhandlungen zum zweiten Mal verlängert. Bis einschließlich 6. April werde es keine Angriffe auf iranische Kraftwerke und Energieanlagen geben, kündigte Trump auf seiner Plattform Truth Social an.

Seinen Worten zufolge habe das Regime in Teheran um einen Aufschub von 7 Tagen gebeten, den er auf 10 Tage ausgeweitet habe. Auch würden die Gespräche mit dem Iran „entgegen anders lautenden Falschmeldungen der Fake-News-Medien sehr gut“ verlaufen. Eine offizielle überprüfbare Stellungnahme aus Teheran gibt es bisher allerdings nicht. Medienberichten zufolge dementiert Teheran die Darstellung aus Washington.

An den Ölbörsen reagierten die Anleger gestern kurzzeitig mit Gewinnmitnahmen auf den neuerlichen Aufschub. Nachhaltig fiel diese Kurskorrektur allerdings nicht aus, denn das Misstrauen gegenüber den Behauptungen aus dem Weißen Haus scheint zuzunehmen, und das nicht nur, weil unklar ist, ob es tatsächlich Verhandlungen gibt oder nicht. Auch die Tatsache, dass Amerika seine Aufrüstung in der Region vorantreibt und die iranischen und israelischen Angriffe am Persischen Golf mit unverminderter Härte weitergehen, sorgt nicht zwingend für Optimismus am Markt.

Da hilft es auch nicht, dass Donald Trump bei einer Kabinettssitzung in Washington behauptete, Iran habe als Zeichen des guten Willens zehn Öltanker durch die Straße von Hormus passieren lassen. Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage nach weiteren Details zu den Schiffen, die laut Trump unter pakistanischer Flagge fuhren. Auch der Iran hat sich noch nicht zu dieser Behauptung geäußert.

Marktlage
Mit Donald Trumps Ultimatums-Verlängerung ist der Preisanstieg an ICE und NYMEX wieder etwas abgebremst worden. Dank der starken Abwärtsbewegung von Montag bleiben die Notierungen damit auf Kurs für einen deutlichen Wochenrückgang. Auf Monatssicht dürften die Ölfutures hingegen wohl den stärksten Preisanstieg hinlegen, der jemals verzeichnet wurde.

Das gestern vom US-Präsidenten angepasste Ultimatum reicht nun bis zum 6. April und soll zusätzlichen Raum für Gespräche schaffen. Zuvor hatte der Iran über die Nachrichtenagentur Tasnim bestätigt, auf eine amerikanische Antwort zu warten, nachdem ein 15-Punkte-Plan der USA zur Beendigung des Konflikts abgelehnt und eigene Bedingungen vorgelegt worden waren. Dazu zählt unter anderem die Anerkennung der Kontrolle Teherans über die Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit den globalen Märkten verbindet.

Ebenfalls am Donnerstag hatte Trump während einer Kabinettssitzung erklärt, Iran habe als Geste des guten Willens zehn Öltankern die Passage durch die Meerenge erlaubt. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte zudem an, dass ein Versicherungsprogramm zur Förderung des Schiffsverkehrs in der strategisch wichtigen Route in Kürze starten soll.

An den Märkten überwiegt dennoch Skepsis hinsichtlich einer raschen Lösung des Konflikts. „Trotz Gesprächen über Deeskalation orientiert sich der Ölmarkt eher an der Dauer des Krieges als an einzelnen Schlagzeilen. Direkte Schäden an der Infrastruktur oder ein langwieriger Konflikt könnten zu einem schnellen Preisanstieg führen“, warnt etwa Priyanka Sachdeva, Analystin bei Phillip Nova.

Auch Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei ING, sieht weiterhin Aufwärtsrisiken: Trumps jüngster Schritt nehme zwar kurzfristig Druck vom Markt, doch die Risiken blieben bestehen. Angesichts von bereits rund 8 Mio. B/T ausgefallener Förderung und weiterer gefährdeter Lieferströme im Persischen Golf dürfte die geopolitische Risikoprämie kaum deutlich nachlassen.

„Der Markt beginnt zu erkennen, dass es kein klares Ende des Konflikts gibt“, fürchtet auch Carl Larry, Öl- und Gasanalyst bei Enverus. „Wir gehen in ein weiteres Wochenende mit weiterhin steigenden Risiken.“

Entsprechend bleibt unsere Einschätzung zur fundamentalen Lage erst einmalweiter neutral bis bullish. Entgegen der optimistischen Rhetorik aus Washington scheint der Weg zu einem Waffenstillstand und einem Ende der Blockade im Persischen Golf noch ein sehr langer und steiniger Weg zu sein. Damit orientieren sich heute auch die Inlandspreise wieder nach oben, so dass im Vergleich zu gestern früh mit Aufschlägen gerechnet werden muss.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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