
Nahost-Produzenten wappnen sich gegen US-Militärschlag gegen Iran
Die Möglichkeit eines Militärschlags der USA gegen den Iran scheint nicht nur in der Islamischen Republik dafür zu sorgen, dass man das eigene Öl schon einmal aus der Schusslinie nimmt. Auch andere Ölproduzenten in Nahost treffen offenbar Sicherheitsvorkehrungen für ein militärisches Vorgehen der USA gegen den Iran.
So berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg mit Verweis auf Daten des Informationsdienstleisters Vortexa, dass OPEC-Schwergewicht Saudi-Arabien seine Ölexporte im laufenden Monat auf den höchsten Stand seit April 2023 schrauben dürfte, sollten sie auf dem bisher erreichten Niveau von 7,3 Mio. B/T bleiben (Stand: 24. Februar). Davon abgesehen sollen die Exportmengen von Irak, Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammen laut Tankertracking-Daten im Zeitraum von 1. bis 24. Februar mit rund 8,82 Mio. B/T etwa 600.000 B/T höher gewesen sein als noch im Vergleichszeitraum des Vormonats (wobei jedoch die Ausfuhren Kuwaits leicht gesunken sein sollen).
Unterdessen hieß es in einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, dass Saudi-Arabien auch damit begonnen habe, seine Produktion zu erhöhen. Dies hatte das Königreich bereits im Juni 2025 getan, als Israel eine Militäroperation gegen Ziele im Iran durchgeführt hatte. Damals hatte das Königreich seine Rohölproduktion den OPEC+-Kürzungen zum Trotz zeitweise bis auf rund 9,8 Mio.B/T hochgefahren und einen Teil davon in Lagern verstaut, von denen aus das Rohöl nicht über die Straße von Hormus exportiert werden muss.
Die Sperrung der für den internationalen Ölhandel so wichtigen Meerenge als Vergeltung Teherans für einen US-Militärschlag ist eine der größten Sorgen, die die Marktteilnehmer und auch die Produzenten in der Golfregion derzeit umtreibt, denn im Normalfall machen täglich rund 21 Mio. Barrel Öl ihren Weg durch die Straße von Hormus. Ob es zu einem US-Militärschlag und eventuell vielleicht auch zu einer Blockade der Meerenge kommt, könnte sich bereits im heutigen Tagesverlauf entscheiden, denn die USA und der Iran setzen heute im schweizerischen Genf ihre indirekten Gespräche zum iranischen Atomprogramm fort. Ein Scheitern der Gespräche könnte Washington zu einem militärischen Eingreifen veranlassen.
Marktlage
Der heutige Donnerstag dürfte ganz im Zeichen der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran in Genf stehen. Dort will die iranische Delegation der amerikanischen heute über Vermittler die Punkte präsentieren, bei denen Teheran Washington im Hinblick auf sein Atomprogramm entgegenkommen würde.
Warren Patterson, Leiter der Rohstoffstrategie bei ING Group NV in Singapur geht davon aus, dass die Marktteilnehmer derzeit bei Rohöl noch einen geopolitischen Risikoaufschlag von bis zu 10 US-Dollar pro Barrel einpreisen. Seiner Meinung nach werden die Ergebnisse der heutigen Verhandlungen in Genf "die Ölpreisentwicklung maßgeblich beeinflussen", so dass im Vorfeld eher mit Zurückhaltung zu rechnen sei. Bei der ING ist man allerdings auch der Ansicht, dass der Markt nicht sofort in die Vollen gehen wird, sollten die Gespräche scheitern, sondern erst einmal abwarten dürfte, "bis das Ausmaß potenzieller US-Maßnahmen gegen den Iran deutlicher wird."
Nach Einschätzung des Analysten Toshitaka Tazawa von Fujitomi Securities dürfte der Preis der US-Rohölsorte WTI im Falle einer militärischen Auseinandersetzung vorübergehend auf über 70 US-Dollar pro Barrel steigen. Sofern die USA nur eine begrenzte Anzahl an Zielen ins Visier nehmen und der Militärschlag von kurzer Dauer sei, sollte der Preis von WTI laut Tazawa jedoch wieder in den Bereich von 60 bis 65US-Dollar zurückfallen.
Eine große Unbekannte in der Gleichung bleibt allerdings die Reaktion Teherans auf einen US-Militärschlag. Dabei steht vor allem die Blockade der Straße von Hormus im Vordergrund, auf die sich viele Produzenten in der Region offenbar bereits vorbereiten. Die Frage ist zudem, wie die OPEC+ auf einen militärischen Konflikt zwischen den USA und dem Iran und daraus möglicherweise entstehende Angebotsausfälle reagieren würde. Die nächste Sitzung der Allianz, bei der die Produktionsstrategie für April abgestimmt werden wird, findet am Sonntag statt.
Die Versorgungslage in den USA wurde durch die Geopolitik zuletzt in den Hintergrund gedrängt, wobei Schneestürme und Kältewellen in den vergangenen Wochen jenseits des Atlantiks ohnehin für Ausnahmesituationen gesorgt hatten. Wie stark diese die Preise noch beeinflussen werden, dürfte nicht zuletzt auch davon abhängen, wie lange sie nachwirken.
Heute Morgen sind die Ölfutures an ICE und NYMEX zunächst einmal auf Richtungssuche. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich derzeit im Vergleich zu gestern teilweise schon leichtes Abwärtspotenzial ab, da der Gasoil-Kontrakt etwas nachgibt, vor allem aber auch, weil der EUR/USD fester notiert.