
Verhandlungen oder nicht? – Iran und USA widersprechen sich
Während Donald Trump gestern wiederholt von laufenden Gesprächen mit dem Iran berichtete, stritt die Führung in Teheran diese erneut ab. Es habe keine Verhandlungen gegeben und man habe auch nicht die Absicht, zu verhandeln, betonte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi im Staatsfernsehen. Zuvor hieß es, man prüfe den US-Vorschlag zur Beendigung des Krieges.
Araghtschi machte aber klar: „Jetzt über Verhandlungen zu sprechen ist ein Eingeständnis der Niederlage.“ Man werde weiter Widerstand leisten und wolle den Krieg zu eigenen Bedingungen beenden. Zu diesen gehöre demnach ein Ende der Tötungen iranischer Regierungsvertreter, ein Angriffs-Stop sowie Reparation für Kriegsschäden und die iranische Kontrolle über die Straße von Hormus.
Der Iran bleibt damit seiner radikalen Kriegsrhetorik treu und dementiert gleichzeitig jegliche Bereitschaft zu Gesprächen. Donald Trump wiederum sagte gestern Abend bei einer Veranstaltung im Bezug auf die Führung in Teheran: „Sie wollen unbedingt einen Deal machen, aber sie haben Angst, das zu sagen, weil sie glauben, sonst von ihrem eigenen Volk getötet zu werden“.
Wer mit wem und über welche Kanäle kommuniziert hat, bleibt unterdessen weitestgehend unklar. Medienberichte legen nahe, dass es einen indirekten Austausch über Vermittler gibt oder gegeben hat. Die Einschätzung darüber, wie glaubwürdig beide Parteien in ihren jeweiligen Aussagen sind, bleibt nun jedoch den Marktteilnehmern überlassen. Da die Preise an den Ölbörsen sich heute wieder leicht nach oben orientieren, scheint aktuell der Zweifel an der Darstellung aus den USA zu überwiegen.
Iran plant Gebühren für Passage durch Straße von Hormus
Das iranische Parlament arbeitet an einem Gesetzentwurf, der von Schiffen eine Gebühr für die sichere Passage durch die Straße von Hormus erheben würde. Das berichtet die halbamtliche Nachrichtenagentur Fars unter Berufung auf einen nicht namentlich genannten Abgeordneten.
Demnach soll der Plan in der kommenden Woche finalisiert werden und Irans Kontrolle über die strategisch wichtige Meerenge rechtlich festschreiben. Die Straße von Hormus verbindet die größten Öl- und Gasproduzenten im Persischen Golf mit dem Rest der Welt. Seit Kriegsbeginn Anfang März ist die schmale Wasserstraße nahezu vollständig blockiert und hat sich zu einem zentralen Schauplatz des Konflikts entwickelt.
Schon in der vergangenen Wochen hatte der Iran offenbar immer wieder Schiffen gegen Bezahlung freies Geleit durch die Straße von Hormus gewährt. Nun soll diese Praxis offenbar zum Gesetz werden und stellt die internationale Schifffahrt vor einige Probleme, denn zum einen sind die Betreiberfirmenbestrebt, die im Persischen Golf festsitzenden Besatzungen und Ladungen zu retten, zum anderen würde man aber Sanktionen riskieren und Sicherheitsrisiken eingehen.
„Letztlich ist es eine Frage, ob man Iran in dieser Hinsicht vertraut“, kommentiert Amanda Bjorn, Leiterin der Schadensabteilung beim Marineversicherungsbroker Cambiaso Risso Asia. „Das wird den Welthandel weiter behindern, obwohl wir seit rund hundert Jahren von der Freiheit der Schifffahrt profitieren.“ Die freie Schifffahrt durch strategisch wichtige Seewege gilt grundsätzlich als durchinternationales Recht geschützt. Irans Bestrebungen würden dem entgegenstehen.
Marktlage
Ein Ende des Iran-Krieges ist nicht in Sicht und die Aussichten auf zielführende Verhandlungen zu einem Waffenstillstand schwinden mehr und mehr. Während die USA zwar weiterhin von konstruktiven Gesprächen mit dem Iranberichten, dementiert dieser jegliche Verhandlungen und stellt stattdessen eigene Forderungen. Die Ölpreise orientieren sich damit wieder leicht nach oben.
Im Zentrum des Konfliktes bleibt die Straße von Hormus, durch die unternormalen Umständen täglich über 20 Mio. Barrel Öl und Ölprodukte transportiert werden. Seit Kriegsausbruch ist die Meerenge jedoch faktisch von Teheran blockiert. Entsprechend erbittert setzen sich die Angriffe von allen Seiten in der gesamten Region fort. Aus dem Weißen Haus hieß es dazu gestern, Präsident Donald Trump werde den Druck auf den Iran weiter erhöhen, sollte Teheran nicht akzeptieren, dass das Land „militärisch besiegt“ sei.
„Der Optimismus hinsichtlich einer Waffenruhe ist geschwunden“, sagt Tsuyoshi Ueno, Chefökonom am NLI Research Institute in Tokio. Die von Washingtongesetzten Hürden für die Aufnahme von Waffenstillstandsgesprächen seien hoch, was die Ölpreise je nach Verlauf der Verhandlungen und der militärischen Entwicklungen anfällig für weitere Schwankungen mache.
Auch Philip Jones-Lux, leitender Marktanalyst bei Sparta Commodities, zeigte sich skeptisch: „Während die USA klar nach einem Ausweg suchen, scheinen weder Iran noch Israel an einer schnellen Lösung interessiert zu sein.“ Angesichts zusätzlicher Truppenentsendungen sei es „verfrüht, derzeit eine Deeskalation einzupreisen“.
Black Rock-Präsident Rob Kapito warnt zudem davor, dass Investoren die Risiken des Konflikts unterschätzen könnten. Selbst bei einem sofortigen Kriegsende hätten die Ölpreise noch das Potenzial, auf bis zu 150 Dollar pro Barrel zusteigen, da es Zeit brauche, bis die Lieferketten wieder voll funktionsfähig seien, sagte der Marktexperte bei einer Veranstaltung in Melbourne.
Unterdessen kündigte Washington ein neu terminiertes Treffen zwischen Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping an. Das Gipfeltreffen, das ursprünglich Mitte März hätte stattfinden sollen und wegen des Iran-Krieges verschoben wurde, soll nun am 14. und 15. Mai in Peking nachgeholt werden. Das Gipfeltreffen erfolgt nach monatelangen Zollstreitigkeiten und inmitten wachsender Spannungen zwischen den beiden Ländern.
Die fundamentale Einschätzung am Ölmarkt bleibt weiterhin eher bullish, da sich die erhoffte Annäherung und Deeskalation im Iran-Konflikt als extrem schwieriger weist. Entsprechend bleiben die Ölfutures auf vergleichsweise hohem Niveau, was sich auch bei den Inlandspreisen zeigt.