USA verstärkt diplomatische Bemühungen – Lage im Nahen Osten bleibt volatil

15-Punkte Plan aus Washington soll Krieg beenden
Laut Donald Trump schreiten die amerikanischen Bemühungen voran, ein Ende des Krieges mit dem Iran auszuhandeln. Zuvor hieß es aus verschiedenen Medienberichten, die US-Regierung habe einen 15-Punkte-Plan zur Beendigung des Iran-Krieges vorgelegt. Das Vermittlerland Pakistan habe dem Iran den Entwurf übermittelt, so die Berichte unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Der israelische Sender Channel 12 meldet, dass die USA eine einmonatige Waffenruhe anstreben, um über den Plan zu verhandeln. Dieser soll unter anderem die Demontage des iranischen Atomprogramms, ein Ende der Unterstützung verbündeter Milizen sowie die Wiederöffnung der Straße von Hormus enthalten. Seit Beginn der Angriffe durch die USA und Israel vor vier Wochen gilt die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund 20 % der globalen Ölexporte verlaufen, faktisch als blockiert.

Der US-Präsident behauptete gestern in diesem Zusammenhang zudem, Iran habe ein „wertvolles Zugeständnis“ in Sachen Energie und der Straße von Hormus gemacht. Details blieb er allerdings auch diesmal schuldig. Zuvor hatte Iran dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen und der International Maritime Organization (IMO) offenbar signalisiert, dass „nicht-feindliche Schiffe“ die wichtige Wasserstraße passieren könnten, sofern sie dies mit iranischen Behörden abstimmen.

Eine offizielle Bestätigung aus Teheran gibt es zu all dem nicht. Noch am Montag dementierte das Regime alle Meldungen zu Gesprächen mit Washington als „Fake News“. Allerdings verdichten sich die Anzeichen, dass die diplomatischen Kanäle geöffnet wurden und zumindest Bewegung in die verhärteten Fronten kommen könnte. Aus Pakistan, das sich um Vermittlung bemüht, hieß es dass es bald direkte Gespräche in der Hauptstadt Islamabad geben könnte.

Die Lage am Persischen Golf bleibt damit volatil, zumal die gegenseitigen Angriffe nicht aufgehört haben. Vielmehr wollen die USA offenbar sogar 3.000 zusätzliche Elite-Eingreifkräfte in den Nahen Osten verlegen, wie aus übereinstimmende Medienberichten hervorgeht. Sie sollen demnach zu den mehreren tausend Soldaten des Marinekorps dazustoßen, die am Freitag in der Region erwartet werden. Entsprechend verhalten reagieren die Marktteilnehmer an ICE und NYMEX, wo die Preise gestern zwar nachgaben, insgesamt aber weiter auf hohem Niveau bleiben.

Marktlage
Mit wachsenden diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Iran-Krieges haben auch die Ölpreise wieder etwas nachgegeben. Mit dem 15-Punkte-Plan aus Washington, der dem Iran gestern durch Pakistan übermittelt wurde und der als Grundlage für Verhandlungen dienen soll, fiel Brent wieder unter 100 Dollar und WTI handelt aktuell immer noch unter 90 Dollar.

„Wir haben uns eindeutig von einer Phase, die im Krieg zwischen den USA und dem Iran zu einer ‚vollständigen Vernichtung‘ hätte führen können, hin zu einer Verhandlungslösung bewegt, auch wenn diese angesichts des mangelnden Vertrauens auf beiden Seiten wahrscheinlich komplex ausfallen wird“, kommentiert Robert Rennie von Westpac die Lage.

„Die Erwartungen hinsichtlich eines Waffenstillstands sind leicht gestiegen und Gewinnmitnahmen bestimmen den Markt“, erklärt Hiroyuki Kikukawa, Chefstratege bei Nissan Securities Investment. „Der weitere Verlauf bleibt jedoch unsicher, da unklar ist, ob die Verhandlungen erfolgreich sein werden, was den Verkaufsdruck begrenzt.“

Trotz der jüngsten Preisnachlässe steuern die Ölpreise weiterhin auf einen deutlichen Monatsanstieg zu, nachdem sie in den vergangenen Wochen stark geschwankt hatten. Die Anleger konzentrieren sich dabei weiterhin vor allem auf Teherans Versuch, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu festigen. Seit nunmehr fast vier Wochen stehen die Exporte durch die wichtige Meerenge, durch die sonst etwa ein Fünftel des globalen Ölbedarfs fließt, nahezu komplett still.

Für leichten Optimismus sorgt hier die Meldung, dass der Iran dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen sowie der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation signalisiert, dass „nicht-feindliche Schiffe“ die Straße von Hormus passieren dürfen, sofern sie sich mit den iranischen Behörden abstimmen. Gleichzeitig halten die Angriffe zwischen den USA, Israel und Iran an. Zudem bereitet Washington die Entsendung weiterer Truppen in die Region vor.

„Die Marktperspektiven bleiben angespannt, ungeachtet der Aussichten auf eine Deeskalation des Konflikts“, meint Saul Kavonic von MST Marquee. „Selbst wenn diese Woche ein Waffenstillstand in Kraft treten würde und der Durchfluss durch die Straße von Hormus wieder aufgenommen wird, ist nicht klar, ob die gesamte stillgelegte Produktion wieder anlaufen kann, solange keine größere Klarheit über die Dauerhaftigkeit eines Waffenstillstands besteht.“

Insgesamt bleibt der Iran-Krieg und alles, was daran hängt, das allesüberschattende Thema am Ölmarkt. Andere Meldungen dringen weiterhin kaum vor, so dass auch die DOE-Bestandsdaten heute Nachmittag wahrscheinlich nur wenig Beachtung finden werden. Die fundamentale Einschätzung bleibt auch heute leicht bullish, obwohl die Hoffnungen auf eine Deeskalation zunehmen.

 

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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