Ölfutures vor Ankündigung der US-Maßnahmen gegen Iran weicher

Zu Beginn der neuen Handelswoche richtet sich die Aufmerksamkeit an den Ölmärkten vor allem auf die angekündigten US-Maßnahmen zur wirtschaftlichen Isolierung Irans, die US-Finanzminister Scott Bessent am Abend bekannt geben will. Die iranische Führung zeigt sich von den Drohungen bislang wenig beeindruckt und kündigt im Falle eines anhaltenden Wirtschaftskriegs eine weitere Eskalation an. Der Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats drohte sogar damit, dass Iran keinen Tropfen Öl mehr exportieren werde, sollte der Druck anhalten. Auch Außenminister Abbas Araghchi kritisierte die US-Politik als Wiederholung bereits bekannter Maßnahmen.

Marktanalysten bezweifeln derzeit noch, dass die US-Maßnahmen ihre gewünschte Wirkung vollständig entfalten werden. Gleichzeitig warnen sie vor erheblichen Risiken für die Energiemärkte, falls die Maßnahmen tatsächlich zu einer stärkeren Einschränkung iranischer Ölexporte führen. Iran könnte in diesem Fall mit verstärkten Gegenmaßnahmen reagieren und dadurch die ohnehin angespannte Versorgungslage weiter verschärfen. Besonders wichtig ist dabei die Reaktion Chinas, da das Land zuletzt zu den wichtigsten Abnehmern iranischen Öls gehörte und somit ebenfalls von den US-Maßnahmen betroffen sein könnte. Washington hat zudem angekündigt, auch Staaten unter Druck zu setzen, die ihre wirtschaftlichen Beziehungen zu Iran aufrechterhalten und aus US-Sicht eine zu nachgiebige Haltung einnehmen.

Neben den politischen Spannungen bleibt die Unsicherheit über den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus ein zentraler Belastungsfaktor für den Ölmarkt. Iran lässt zwar gelegentlich Tanker passieren, eine verlässliche Normalisierung des Verkehrs ist jedoch nicht absehbar. Gleichzeitig hält die Huthi-Miliz die Seeblockade Saudi-Arabiens im Roten Meer aufrecht. Dadurch bleiben wichtige Transportwege für den weltweiten Ölhandel beeinträchtigt.

Die Analysten von Morgan Stanley gehen deshalb von einer weiteren Verknappung des Rohölangebots aus. Sie beobachten sowohl einen deutlichen Rückgang der schwimmenden Ölreserven als auch sinkende Lagerbestände an Land, unter anderem in China. Als Hauptursache sehen sie das geringere Angebot aus dem Nahen Osten. Mehrere Datenquellen deuten darauf hin, dass die gesamten Ölexporte der Region wieder auf ein niedriges Niveau wie im März und April zurückgefallen sind. Trotz dieser angespannten fundamentalen Lage testeten die Ölfutures am frühen Montag zunächst ihre Abwärtsseite. Die gleitenden Durchschnitte der vergangenen sieben Handelstage erwiesen sich dabei bislang als stabile Unterstützung. Auch bei den Inlandspreisen zeichnet sich auf Basis der aktuellen Berechnungen zunächst noch Spielraum für Preisrückgänge ab.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

Die Lienert + Ehrler AG übernimmt keine Haftung für Vollständigkeit und Richtigkeit der auf dieser Seite publizierten Informationen.