Krisenlage weitet sich aus – Tankerangriffe im Roten Meer

Die Huthi-Miliz im Jemen hat nach eigenen Angaben zwei saudische Öltanker im Roten Meer mit Raketen und Drohnen angegriffen und damit den Konflikt im Nahen Osten weiter verschärft. Die Miliz begründete den Angriff damit, dass die Schiffe gegen ihre verhängte Seeblockade verstoßen hätten. Zuvor hatte die britische Seefahrtsüberwachungsstelle UK Maritime Trade Operations gemeldet, dass ein Schiff vor der saudi-arabischen Küste getroffen worden sei. Saudi-Arabien äußerte sich zunächst nicht zu dem Vorfall. Das Rote Meer gewinnt als Ausweichroute für Rohölexporte zunehmend an Bedeutung, da die Schifffahrt durch die Straße von Hormus bereits erheblich beeinträchtigt ist. Bereits Anfang der Woche hatten die vom Iran unterstützten Huthi mit einer Seeblockade gegen Saudi-Arabien gedroht.

Die Huthi hatten schon seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen im Jahr 2023 wiederholt Drohnen- und Raketenangriffe auf den internationalen Schiffsverkehr im Roten Meer durchgeführt und dadurch wichtige Handelsrouten massiv gestört. Erst die Waffenruhe im Mai 2025 hatte diese Angriffe vorübergehend beendet. Mit den aktuellen Attacken erreicht der Konflikt nun eine neue Eskalationsstufe, da erstmals gezielt Öltanker im Roten Meer angegriffen wurden.

Parallel dazu setzen die USA ihre Militärschläge gegen Ziele im Iran fort. Nach Angaben des US-Zentralkommandos begann bereits die zwölfte Angriffswelle mit dem Ziel, die militärischen Fähigkeiten Irans zur Bedrohung der internationalen Schifffahrt weiter einzuschränken. Gleichzeitig zeigen weder die USA noch der Iran Bereitschaft zu neuen Verhandlungen. US-Präsident Donald Trump kündigte nach dem Tod von vier US-Soldaten eine harte Reaktion gegen den Iran an und bekräftigte seine Drohung, iranische Infrastruktur wie Brücken und Kraftwerke anzugreifen, falls Teheran seine Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus fortsetzt. Der Iran wies seinerseits Verhandlungen zurück und warf den USA vor, das im Juni geschlossene Interimsabkommen gebrochen zu haben, wodurch dieses inzwischen faktisch hinfällig geworden ist.

Die jüngste Eskalation wirkt sich unmittelbar auf die internationalen Ölmärkte aus. Die Ölpreise setzen ihre starke Aufwärtsbewegung fort, da die Sorge vor weiteren Unterbrechungen der globalen Ölversorgung wächst. Marktbeobachter bewerten den Angriff auf die Tanker als schwerwiegende Eskalation, weil das Rote Meer die wichtigste Ausweichroute für Ölexporte aus der Golfregion darstellt. Sollte auch diese Route dauerhaft beeinträchtigt werden, könnten nach Einschätzung von Analysten täglich bis zu fünf Millionen Barrel Öllieferungen betroffen sein. Gleichzeitig hält der Iran seine Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus unverändert aufrecht, wodurch sich das Risiko gleichzeitiger Störungen an zwei der wichtigsten Schifffahrtswege für den globalen Ölhandel deutlich erhöht.

Vor diesem Hintergrund ist der Preis für die Nordseesorte Brent im laufenden Monat bereits um mehr als 30 Prozent gestiegen. Mehrere Analysten halten Ölpreise von über 100 US-Dollar je Barrel noch im laufenden Jahr für möglich, sofern die militärischen Auseinandersetzungen anhalten und die Lieferketten nachhaltig beeinträchtigt werden. Die weitere Preisentwicklung hängt dabei entscheidend davon ab, ob die Angriffe im Roten Meer ein Einzelfall bleiben oder sich zu einer dauerhaften Bedrohung des Schiffsverkehrs entwickeln.

Neben den geopolitischen Risiken richtet sich die Aufmerksamkeit der Finanzmärkte auch auf die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Nach der Zinserhöhung im Juni erwarten die Märkte zunächst eine Zinspause, schließen jedoch weitere Anhebungen bis zum Jahresende nicht aus. Gleichzeitig hat sich der Tropensturm Bertha in den USA deutlich abgeschwächt, sodass keine nennenswerten Schäden an der amerikanischen Ölindustrie zu erwarten sind. Insgesamt bleibt die Stimmung am Ölmarkt jedoch klar von den geopolitischen Spannungen geprägt. Da derzeit keine Anzeichen für eine Deeskalation im Nahen Osten bestehen, steigt die Risikoprämie weiter an und treibt sowohl die Rohölpreise als auch die Preise für Mineralölprodukte weiter nach oben.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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