Hoffen auf Verhandlungen – Krisenlage im Persischen Golf bleibt angespannt

Verhandlungen oder nicht? Irans Teilnahme bleibt offen
Nach wie vor ist unklar, ob der Iran an den geplanten Verhandlungen mit den USA teilnehmen wird, die für diese Woche in Islamabad angesetzt waren. Kurz vor Auslaufen der Waffenruhe zwischen den beiden Kriegsparteien bleibt offen, ob die Gespräche fortgesetzt werden oder nicht.

Beide Parteien zeigten sich zuletzt eher unnachgiebig. So halten die USA ihre Seeblockade des Iran weiterhin aufrecht, Präsident Donald Trump schrieb in einem Social Media Post, sie werde erst aufgehoben, wenn Teheran einem "Deal" zur Beendigung des Krieges zugestimmt habe. Teheran wiederum knüpft die Teilnahme an Gesprächen an eine Beendigung der Seeblockade. Man akzeptiere keine Verhandlungen unter dem Eindruck von Drohungen, hieß es vom iranischen Verhandlungsführer Mohammed Bagher Ghalibaf.

Sollte die Annäherung scheitern, dürfte mit dem Auslaufen der Waffenruhe in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wohl auch der Krieg wieder ausbrechen. Trump hatte für den Fall erneut mit zerstörerischen Angriffen gedroht und auch der Iran signalisierte, man habe nach der Feuerpause neue militärische Mittel in der Hinterhand. Dieser Ausgang wäre auch für den Ölmarkt dramatisch, denn die prekäre Angebotslage würde sich damit aller Wahrscheinlichkeit nach nur weiter verschlechtern.  

Trotz der aktuell herrschenden Ungewissheit über eine mögliche neue Verhandlungsrunde will sich die US-Delegation um US-Vizepräsident JD Vance offenbar dennoch heute auf den Weg nach Islamabad machen. Pakistan, das schon bei der ersten Verhandlungsrunde als Vermittler fungierte, zieht unterdessen alle Register, um den Iran doch noch zu einer Teilnahme zu bewegen. Es bleibt nun abzuwarten, ob es heute oder morgen tatsächlich noch zu einer diplomatischen Annäherung kommt.

Marktlage
Kurz vor dem Auslaufen der Waffenruhe zwischen USA und Iran bleibt das zentrale Thema am Ölmarkt weiterhin die Krise am Persischen Golf. Dabei stützen sich zur Zeit alle Hoffnungen der Marktteilnehmer auf die Teilnahme des Irans an den geplanten Verhandlungen in Islamabad.

Am Montag hatten Brent und WTI noch spürbar zugelegt, nachdem der Iran erneut die Straße von Hormus geschlossen hatte. Zudem beschlagnahmten die USA im Zuge ihrer Blockade iranischer Häfen ein iranisches Frachtschiff.

Dennoch richten Investoren ihren Blick nun verstärkt auf die Aussicht, dass die Gespräche in dieser Woche entweder zu einer Verlängerung der bestehenden Waffenruhe oder sogar zu einer endgültigen Einigung führen könnten. Gleichzeitig bleibt das Risiko weiterer Konflikte und Störungen der Ölversorgung bestehen.

Von der ING heißt es, die Energiemärkte hätten zwar nach der jüngsten Entwicklung rund um die Straße von Hormus zunächst zugelegt, signalisierten jedoch weiterhin Optimismus hinsichtlich möglicher US-iranischer Gespräche. Die Analysten fügen allerdings auch an: „Wir sind der Ansicht, dass die Märkte die anhaltenden Angebotsstörungen unterschätzen. Der Optimismus scheint die Realität des Angebotsschocks zu überdecken.“

„Wir gehen weiterhin davon aus, dass in dieser Woche entweder eine Absichtserklärung unterzeichnet und/oder die Waffenruhe verlängert wird, was sich zu einem umfassenderen Abkommen entwickeln könnte“, hieß es von Analysten der Citi. „Gleichzeitig bleiben wir darauf vorbereitet, in ein Szenario länger anhaltender Störungen umzuschwenken, sollte es in dieser Woche zu einem Scheitern der Verhandlungen kommen.“

Unterdessen bleibt der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus extrem reduziert. Am frühen Dienstag versuchten lediglich drei Schiffe die Passage. Die Krise hatte sich am Wochenende erneut verschärft, nachdem die US-Marine ein iranisches Schiff beschlagnahmt hatte und iranische Kräfte auf Schiffe feuerten sowie wieder verstärkte Kontrollen in der Meerenge einführten.

Sollten die Störungen in der Straße von Hormus einen weiteren Monat andauern, könnten sich die Gesamtausfälle laut Citi auf rund 1,3 Mrd. Barrel belaufen. Die Preise könnten dann im zweiten Quartal 2026 bei etwa 110 Dollar pro Barrel liegen.

Laut Société Générale macht sich die Krise schon jetzt bei der Nachfrageentwicklung bemerkbar. So hätten die durch die Schließung verursachten Preissteigerungen die Nachfrage um etwa 3% gedrückt, meinen die Analysten der französischen Großbank. Das Risiko sei „nach oben gerichtet, je länger sich die Normalisierung verzögert“. Eine „vollständige Normalisierung“ der Versorgung wird demnach erst gegen Ende des Jahres 2026 erwartet.

Wie schon in den vergangenen Wochen bleibt der Fokus der Anleger auch heute komplett auf den Entwicklungen am Persischen Golf. Andere Marktfaktoren, wie etwa die heute Abend auf dem Programm stehenden API-Bestandsdaten aus den USA laufen zur Zeit höchstens unter „Ferner liefen“. Unsere fundamentale Einschätzung bleibt deshalb heute erst einmal bullish, so lange noch nicht geklärt ist, ob es überhaupt Verhandlungen geben wird.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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