Die USA wollen am kommenden Montag konkrete Maßnahmen zur wirtschaftlichen Isolierung Irans vorstellen. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte an, dass Washington dafür seine Verbündeten geschlossen auf eine gemeinsame Linie verpflichten wolle. Er sprach von der größten koordinierten wirtschaftlichen Isolation in der Geschichte und deutete an, dass die USA auch Druck auf Staaten ausüben könnten, die weiterhin iranisches Öl kaufen. Damit könnte insbesondere China betroffen sein, das zu den wichtigsten Abnehmern iranischen Rohöls zählt. Peking fordert dagegen eine diplomatische Lösung und warnt, dass Sanktionen und wirtschaftlicher Druck den Konflikt nicht lösen würden.
Iran weist die US-Strategie scharf zurück. Außenminister Abbas Araghchi bezeichnete den geplanten wirtschaftlichen Druck als „Wirtschaftsterrorismus“ und warnte vor Folgen für die Weltwirtschaft und die staatliche Souveränität. US-Vizepräsident J.D. Vance erklärte hingegen, die USA wollten mit dem Druck vor allem verhindern, dass Iran eine Atomwaffe entwickelt. Wie lange die iranische Wirtschaft den Belastungen standhalten kann, lasse sich derzeit nicht abschätzen.
Die angespannte geopolitische Lage wirkt sich weiterhin auf den Ölmarkt aus. Die Preise für Brent und WTI setzen ihren Anstieg aus der vergangenen Woche fort, liegen aber noch unter den psychologisch wichtigen Marken von 95 beziehungsweise 90 US-Dollar je Barrel. Eine weitere militärische Eskalation durch die USA erscheint zwar weniger wahrscheinlich, gleichzeitig bleibt die Unsicherheit über die Öllieferungen durch die Straße von Hormus bestehen. Schiffe können die Meerenge weiterhin vereinzelt passieren, doch die Route gilt derzeit nicht als ausreichend sicher. Die geplante US-Strategie könnte die Situation zusätzlich verändern, wobei deren konkrete Auswirkungen noch offen sind.
Besonders kritisch sehen Marktteilnehmer mögliche Folgen für China. Sollte Peking seine iranischen Ölkäufe aufgrund des US-Drucks weiter reduzieren, könnten die chinesischen Raffinerien ihre Verarbeitung drosseln und weniger Mineralölprodukte exportieren. Da China der größte Rohölimporteur der Welt ist, hätte eine solche Entwicklung erhebliche Auswirkungen auf das globale Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage. BMI rechnet deshalb mit zunehmenden Aufwärtsrisiken für den Brent-Preis und prüft eine Anhebung seiner bisherigen Monatsprognose. Neben den Störungen in der Straße von Hormus belasten auch die Einschränkungen im Roten Meer infolge des Huthi-Embargos die internationalen Öl- und Produktströme.
Zusätzlichen Auftrieb erhalten die Ölpreise durch die anhaltenden ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur. Mehrere größere Raffinerien sollen erneut beschädigt worden sein, wodurch sich insbesondere das Angebot an raffinierten Produkten verknappen könnte. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach Destillaten in den USA nach einer kurzen Abschwächung wieder an, während die US-Exporte von Destillaten deutlich zurückgingen. Diese Faktoren stützen insbesondere die Produktpreise.
Am Freitag zeigen sich die europäischen Gasoil-Preise sowie Brent und WTI zwar unter ihren jeweiligen Vortageshochs und testen teilweise erste Unterstützungsmarken. Für die Inlandspreise besteht nach Einschätzung der Marktlage dennoch weiterhin Spielraum für deutliche Aufschläge. Insgesamt bleibt der Ölmarkt damit stark von geopolitischen Risiken, möglichen neuen US-Sanktionen gegen Iran, der unsicheren Lage in der Straße von Hormus, Chinas Reaktion sowie den Schäden an der russischen Energieinfrastruktur abhängig.