
Israel beschwichtigt - Keine neuen Angriffe auf Energieanlagen
Für etwas Erleichterung am Markt sorgt die Tatsache, dass es seit der Eskalation am Mittwoch keine neuen massiven Angriffe auf Energieinfrastruktur gegeben hat. Stattdessen signalisierte Israel eine gewisse Zurückhaltung und erklärte, dass die bisherigen Angriffe Irans strategische Fähigkeiten deutlich geschwächt hätten. Laut Israels Präsident Benjamin Netanjahu werde der Krieg „schneller enden, als viele denken“.
Netanjahu betonte, die Militärkampagne sei nicht auf unbestimmte Zeit angelegt. Zudem stellte er in Aussicht, dass Israel auf Wunsch von US-Präsident Trump vorerst auf weitere Angriffe auf das iranische South-Pars-Gasfeld verzichten werde. Das nahm kurzfristig den Druck aus den Ölmärkten und dämpfte die Sorgen um eine weitere Eskalation, die kritische Energieinfrastruktur gefährden könnte.
Westen signalisiert Bereitschaft zur Sicherung der Straße von Hormus
Unterdessen erklärten die EU Staaten gemeinsam mit Japan und Kanada sie seien bereit, sich an geeigneten Maßnahmen zur Sicherung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus zu beteiligen und zur Stabilisierung der Energiemärkte beizutragen. „Wir sind bereit, entsprechende Schritte zur Gewährleistung sicherer Passage durch die Straße zu unterstützen. Wir begrüßen das Engagement von Staaten, die bereits Vorbereitungen treffen“, heißt es in der Erklärung.
Beim gestrigen EU-Gipfel in Brüssel forderten die Mitglieder zudem ein Ende der Angriffe auf Energie- und Marineinfrastruktur im Nahen Osten. „Der Europäische Rat ruft zu Deeskalation und größtmöglicher Zurückhaltung auf, zum Schutz von Zivilisten und ziviler Infrastruktur sowie zur uneingeschränkten Achtung des Völkerrechts durch alle Parteien“, heißt es in der Abschlusserklärung.
Die EU-Staaten begrüßten darüber hinaus die Bereitschaft einzelner Mitgliedsstaaten, die Straße von Hormus abzusichern, „sobald die Voraussetzungen dafür erfüllt sind“. Um welche Voraussetzungen es sich handelt, wurde in der Erklärung nicht erläutert. Konkrete Angaben zu einem Einsatz in der wichtigen Meerenge enthielt die Erklärung ebenfalls nicht. Die USA hatten zuletzt gedrängt, entsprechende Militäraktionen der Amerikaner mit zu unterstützen.
Marktlage
Wo es gestern noch nach einer Fortsetzung der steilen Preisrally aussah, ist Brent inzwischen wieder von seinem höchsten Settlement seit 2022 zurückgekehrt. Dabei hilft die Tatsache, dass es seit den Angriffen auf Irans wichtiges SouthPars Ölfeld und Teherans Gegenangriff auf Katars LNG-Anlagen keine weitere Attacken auf wichtige Energieeinrichtungen gab.
Stattdessen bemühten sich fast alle Parteien um Beschwichtigung. So erklärte etwa US-Präsident Donald Trump, angesprochen auf Gerüchte über einen möglichen Einsatz von Bodentruppen, er habe nicht vor, Truppen „irgendwo hin zu entsenden“. Aus Israel hieß es unterdessen, man werde von weiteren Angriffen auf iranische Energieanlagen absehen. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu signalisierte zudem, dass ein Ende des Krieges nahe sein könnte.
Diese Demonstration von Zurückhaltung und Deeskalation ist laut Priyanka Sachdeva der Grund, weshalb beide wichtigen Rohöl-Benchmarks am Freitagmorgen einen Teil ihrer sogenannten „Kriegsprämien“ wieder abgegeben haben. Die leitende Marktanalystin bei Phillip Nova warnte jedoch zugleich, dass die Märkte weiterhin empfindlich auf Entwicklungen rund um die strategisch wichtige Straße von Hormus reagieren dürften.
„Der Schaden ist bereits angerichtet und selbst wenn die sichere Passage für Tanker durch die Straße von Hormus ausgehandelt werden kann, dürfte es sehr lange dauern, bis die Logistik wieder vollständig funktioniert“, so Sachdeva.Bis dahin könnten direkte Treffer auf Exportinfrastruktur oder Tankerrouten die Preise stark nach oben treiben, während anhaltende diplomatische Bemühungen Preisanstiege begrenzen und die Kriegsprämie schneller abbauen könnten.
Unterdessen erklärte US-Finanzminister Scott Bessent, es sei wahrscheinlich,dass das iranische Regime von innen heraus kollabieren werde und befeuerte damit die Hoffnungen, dass ein Ende des Krieges näher sein könnte als befürchtet. Zudem prüfe die US-Regierung eine Aufhebung der Sanktionen gegen iranisches Öl, um die durch den Golfkonflikt stark gestiegenen Energiepreise zusenken. Auch eine einseitige Freigabe strategischer Reserven werde in Betracht gezogen.
Rebecca Babin von der CIBC Private Wealth Group warnt unterdessen vor anhaltender Volatilität. „Solange die Kämpfe andauern und Energieinfrastruktur weiterhin im Fokus steht, wird es für die Märkte sehr schwierig sein, sich zu beruhigen“, so die Ölmarktexpertin. „Die Frage ist, welches Ziel als Nächstes getroffen wird, ob die Schäden kurz- oder langfristig sind und welche Folgen das hat. Ich glaube daher ehrlich gesagt, dass uns noch mehr Volatilität bevorsteht.“
Aus fundamentaler Sicht stufen wird die Lage heute zunächst wieder neutral bis bullish ein, nachdem eine weitere Eskalation am Persischen Golf ausgeblieben ist. Dennoch bleibt die Risikolage angespannt und ein Ende des Krieges bisher nur ein Hoffnungsschimmer.