Nahostkonflikt treibt Brent wieder über 90 Dollar

Die USA setzen ihre Militärschläge gegen den Iran fort und griffen in der Nacht zum Montag bereits den neunten Tag in Folge militärische Ziele an. Nach Angaben des US-Zentralkommandos (CENTCOM) richteten sich die Angriffe erneut gegen Kommandozentren, Luftabwehr- und Küstenüberwachungsanlagen, Raketen- und Drohnenstartplätze, maritime Einrichtungen sowie Kommunikationsnetzwerke, um die militärischen Fähigkeiten des Iran weiter zu schwächen. Gleichzeitig bestätigte das US-Militär den Tod von zwei US-Soldaten bei einem iranischen Angriff auf einen US-Stützpunkt in Jordanien; ein weiterer Soldat gilt weiterhin als vermisst, nachdem nicht identifizierte menschliche Überreste gefunden wurden. Im Irak starb zudem ein US-Soldat bei der kontrollierten Sprengung eines Blindgängers, der von einer iranischen Drohne stammte. US-Präsident Donald Trump erklärte, die jüngsten Angriffe seien eine Reaktion auf den Tod der Soldaten und hätten deren Andenken gegolten.

Der Iran weitete seine Vergeltungsschläge unterdessen auf weitere Ziele in der Golfregion aus. In Kuwait traf ein Angriff neben einem Kraftwerk auch eine Ölanlage, wobei mehrere Menschen verletzt wurden und erhebliche Sachschäden entstanden. Die kuwaitische Regierung verurteilte die Angriffe scharf, sprach von gezielten Attacken auf zivile Infrastruktur und kündigte an, sämtliche notwendigen Maßnahmen zum Schutz des Landes und seiner kritischen Einrichtungen zu ergreifen. Auch Bahrain meldete erneut iranische Angriffe; Berichten zufolge gerieten neben einem US-Stützpunkt auch Anlagen der staatlichen Ölindustrie ins Visier. Darüber hinaus erhielt das britische United Kingdom Maritime Trade Operations Centre Meldungen über ein brennendes Schiff vor der Küste Omans. Die iranische Marine erklärte ihrerseits, vier Schiffe gestoppt zu haben, die versucht hätten, die Straße von Hormus über eine aus ihrer Sicht unsichere Route zu passieren.

Die anhaltende Eskalation belastet zunehmend die internationalen Energiemärkte. Da die Hoffnungen auf eine rasche Deeskalation schwinden, stieg der Brent-Rohölpreis wieder über die Marke von 90 US-Dollar je Barrel. Marktbeobachter warnen, dass sich der militärische Schlagabtausch weiter ausweiten und erneut großflächige Angriffe im gesamten Golfgebiet auslösen könnte. Die Sicherheitslage in der Straße von Hormus bleibt angespannt, während zugleich die Gefahr besteht, dass die Huthi-Miliz die Ausweichroute über die Meerenge von Bab al-Mandab beeinträchtigt. Die wiederholten Angriffe auf Ölanlagen in Golfstaaten verstärken zusätzlich die Sorge vor Versorgungsunterbrechungen.

Analysten gehen davon aus, dass die kommenden Wochen entscheidend dafür sein werden, wie stark die Ölexporte aus der Region unter den aktuellen Blockaden leiden. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass die weltweiten Öllagerbestände deutlich niedriger sind als zu Beginn des Konflikts und damit die Anfälligkeit des Marktes für Angebotsausfälle gestiegen ist. Zusätzliche Unsicherheiten ergeben sich durch mögliche neue US-Sanktionen gegen Russland sowie durch ukrainische Angriffe auf die russische Ölinfrastruktur. Internationale Organisationen wie der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Internationale Energieagentur (IEA) warnen, dass ein größerer Ausfall von Öllieferungen aus dem Nahen Osten erhebliche Folgen für die Weltwirtschaft haben könnte. Vor diesem Hintergrund reagieren die Märkte derzeit vor allem auf die Risiken für das Angebot, sodass die Ölpreise und in der Folge auch die Inlandspreise für Energie weiter steigen.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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