Krieg oder kein Krieg? – Volatilität an ICE und NYMEX nimmt zu

Trump bläst angeblichen Militärschlag auf Iran vorerst ab

USA verlängern Sanktionsausnahmen für russisches Öl

Am Montag blieb die fundamentale Ausgangslage am Ölmarkt weiterhin bullish, da sich die Lage am Persischen Golf über das Wochenende verschärft hatte. Drohnenangriffe auf die VAE und Saudi-Arabien erhöhten die Gefahr einer militärischen Eskalation, während US-Präsident Trump über Militäroptionen gegenüber dem Iran beriet, was die Preise stützte. Charttechnisch war die Situation weniger eindeutig, dennoch überwogen bullishe Faktoren, insbesondere da alle Freitagshochs bereits überschritten waren. Trotz dieser Ausgangslage gaben die Notierungen an ICE und NYMEX bis zum Mittag Gewinne wieder ab, ehe in der zweiten Tageshälfte die Volatilität deutlich zunahm. Gründe hierfür waren unter anderem die fortgesetzten Importe russischen Öls durch Indien trotz auslaufender US-Sondergenehmigungen sowie die verstärkten Kontrollbestrebungen des Iran in der Straße von Hormus. Mit der Meldung eines neuen Friedensangebots aus dem Iran fielen die Ölpreise zunächst auf Tagestiefs, bevor sie wieder auf Tageshochs stiegen. Der RPI Regio-Preis-Index spiegelte diesen schwankenden Verlauf bei den Inlandspreisen wider, während Brent und WTI den Handelstag mit grünen Kerzen abschlossen, ohne die Abendhochs auszubauen.

Ein Social-Media-Post von Donald Trump sorgte am Abend für kurzfristigen Abwärtsdruck, indem er einen für den Folgetag geplanten Militärschlag gegen den Iran vorerst aussetzte. Trump verband die Aussetzung mit der Behauptung, dass „ernsthafte Verhandlungen“ stattfänden, hielt aber die Option eines umfassenden Militärschlags weiterhin offen. Das iranische Außenministerium bestätigte die Übermittlung eines neuen Verhandlungsvorschlags, ohne Details preiszugeben. Die Marktreaktion blieb verhalten, da ähnliche Vorschläge in der Vergangenheit oft sofort wieder abgelehnt wurden. Analysten gehen weiterhin von Aufwärtsdruck für die Ölpreise aus, solange keine konkreten Verhandlungsergebnisse vorliegen.

Zugleich kündigten die USA eine erneute 30-tägige Verlängerung der Sanktionsausnahmen für den Kauf russischen Öls an. Diese Maßnahme soll insbesondere energieabhängigen Staaten zusätzliche Flexibilität verschaffen und den physischen Rohölmarkt stabilisieren. Laut US-Finanzminister Scott Bessent werde man mit diesen Staaten zusammenarbeiten, um bei Bedarf spezielle Genehmigungen zu erteilen und die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.

Die allgemeine Marktlage bleibt stark von der geopolitischen Unsicherheit zwischen USA und Iran geprägt. Die Kursreaktionen zeigen eine gewisse Abstumpfung gegenüber wiederkehrenden Nachrichten, dennoch bleiben fundamentale Risiken bestehen. Marktbeobachter betonen, dass die entscheidenden Faktoren für die weitere Entwicklung der Ölpreise die Reaktion des Iran und die Durchlässigkeit der Straße von Hormus sind. Mit Blick auf die Verhandlungen scheint sich die Pattsituation am Persischen Golf nur leicht zu entspannen: Eine neue militärische Konfrontation wird aktuell offenbar vermieden, sodass die fundamentale Lage als neutral eingestuft werden kann. Bei den Inlandspreisen wirken sich die Nachlässe vom Vorabend aus, sodass für Dienstag mit leichten Abschlägen im Vergleich zu Montagmorgen zu rechnen ist.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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