Brent zurück über 90 Dollar - Hoffnung auf Entspannung im Nahen Osten schwindet

Die Ölmärkte starteten am Montag mit einem leicht bullishen Grundton, der vor allem durch die zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie den weiterhin eskalierenden Ukraine-Krieg geprägt war. Zusätzlich unterstützte die charttechnische Situation die Preisentwicklung, da Brent und WTI bereits oberhalb ihrer mittelfristigen Abwärtstrends notierten und die Freitags-Hochs überwanden. Zwar belasteten schwache chinesische Wirtschaftsdaten zunächst die Kurse, doch im weiteren Handelsverlauf setzten sich die Aufwärtsimpulse durch. Besonders die zunehmenden Sorgen um die Versorgungssicherheit infolge des deutlich reduzierten Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus trieben die Preise. Brent näherte sich dabei der psychologisch wichtigen Marke von 90 US-Dollar, bevor zunächst Gewinnmitnahmen einsetzten. Die gemeldete Wiederaufnahme des Betriebs am russischen Schwarzmeerhafen Noworossijsk wirkte dabei dämpfend. Gegen Handelsschluss zogen jedoch sowohl die Rohöl- als auch die Produktkontrakte erneut deutlich an und beendeten den Tag mit Gewinnen. Diese Entwicklung spiegelte sich auch in den Inlandspreisen wider, bei denen sich weiteres Aufwärtspotenzial abzeichnete.

Zusätzlichen Auftrieb erhielten insbesondere die Produktkontrakte durch einen Brand in einem wichtigen US-Kraftstofftanklager in Glenpool bei Tulsa, Oklahoma. Nach einem Blitzeinschlag gerieten drei Tanks des von Explorer Pipeline betriebenen Depots in Brand. Das Tanklager verfügt über insgesamt 30 Tanks und eine Lagerkapazität von rund 3,4 Millionen Barrel Kraftstoff. Gleichzeitig ist es an ein bedeutendes Pipeline-System angebunden, das Kraftstoffe von den Raffinerien an der US-Golfküste in das Landesinnere und weiter bis in den Nordosten der USA transportiert. Wegen des Brandes wurden die Zu- und Abflüsse am Lager vorübergehend unterbrochen, während der übrige Betrieb außerhalb des Depots nicht beeinträchtigt wurde. Auch die nahe gelegene Wood-River-Raffinerie von Phillips 66 konnte ihren Betrieb ohne Einschränkungen fortsetzen. Dennoch befürchteten die Marktteilnehmer eine zumindest vorübergehende Verschärfung der Versorgungslage am US-Kraftstoffmarkt, wodurch vor allem die Preise für Mitteldestillate deutlich stiegen.

Am Dienstagmorgen bleiben die Ölmärkte angespannt. Brent und WTI notieren erneut oberhalb der psychologisch wichtigen Marken von 90 beziehungsweise 85 US-Dollar. Hauptgrund dafür ist die schwindende Hoffnung auf eine schnelle Beendigung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran und damit auf eine Normalisierung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus. US-Präsident Trump erklärte, dass er kein Interesse an einer Verlängerung des bisherigen Rahmenabkommens mit dem Iran habe. Stattdessen setzt Washington offenbar verstärkt auf wirtschaftlichen Druck und eine Seeblockade. Die Drohungen gegenüber Oman, falls das Land die Blockade nicht unterstützt, erhöhen die geopolitischen Risiken zusätzlich. Gleichzeitig erwägt der Iran offenbar eine militärische Eskalation, sollte eine diplomatische Lösung scheitern. Die zunehmenden Angriffe auf Schiffe in der Straße von Hormus verstärken die Sorgen um die globale Ölversorgung. Nach Einschätzung der DBS Bank könnten sich die Ölpreise deshalb in einer breiten Spanne von 80 bis 100 US-Dollar bewegen, solange keine Klarheit über ein Abkommen zwischen den USA und dem Iran besteht. Die fehlende politische Lösung könnte die Ölpreiserwartungen zudem bis ins vierte Quartal und darüber hinaus bis ins Jahr 2027 beeinflussen.

Etwas dämpfend wirkt dagegen die Wiederaufnahme des Betriebs am Schwarzmeerexportterminal des Caspian Pipeline Consortium, über das vor allem kasachisches Rohöl exportiert wird. Dadurch könnte zusätzliches Angebot auf den Markt gelangen und den Preisanstieg begrenzen. Allerdings bleibt offen, wie dauerhaft der Betrieb des Terminals angesichts der geopolitischen Lage gesichert werden kann. Kurzfristig dürfte auch der Brand im US-Tanklager die Produktpreise weiter stützen, da das Depot einen wichtigen Knotenpunkt des amerikanischen Kraftstofftransports darstellt. Zwar hatte sich die Versorgungslage bei US-Destillaten zuletzt aufgrund einer rückläufigen Nachfrage etwas entspannt, doch könnte sich die Situation regional vorübergehend wieder verschärfen.

Der Einfluss des Tanklagerbrands wird in den aktuellen Lagerbestandsdaten von API und DOE noch nicht sichtbar sein, da beide Berichte die Woche bis zum 14. August abbilden und der Vorfall erst am Montag auftrat. Trotz der bereits leicht überschrittenen Vortageshochs an ICE und NYMEX blieb eine erneute große Preisrally am Dienstagmorgen zunächst aus. Für die Inlandspreise ergibt sich gegenüber dem Vortag dennoch weiteres Potenzial für Aufschläge. Insgesamt bleibt das Marktumfeld damit klar von geopolitischen Versorgungsrisiken geprägt, wobei die Unsicherheit rund um den Iran-Konflikt, die Straße von Hormus und die US-Kraftstoffversorgung die bullishen Faktoren derzeit überwiegt.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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