Angst vor Eskalation am Persischen Golf – Ölfutures zum Wochenstart fester

Drohnenangriffe auf VAE und Saudi-Arabien

Trump droht Teheran und will über Militäroptionen beraten

Zu Beginn des letzten Handelstags der Woche zeigten sich die Finanzmärkte zunächst vorsichtig optimistisch. Anleger hofften, dass ein Treffen zwischen Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Peking zu einer Entspannung der Krise im Persischen Golf führen könnte. Diese Erwartungen wurden zusätzlich dadurch gestützt, dass der Iran offenbar wieder mehr Schiffe durch die wichtige Straße von Hormus passieren ließ. Gleichzeitig sendeten die Märkte gemischte Signale: Während bei Gasoil charttechnische Verkaufssignale auftraten, deuteten steigende Rohölpreise auf weiteres Aufwärtspotenzial hin.

Die Hoffnungen auf eine diplomatische Annäherung erfüllten sich jedoch nicht. Das Treffen zwischen Trump und Xi brachte keine konkreten Ergebnisse im Zusammenhang mit dem Konflikt im Persischen Golf. In der Folge reagierten die Ölbörsen mit deutlichen Kursanstiegen. Zwar verlief der Handel zunächst schwankungsanfällig, doch im Tagesverlauf setzten sich steigende Preise klar durch. Zusätzlich verschärfte sich die Lage durch eine Eskalation des Krieges zwischen Russland und der Ukraine. Berichte über verstärkte Angriffe sowie ukrainische Drohnenattacken auf russische Raffinerien erhöhten die Unsicherheit an den Energiemärkten weiter. Die Ölpreise für Brent und WTI schlossen die Woche deshalb mit deutlichen Gewinnen ab.

Am Wochenende intensivierte sich die Krise im Nahen Osten weiter. Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten neue Drohnenangriffe, die mutmaßlich vom Iran oder von iranisch unterstützten Gruppen ausgingen. Saudi-Arabien konnte mehrere Angriffe abwehren, während in den Vereinigten Arabischen Emiraten eine Drohne ein Kernkraftwerk traf und dort einen Brand verursachte. Weitere Drohnen wurden abgefangen. Die Emirate stuften die Vorfälle als gefährliche Eskalation ein. Seit Beginn des Krieges Ende Februar – ausgelöst durch Angriffe der USA und Israels auf den Iran – greift Teheran regelmäßig Ziele in Golfstaaten mit US-Militärpräsenz an. Dabei geraten zunehmend auch zivile Einrichtungen und Energieinfrastruktur ins Visier.

Parallel dazu verschärften die USA und der Iran ihre politische Rhetorik. Berichten zufolge traf sich Donald Trump mit führenden Mitgliedern seines Sicherheits- und außenpolitischen Teams, darunter JD Vance, Marco Rubio und CIA-Direktor John Ratcliffe, um mögliche weitere Militärmaßnahmen gegen den Iran zu beraten. Weitere Gespräche über militärische Optionen wurden angekündigt. Trump erhöhte den Druck zusätzlich durch öffentliche Drohungen gegen Teheran und erklärte auf Truth Social, dem Iran laufe die Zeit davon.

Vor diesem Hintergrund bewerten Marktteilnehmer die Lage zu Beginn der neuen Woche klar bullish. Die Wahrscheinlichkeit einer diplomatischen Lösung gilt inzwischen als gering, während das Risiko einer erneuten militärischen Eskalation deutlich steigt. Analysten warnen davor, dass weitere Angriffe auf iranische Ziele neue Gegenreaktionen gegen Energieanlagen und kritische Infrastruktur am Persischen Golf auslösen könnten. Dadurch wächst die Sorge vor langfristigen Störungen der globalen Ölversorgung.

Die Ölpreise waren bereits in der Vorwoche um mehr als sieben Prozent gestiegen. Seit Beginn des Konflikts Ende Februar legten sie insgesamt sogar um über 50 Prozent zu. Hauptgrund dafür bleibt die eingeschränkte Nutzung der Straße von Hormus, die eine zentrale Rolle für den weltweiten Öltransport spielt. Die Blockade zwingt zahlreiche Förderländer am Persischen Golf dazu, ihre Produktion zu reduzieren. Gleichzeitig warnen Organisationen wie die Internationale Energieagentur vor sinkenden globalen Ölreserven und einem zunehmenden Angebotsdefizit.

Experten rechnen inzwischen mit erheblichen wirtschaftlichen Folgen. Dauerhaft hohe Ölpreise könnten die Inflation weiter antreiben und Zentralbanken dazu zwingen, ihre Zinspolitik länger restriktiv zu halten. Dies würde das globale Wirtschaftswachstum zusätzlich belasten.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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