
Irak stärkt Exportkapazitäten: Kirkuk-Ceyhan-Pipeline vor Comeback
Iraks Ölproduktion ist seit Ausbruch des Iran-Krieges um bis zu 2,9 Mio. B/T gesunken. Das Land am Persischen Golf ist deshalb bemüht, seine Pipeline-Probleme in den Griff zu bekommen. Dabei bleiben die alten Konflikte um Einnahmen und Zuständigkeiten zwischen Bagdad und der teilautonomen Region Kurdistan das Hauptproblem.
Doch angesichts der ernsten Lage am Persischen Golf scheinen die beiden Parteien nun doch eine Einigung gefunden zu haben, die Exportflüsse durch die altbekannte Kirkuk-Ceyhan-Pipeline wieder aufzunehmen. Zuletzt war wieder fast kein Tag vergangen, an dem es keine neue Meldung zu der wichtigen Versorgungsader gab, die bis letzten November über zwei Jahre stillstand, da Irak, Kurdistan und die Türkei ihre Probleme nicht lösen konnten.
Seit Anfang März war die Pipeline wegen Sicherheitsbedenken (und gegenseitiger Vorwürfe Iraks und Kurdistans) erneut offline gegangen. Auch ein geplanter Restart am vergangenen Freitag wurde offenbar abgesagt. Irak hat daraufhin seine Bemühungen verschärft, ältere Pipelinetrassen wieder in Betrieb zu nehmen. Doch offenbar wurde nun eine Einigung gefunden und die Lieferströme durch die Kirkuk Ceyhan-Pipeline sollen heute wieder anlaufen.
Wie der kurdische Nachrichtendienst Rudaw unter Berufung auf den irakischen Ölminister Hayyan Abdel-Ghani berichtet, soll die Pipeline am Mittwoch um 10:00 Uhr Ortszeit wieder ans Netz gehen. Die Regionalregierung Kurdistans bestätigte den Schritt. Die Versorgungsleitung, die laut Abdel-Ghani täglich bis zu 410.000 B/T kurdisches und irakisches Öl transportieren kann, endet am türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan und bietet damit eine Alternative zur Exportroute durch den Persischen Golf.
Marktlage
Die Ölpreise kommen am Mittwoch erneut leicht unter Druck, nachdem der Irak und Kurdistan offenbar eine Einigung gefunden haben, die Exportströme über die wichtige Kirkuk-Ceyhan-Pipeline aufrecht zu erhalten. Dies sorgt für eine gewisse Entspannung bei der Versorgung aus dem Nahen Osten. Allerdings gibt es weiterhin keine Anzeichen für eine Deeskalation im Konflikt mit Iran, der die Ölexporte aus der Region weitgehend zum Erliegen gebracht hat. Brent hält sich damit auch weiterhin oberhalb der 100 Dollar.
Der irakische Ölminister Hayyan Abdel-Ghani erklärte laut Staatsmedien, dass die Lieferungen über Ceyhan am Mittwoch wieder aufgenommen werden sollen. Bereits in der vergangenen Woche hatten zwei Branchenvertreter angegeben, Irak strebe an, mindestens 100.000 Barrel Rohöl pro Tag über den Hafen zu exportieren.
„Die Nachricht hat den Markt etwas entlastet. Jede zusätzliche Menge, die aktuell wieder auf den Markt kommt, ist wertvoll, daher gaben die Preise entsprechend nach“, erklärt LSEG-Analystin Anh Pham. „Dennoch bewegen wir uns weiterhin in einem Preisumfeld von rund 100 Dollar pro Barrel und die Krise rund um die Straße von Hormus zeigt bislang keine Anzeichen einer Entspannung.“
Die USA teilten unterdessen mit, sie hätten panzerbrechende Munition eingesetzt, um iranische Stellungen für Schiffsabwehr-Marschflugkörper nahe der strategisch wichtigen Straße von Hormus anzugreifen. Für zusätzliche Eskalation sorgte die Bestätigung des Todes von Ali Larijani, dem Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrats, der eine Schlüsselfigur in der iranischen Kriegsführung war.
„Die Tötung Larijanis ist ein bedeutendes Ereignis und könnte Iran dazu veranlassen, noch entschlossener den Ölfluss zu stören“, vermutet Aaron Stein, Präsident des Foreign Policy Research Institute in Philadelphia. „Trump steht offensichtlich unter Druck, Tanker militärisch zu eskortieren – damit drohen sehr angespannte US-Operationen, die die Navy wohl eher vermeiden möchte.“
Robert Rennie, Leiter der Rohstoffanalyse bei Westpac, kommentiert: „Angesichts anhaltender Kampfhandlungen, täglich steigender Produktionsausfälle und der faktischen Schließung der Meerenge gehen wir davon aus, dass sich Brent in einer neuen Spanne zwischen 95 und 110 Dollar einpendeln wird“. Dieser Preis könnte um weitere 10 bis 20 Dollar nach oben verschoben werden, sollte „eine große Raffinerie getroffen oder zusätzliche Verminungen der Passage bestätigt werden“.
Neben der Entwicklungen im Nahen Osten achten die Anleger heute noch auf die DOE-Bestandsdaten am Nachmittag und die Fed-Zinsentscheidung am Abend. Ob diese beiden Ereignisse allerdings genug Signalwirkung entfalten können, um die Kurse nachhaltig zu bewegen, darf zumindest angezweifelt werden. Nach wie vor bleibt der Iran-Krieg das Thema Nr. 1 am Ölmarkt.