Weitere Angriffe Irans auf Energieinfrastruktur am Persischen Golf lassen Ölfutures wieder steigen

Iran führt weitere Angriffe auf Nahost-Energieinfrastruktur durch

Die Vereinten Arabischen Emirate (VAE) haben den Produktionsbetrieb am Erdgas-Feld Shah vorübergehend ausgesetzt, nachdem es dort aufgrund eines iranischen Drohnenangriffs zu einem Brand gekommen war. Bereits zum Wochenbeginn war der wichtige emiratische Ölhafen Fudschaira ins Visier iranischer Drohnen geraten. An dem Hafen, von dem aus Öl aus den Emiraten exportiert werden kann, ohne dass es die Straße von Hormus passieren muss, konnte der Betrieb zum Teil wieder aufgenommen werden. Nach Angaben der Behörden in Abu Dhabi soll der Brand am Shah-Feld mittlerweile unter Kontrolle gebracht worden sein. Verletzt wurde bei dem Angriff demnach niemand. Das Shah-Feld, das eine Produktionskapazität von rund 1,28 Mrd. Standardkubikfuß (ca. 36,25 Mio. Standardkubikmeter) hat, wird von einem JointVenture der staatlichen emiratischen Abu Dhabi National Oil Company (ADNOC) und dem US-Unternehmen Occidental Petroleum Corporation betrieben. Im Irak soll der Iran unterdessen das Ölfeld Majnoon angegriffen haben. Dies teilte ein Sprecher des irakischen Ölministeriums mit, der sich jedoch nicht weiter zu dem Vorfall äußerte. Einem Bericht der irakischen Nachrichtenseite Shafaq News zufolge wurde das Ölfeld in der Provinz Basra am Montag Ziel von zwei Drohnen. Dabei sollen laut einem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ein Kommunikationsturm am Feld, sowie ein Bürogebäude des US-Unternehmens KBR getroffen worden sein. Das Unternehmen hatte seine Mitarbeiter jedoch bereits kurz nach Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran von der Anlage abgezogen.

Marktlage

Nachdem die Rohölpreise an ICE und NYMEX drei Handelstage in Folge zugelegt hatten, setzten sie am gestrigen Montag erstmals wieder leicht zurück. Grund dafür waren die ersten Maßnahmen zur Freigabe von Öl aus den strategischen Reserven der IEA-Mitgliedsländer. So machte Japan erste Schritte, indem es die Vorgaben für die Mindestreserven der Raffinerien des Landes senkte, während in den USA die erste Teilmenge von 89 Mio. Barrel in einer Ausschreibung fürTauschgeschäfte angeboten wurde. Nichtsdestotrotz hielt sich Brent beim gestrigen Settlement oberhalb der psychologisch wichtigen 100 Dollar-Marke und heute Morgen steigen die Preise auch schon wieder an. Laut Rebecca Babin, Senior Energy Trader bei CIBC PrivateWealth Group LLC, führt "die schiere Menge an Schlagzeilen" derzeit zu einem ständigen Auf und Ab an den Märkten. "Es gibt gefühlt hundert Meldungen gleichzeitig, und der Markt versucht fieberhaft herauszufinden, wieviel Angebot vom Markt verschwunden ist und für wie lange", beschreibt Babin die aktuelle Stimmung am Markt in einem Interview mit dem Fernsehsender Bloomberg Television. Heute Morgen übernehmen zunächst wieder die preistreibenden Schlagzeilen das Ruder. So wurde aus den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Angriff iranischer Drohnen auf ein Erdgas-Feld gemeldet, während im Irak das riesige Ölfeld Majnoon ins Fadenkreuz genommen wurde. Die Meldungen verstärken erneut die Sorgen im Hinblick auf Angebotsausfälle. Denn obwohl Länder wie Saudi-Arabien und die Vereinten Arabischen Emirate versuchen, ihr Öl über alternative Routen zu exportieren, ließ die Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus die Ausfälle zuletzt weiter steigen. Zwar sollen noch einige Tanker - allen voran iranische - die Meerenge noch durchfahren, die Frage bleibt allerdings, wann sich der Schiffsverkehr dort wieder normalisiert. Mit seiner Forderung nach einer Beteiligung der NATO-Partner und anderer Länder (wie beispielsweise China) bei der Sicherung des Schiffsverkehrs, stieß US-Präsident Trump zumindest bislang auf taube Ohren. Angesichts der hohen Energiepreise, zu denen die Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus führt, sind die Marktteilnehmer umso gespannter, was US-Notenbankchef Jerome Powell am Mittwochabend zum weiteren Zinsausblick zu sagen hat. Die wie üblich zweitägige geldpolitische Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses (FOMC) beginnt heute und dürfte nach Einschätzung der Marktteilnehmer erst einmal keine Veränderung bei den US-Leitzinsen herbeiführen. Allerdings könnte Powell, der seinen Chefposten im Mai abgibt, mit Hinweisen auf eine straffere Geldpolitik den Dollar steigen lassen, was wiederum die Preise an den Ölbörsen belasten würde. Am Donnerstag wird sich dann EZB-Ratspräsidentin Christine Lagarde zu den Ergebnissen der am Mittwoch und Donnerstag stattfindenden Zinssitzung äußern. Aktuell notieren die Ölfutures an ICE und NYMEX deutlich oberhalb der Settlementniveaus von gestern. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich daher in den meisten Regionen im Vergleich zu den Erhebungspreisen von gestern Nachmittag Potenzial für Aufschläge ab.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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