Konflikt zwischen USA und Iran spitzt sich erneut zu

US-Präsident Donald Trump kündigte an, die Straße von Hormus nach einem Sieg der USA über den Iran zu US-Territorium erklären zu wollen. Bei einer politischen Veranstaltung in New York verwies er zugleich auf mögliche höhere Benzinpreise für US-Verbraucher. Seiner Darstellung zufolge könnten die Bürger durch höhere Treibstoffkosten dazu beitragen, den Iran am Besitz einer Atomwaffe zu hindern. Als möglichen Benzinpreis nannte Trump rund vier Dollar pro Gallone, was dem damaligen US-Durchschnittspreis entsprach.

Der Iran zeigte sich unterdessen zurückhaltend gegenüber einer Wiederaufnahme direkter Gespräche mit den USA. Außenminister Abbas Araghchi erklärte, Teheran habe darüber noch keine Entscheidung getroffen. Pakistan und Katar fungieren weiterhin als Vermittler und übermitteln Nachrichten zwischen den Konfliktparteien, doch Araghchi betonte, dass dieser Austausch nicht mit laufenden Verhandlungen gleichzusetzen sei. Zudem stellte er klar, dass sich die im Juni in Islamabad vereinbarte Absichtserklärung auf ein Ende des Krieges und nicht auf einen klassischen Waffenstillstand bezogen habe. Eine 60-tägige Waffenruhe, die verlängert werden müsste, gebe es daher aus iranischer Sicht nicht. Da die bisherigen diplomatischen Kanäle ihre Wirkung verloren hätten, arbeite Teheran an einer vorläufigen Lösung, aus der später ein dauerhaftes Abkommen entstehen könnte.

Für die Ölmärkte steht damit eine weitere Verschärfung des Konflikts im Mittelpunkt. Händler erwarten mit Spannung die von US-Finanzminister Scott Bessent angekündigten beispiellosen Maßnahmen zur wirtschaftlichen Isolierung des Iran. Das im Juni vereinbarte Rahmenabkommen läuft zwar theoretisch aus, wurde jedoch von beiden Seiten faktisch bereits aufgegeben. Eine weitere Eskalation könnte laut Experten erhebliche Auswirkungen auf die globale Ölversorgung haben. Charu Chanana von Saxo Markets warnt vor zusätzlichen Lieferengpässen, falls die USA ihre wirtschaftlichen Maßnahmen verschärfen, eine Seeblockade verhängen oder es erneut zu Angriffen auf Tanker kommt. Gleichzeitig begrenzen die schwache Ölnachfrage und weiterhin bestehende verdeckte Exporte aus der Golfregion das Aufwärtspotenzial der Preise.

Auch Vivek Dhar von der Commonwealth Bank of Australia hält bei einer erneuten Eskalation einen Anstieg der Rohölpreise in Richtung 100 Dollar je Barrel für möglich. Gleichzeitig erwartet er für das kommende Jahr ein plausibles Überangebot, das die Brent-Preise langfristig eher in Richtung 80 Dollar drücken könnte. Damit stehen sich kurzfristige geopolitische Angebotsrisiken und mittelfristige fundamentale Belastungsfaktoren gegenüber.

Die Straße von Hormus bleibt trotz dieser Unsicherheiten ein zentraler Risikofaktor für den Ölhandel. Die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten erneut Angriffe auf Tanker, die mit der staatlichen Ölgesellschaft ADNOC verbunden sind, und machten den Iran dafür verantwortlich. Nach zwei Angriffen in der Nacht zum Freitag wurde am Freitag offenbar ein weiterer Tanker attackiert. Die Lage ließ sich jeweils schnell kontrollieren, und es gab keine Verletzten. Zusätzlich beeinträchtigen ukrainische Drohnenangriffe auf die russische Energieinfrastruktur immer wieder den Betrieb von Raffinerien und Exporthäfen. Auch die von den Huthi ausgehenden Risiken für die Schifffahrt im Roten Meer belasten die weltweite Versorgungssicherheit.

An den Ölbörsen überschritten die Futures am Montagmorgen zunächst leicht die Höchststände vom Freitag, gaben anschließend jedoch wieder nach und notierten unter diesen Marken. Insgesamt lagen die Kontrakte an ICE und NYMEX damit zwar über den Tiefständen des Vortages, zugleich aber deutlich unter den Hochs vom Donnerstag. Bei den Inlandspreisen zeichnete sich zunächst keine eindeutige Entwicklung ab, wobei im Vergleich zum Freitag grundsätzlich Potenzial für spürbare Aufschläge bestand. Die weitere Preisentwicklung hängt damit maßgeblich davon ab, ob sich der Konflikt zwischen den USA und Iran weiter zuspitzt und dadurch die Ölversorgung über wichtige Transportwege gefährdet.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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