IEA: Asiatische Länder geben strategische Reserven sofortfrei
Die International Energy Agency (IEA) gab am gestrigen Sonntag auf ihrer Homepage konkretere Informationen zur geplanten Freigabe von Öl aus den strategischen Reserven ihrer 32 Mitgliedsländer bekannt. So hieß es, dass die Maßnahme, im Rahmen derer insgesamt 400 Millionen Barrel Öl auf den Markt gebracht werden sollen, um dem aktuell hohen Preisniveau entgegenzuwirken, von den Ländern im Raum Asien-Ozeanien unverzüglich umgesetzt werde. In den amerikanischen Staaten sowie in Europa soll das Öl aus den Notreserven dagegen ab Ende März freigegeben werden.
Während es sich bei den insgesamt 195,8 Mio. Barrel, die von den amerikanischen Staaten auf den Markt gebracht werden, ausschließlich um Rohöl handeln wird, werden Europa und die Länder aus dem Raum Asien-Ozeanien auch Produkte aus ihren Notreserven freigeben. Die europäischen Staaten werden demnach 32,7 Mio. Barrel Rohöl und 74,8 Mio. Barrel an Mineralölprodukten bereitstellen. Die Staaten des Raums Asien-Ozeanien werden 66,8 Mio. Barrel Rohöl und 41,8 Mio. Barrel Produkte freigeben.
Wie bereits in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht verwies die IEA auch bei der jüngsten Mitteilung noch einmal darauf hin, dass der "Krieg im Nahen Osten (...) die größten Versorgungsengpässe in der Geschichte des globalen Ölmarktes" verursache. Die aktuelle Freigabe der strategischen Reserven, bei der die Mitglieder der IEA soviel Öl aus den Notbeständen auf den Markt bringen wie noch nie, biete laut der Behörde "einen wichtigen und willkommenen Puffer. Der wichtigste Faktor für die Wiederherstellung stabiler Lieferströme ist jedoch die Wiederaufnahme des regulären Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus."
Iran: Ölexporte von Insel Kharg unbeeinträchtigt von US-Luftschlag
Nachdem die USA am frühen Samstagmorgen Luftschläge auf iranische Militäranlagen auf der Insel Kharg, im Persischen Golf, durchgeführt hat, berichtete die staatliche iranische Nachrichtenagentur Fars, die Ölexporte von den Häfen der Insel seien dadurch nicht beeinträchtigt worden. Die Insel ist für die Islamische Republik ein wichtiger Umschlagplatz für ihr Öl, denn der Großteil des iranischen Rohöls wird über das Terminal Kharg exportiert. Kurz vor Beginn der Angriffe der USA und Israels auf den Iran sollen die Ölexporte ab Kharg laut Schätzungen von JP Morgan Chase & Co. auf rund 3 Mio. B/T gestiegen sein - etwa das Dreifache der üblichen Mengen.
Kurz nach dem Angriff auf die iranischen Militäranlagen auf Kharg drohte US-Präsident Trump, auch die Ölinfrastruktur der Insel anzugreifen, sollte der Iran "irgendetwas unternehmen, das die freie und sichere Durchfahrt von Schiffen durch die Straße von Hormus behindert. "Teheran drohte wiederum damit, dass "(a)lle Öl-, Wirtschafts- und Energieeinrichtungen von Ölkonzernen in der Region, die sich im Besitz der Vereinigten Staaten befinden oder mit den Vereinigten Staaten zusammenarbeiten,(...) sofort zerstört und in Schutt und Asche gelegt" würden, sollte Trump seine Drohung wahrmachen.
Bereits kurz nach den US-Schlägen auf Kharg kam es zu einem Drohnenangriff auf den international wichtigen Ölhafen Fujairah in den Vereinten Arabischen Emiraten (V.A.E.). Dieser führte vorübergehend dazu, dass der Betrieb am Hafen eingestellt wurde, da es infolge des Angriffs zu einem Brand an der Anlage gekommen war. Am gestrigen Sonntag sollen die Verladungen am Hafen jedoch wiederaufgenommen worden sein.
Marktlage
Die Rohölpreise an ICE und NYMEX setzten ihren Anstieg in der vergangenen Woche fort, wobei der europäischen Rohölkontrakt Brent erstmals seit August 2022 auch wieder Settlementpreise oberhalb von 100 Dollar pro Barrel verzeichnete. WTI gelang unterdessen am Freitag ein Settlement oberhalb der psychologisch wichtigen 95 Dollar-Marke. Und auch zu Beginn der neuen Handelswoche sorgt der Nahost-Konflikt dafür, dass die Preise an den Ölbörsen steigen.
Der wichtigste Preistreiber bleiben dabei die Sorgen hinsichtlich bereits vorhandener und noch befürchteter Angebotsausfälle, die durch den Iran-Krieg verursacht werden. Was das betrifft, forderte US-Präsident Trump zuletzt die NATO-Partner der USA und andere Länder wie China dazu auf, sich an der Sicherung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus zu beteiligen.
Die US-Luftangriffe auf iranische Militäranlagen auf der Insel Kharg im Persischen Golf sowie die Drohung Trumps, auch die Ölanlagen auf der für die iranische Ölindustrie wichtigen Insel ins Visier zu nehmen, sollte Teheran den internationalen Schiffsverkehr in der Straße von Hormus weiterhin behindern. "Wenn man die Infrastruktur in Kharg ausschaltet, verschwinden 2 Millionen Barrel pro Tag endgültig vom Markt – nicht [nur] bis die Sache mit der Straße von Hormus geregelt ist", so die Befürchtung von Dan Pickering, Chief Investment Officer von Pickering Energy Partners.
Während der Markt noch auf weitere Informationen dazu wartet, wie Washington für Sicherheit in der nicht nur für den internationalen Ölhandel so wichtigen Meerenge sorgen will, legte die IEA am Wochenende Details zur geplanten Freigabe strategischer Ölreserven vor. Diese wird in den Ländern des Raums Asien-Ozeanien unverzüglich beginnen, wohingegen in Europa und den amerikanischen Staaten erst Ende März Öl aus den Notreserven auf den Markt gebracht werden wird.
Vergangene Woche hatten die Marktteilnehmer auf die Ankündigung der Maßnahme kaum reagiert, nicht zuletzt auch, da sie sie bereits vorher größtenteils eingepreist hatten. Nichtsdestotrotz kam es nach dem festeren Start der Ölfutures heute Morgen erst einmal zu Gewinnmitnahmen, was allerdings auch der Meldung geschuldet gewesen sein dürfte, dass die Verladungen im emiratischen Hafen Fujairah wieder aufgenommen wurden. Der Hafen, von dem aus im Normalfall täglich rund 1 Million Barrel der Rohölsorte Murban exportiert werden, wurde kurz nach dem Angriff der USA auf iranische Militäranlagen auf der Insel Kharg zum Ziel eines Drohnenangriffs und hatte deswegen vorübergehend den Betrieb unterbrochen.
Im Verlauf der Woche werden die Trader nun nicht nur auf weitere Meldungen zu den strategischen Ölreserven und die Entwicklungen im Nahost-Konflikt achten, sondern auch auf die Zinssitzungen von Fed und EZB. Von beiden Notenbanken erwartet sich der Markt in dieser Woche zwar keine Zinsanpassungen, konkretere Hinweise auf den weiteren Zinskurs könnten die Preise an den Ölbörsen allerdings dennoch beeinflussen.
Bei den Inlandspreisen zeichnet sich derzeit Potenzial für Aufschläge ab.