
USA/Iran: Keine Bomben, aber neue Sanktionen
Ein Militärschlag der USA gegen den Iran wird immer unwahrscheinlicher. Nachdem Donald Trump schon Mittwochabend sagte, das Töten im Iran habe aufgehört, beteuerte der iranische Außenminister gestern öffentlich, dass Teheran „keine Pläne“ für Hinrichtungen habe. Die für Mittwoch angekündigte Vollstreckung eines Todesurteils gegen einen 26jährigen wurde offenbar abgesagt.
Donald Trump zeigte sich erfreut, nachdem die Menschenrechtsorganisation Hengawdie Aussetzung der Todesstrafe bestätigte, und meldete sich mit den Worten: „Das sind gute Nachrichten. Hoffentlich geht es so weiter!“. Dennoch versucht Washington, den Druck auf den Iran aufrecht zu erhalten, allerdings sind die Mittel der Wahl nun wieder neue Sanktionen – diesmal konkret gegen fünf iranische Regierungsvertreter, die für das gewaltsame Vorgehen gegen die Proteste verantwortlich sein sollen.
Zudem verhängte das US-Finanzministerium Sanktionen gegen 18 weitere Personen, denen vorgeworfen wird, in Geldwäschegeschäfte aus dem Verkauf von iranischem Öl und Ölprodukten verwickelt zu sein. Dies sei Teil der sogenannten Schattenbank-Netzwerke sanktionierter iranischer Finanzinstitute. Auch hieß es aus Washington, dass man Geldtransfers iranischer Führungspersönlichkeiten an internationale Banken im Auge behalte. Finanzminister Scott Bessent sagte, diese Gelder und auch die Verantwortlichen würden verfolgt werden.
USA beschlagnahmen weiteren Öltanker mit venezolanischem Öl
US-Streitkräfte haben am Donnerstagmorgen einen sechsten Öltanker beschlagnahmt, wie es von Seiten des amerikanischen Militärs heißt. Bei einem Einsatz in den frühen Morgenstunden sei der Tanker „Veronica“ in der Karibik festgesetzt worden, da er sich über die Quarantäne von sanktionierten Schiffen in der Region hinweggesetzt habe. Die USA halten den Druck auf Venezuela damit aufrecht.
Seit Dezember hatten die USA ihre Maßnahmen gegen venezolanische Ölexporte massiv verschärft und die Ölausfuhren des Landes effektiv blockiert. Ziel Washingtons war und ist es dabei, die Kontrolle über den Verkauf der Ölmengen aus Venezuela zu übernehmen. Erst in der vergangenen Woche hatten die USA einen Tanker in Gewässern nahe Venezuela beschlagnahmt, den fünften seit Beginn der Maßnahme.
Das amerikanische Vorgehen hat spürbare Auswirkungen auf Venezuelas Ölexporte. Im Januar seien die Rohölverladungen auf etwa die Hälfte des normalen Niveaus gesunken, teilte das auf Tankerdaten spezialisierte Analyseunternehmen Kpler mit. Derzeit würden nur noch Tanker Rohöl in venezolanischen Häfen laden, die für die USA bestimmt seien oder Öl zu venezolanischen Raffinerien transportierten.
Marktlage
Nach dem steilen Preisanstieg der letzten Tage, die vor allem der erhöhten geopolitischen Risikoprämie geschuldet waren, legten die beiden Rohölfutures gestern die stärkste Abwärtskorrektur seit Juni hin, nachdem die Gefahr eines Militärischen Zusammenstoßes mit dem Iran immer geringer wurde.
Sowohl Brent als auch WTI waren in dieser Woche auf Mehrmonatshochs gestiegen, nachdem Proteste im Iran aufgeflammt waren und US-Präsident Donald Trump mögliche Militärschläge gegen das Land angedeutet hatte. Inzwischen haben beide Seiten beschwichtigt, auch wenn sich die Spannungen nicht komplett aufgelöst haben.
Warren Patterson von der ING weist darauf hin, dass die Gefahr eines unmittelbaren Angriffes zwar nachgelassen habe, ein Gesamtrisiko aber durchaus bestehen bleibe und den Markt kurzfristig in Alarmbereitschaft halten dürfte. Der Analyst meint jedoch auch :„Je länger diese Situation jedoch ohne eine US-Reaktion bleibt, desto mehr wird die Risikoprämie abschmelzen und desto stärker werden bearishe Fundamentaldaten in den Vordergrund treten.“
Die Analysten bei der BMI schließen sich Pattersons Haltung an. Hier heißt es, der jüngste Preisrückgang sei durch Trumps Erklärung ausgelöst worden, vorerst auf militärische Schläge gegen den Iran zu verzichten. Angesichts der möglichen politischen Umwälzungen im Iran dürften die Ölpreise jedoch volatil bleiben, während die Märkte das Risiko potenzieller Lieferunterbrechungen bewerteten.
Während also die kurzfristigen geopolitischen Risiken nicht verschwunden sind und stärkere Preisrückgänge zunächst noch verhindern dürften, bleibt die übergeordnete Marktlage unverändert bearish. An der erwarteten Überversorgung hat sich wenig verändert. Vielmehr zeigt ein Blick auf den aktuellen Monatsreport der EIA, der erstmals auch Prognosen für 2027 enthielt, dass das Angebot auch im nächsten Jahr die Nachfrage deutlich übersteigen dürfte.
„Die Stimmung treibt die Märkte an, aber Schlagzeilen sind immer nur von kurzer Dauer, insbesondere wenn die Fundamentaldaten im Hintergrund stabil sind“, kommentiert Priyanka Sachdeva von Philip Nova die aktuelle Marktlage. „Trotz der anhaltenden geopolitischen Risiken und makroökonomischen Spekulationen deutet die zugrunde liegende Bilanz weiterhin auf ein reichliches Angebot hin. Solange wir keine echte Belebung der chinesischen Nachfrage oder einen bedeutenden Engpass bei den physischen Ölströmen sehen, dürfte sich der Ölpreis in einer engen Bandbreite bewegen, wobei Brent weitgehend zwischen 57 und 67 Dollar schwanken dürfte.“
Unsere fundamentale Einschätzung bleibt aktuell zunächst neutral, da sich die kurzfristig eher noch bullishen Faktoren und die langfristig klar bearishen Faktoren momentan die Waage zu halten scheinen. Bei den Inlandspreisen ergeben sich je nach Region damit heute nur wenige Preisveränderungen im Vergleich zu Donnerstagmorgen.