Gipfeltreffen in China – Konflikt am Persischen Golf bleibt ungelöst

Straße von Hormus: Iran lässt wieder mehr Schiffe passieren

Trump und Xi verhandeln Ölmarktfragen und Golfkrise

Zu Beginn der Woche blieb die fundamentale Marktlage klar bullish. Hintergrund war vor allem die unveränderte Situation am Persischen Golf, wo weiterhin Risiken für den globalen Öltransport bestehen. Marktteilnehmer stellten sich zunehmend auf längerfristige Unterbrechungen ein. Unterstützt wurde diese Einschätzung durch den Monatsbericht der US-Energiebehörde EIA, die für 2026 eine akute Angebotsknappheit prognostizierte. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) warnte vor schrumpfenden Ölreserven und einem deutlichen Angebotsdefizit. Selbst bei einem baldigen Ende der Kampfhandlungen im Nahen Osten sei der Ölmarkt laut IEA voraussichtlich noch bis Oktober massiv unterversorgt.

Zusätzliche Unterstützung erhielten die Ölpreise durch den OPEC-Monatsbericht, der starke Produktionsrückgänge in wichtigen Golfstaaten bestätigte. Besonders Saudi-Arabien meldete die niedrigste Ölproduktion seit Jahrzehnten. Auch charttechnisch zeigte sich ein positives Bild, da wichtige Widerstände überwunden wurden und technische Indikatoren weiter steigende Preise signalisierten.

Ein zentrales Thema blieb die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Der Iran erlaubte offenbar wieder mehreren chinesischen Tankern die Durchfahrt durch die Meerenge. Hintergrund waren Gespräche zwischen Teheran und Peking über Kontroll- und Verwaltungsprotokolle. Schiffsverfolgungsdaten zeigten tatsächlich einen leichten Anstieg des Tankerverkehrs. In den vergangenen sieben Tagen passierten deutlich mehr Schiffe die Straße von Hormus als zuvor, auch wenn das Verkehrsaufkommen weiterhin weit unter dem normalen Niveau lag.

Diese Entwicklung sorgte kurzfristig für etwas Entspannung am Markt, da sie Hoffnungen auf eine teilweise Normalisierung der Öltransporte weckte. Dennoch blieb unklar, wie nachhaltig diese Lockerungen tatsächlich sind. Viele Schiffe deaktivieren weiterhin ihre Transponder, weshalb genaue Daten schwer zu ermitteln sind.

Parallel dazu standen die Gespräche zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping im Fokus. Beide Politiker diskutierten offenbar intensiv über die Lage im Nahen Osten und die Sicherheit der Straße von Hormus. Laut US-Regierung bestand Einigkeit darüber, dass die Wasserstraße offen bleiben müsse, um den globalen Energiefluss zu sichern. Zudem zeigte China angeblich Interesse an zusätzlichen US-Ölimporten, um die Abhängigkeit von der Straße von Hormus zu reduzieren. China bestätigte offiziell zwar Gespräche über den Nahen Osten, äußerte sich jedoch nicht konkret zu Energiefragen.

Trotz einzelner positiver Signale brachten die Gespräche bislang keine konkrete Lösung für den Konflikt zwischen Iran und den USA. Die Waffenruhe gilt weiterhin als fragil, und die politischen Positionen liegen weit auseinander. Marktbeobachter halten deshalb eine erneute Eskalation weiterhin für wahrscheinlicher als eine schnelle Entspannung.

Wir haben weiterhin einen Ölmarkt, der von hoher Volatilität geprägt ist. Kurzfristige Entspannungssignale — etwa die wieder zunehmende Durchfahrt von Tankern durch die Straße von Hormus — konnten die grundlegenden Sorgen über ein knappes Angebot bislang nicht beseitigen. Analysten gehen daher weiterhin von tendenziell steigenden Ölpreisen aus, auch wenn zwischenzeitliche Rücksetzer möglich bleiben. Die fundamentale Einschätzung wird leicht abgeschwächt und nur noch als „neutral bis bullish“ bezeichnet.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

Die Lienert + Ehrler AG übernimmt keine Haftung für Vollständigkeit und Richtigkeit der auf dieser Seite publizierten Informationen.