Trump beschwichtigt Iran-Sorgen – Risikoprämie sinkt, Preise geben nach

Trump beruhigt die Lage – „Tötungen im Iran hören auf“
Fast könnte man ein Schleudertrauma bekommen, so schnell hat Donald Trump seine Haltung gegenüber den Protesten im Iran geändert. Zuletzt hatte er den Demonstranten noch Hilfe zugesichert und dem iranischen Regime mit einer Militärintervention gedroht, sollte es weiter gegen die Protestierenden vorgehen. Doch gestern dann die Kehrtwende, das Töten im Iran habe aufgehört und geplante Hinrichtungen gebe es auch keine.

„Uns wurde gesagt, dass die Tötungen im Iran aufhören“, sagte der Präsident gestern im Weißen Haus. „Sie hören auf, und es gibt keinen Plan für Hinrichtungen oder eine Hinrichtung.“ Auf Nachfrage führte er aus, dass er die Informationen „von sehr wichtigen Quellen auf der anderen Seite“ erhalten habe. Konkreter wurde er dabei nicht.

Im Vorfeld hatte es offenbar Warnungen von Experten und Diplomaten aus der Nahostregion gegeben, dass eine militärische Intervention kontraproduktiv sein könnte. Sie würde die Proteste beenden und gleichzeitig ein verstärktes Vorgehen gegen die Teilnehmer auslösen. Zudem wären zahlreiche Vergeltungsangriffe des Iran auf US-Stützpunkte in der Region zu befürchten. Am Ölmarkt interpretiert man Trumps Kommentare deshalb dahingehend, dass er eine militärische Eskalation offenbar doch vermeiden will und preist einen Teil der Risikoprämie wieder aus. Die Kurse an ICE und NYMEX kommen damit heute wieder unter Druck.

Marktlage
Die Ölpreise scheinen ihre Preisrally nach sechs Tagen heute beendet zu haben und geben ein gutes Stück nach. Auslöser waren Kommentare des US-Präsidenten Donald Trump zum Iran. Brent und WTI hatten am Mittwoch noch um mehr als ein Prozent zugelegt, gaben jedoch den Großteil der Gewinne wieder ab, nachdem Trumps Äußerungen die Sorge vor einem US-Angriff auf den Iran verringerten.

Der US-Präsident erklärte gestern, ihm sei zugesichert worden, dass der Iran die Tötung von Demonstrierenden einstellen werde. Dies senkt die Wahrscheinlichkeit einer unmittelbaren militärischen Reaktion der USA und damit auch das Risiko von Unterbrechungen der iranischen Ölproduktion und einer Sperrung der wichtigen Straße von Hormus.

Die Lage im Iran bleibt jedoch auch weiterhin angespannt. So schlossen die Behörden vorübergehend den Luftraum über Teheran, während die USA Teile ihres Personals in Katar und an anderen amerikanischen Militärstützpunkten in der Region verlegten.

„Die geopolitisch bedingte Stärke bei Brent dürfte anhalten, ein Test bis auf 75 US-Dollar ist durchaus möglich“, glaubt deshalb Robert Rennie von Westpac Banking Corp. Auf die Rallye könnte jedoch ein Einbruch folgen, sollte es tatsächlich eine Entwarnung gegeben oder das Regime im Iran nachhaltig ins Wanken geraten – ähnlich der Marktbewegung während des Iran-Israel-Konflikts im Juni, so der Experte.

Auf bearisher Seite wirken heute zudem noch die DOE-Daten, die gestern deutlich höhere Bestände meldeten, als erwartet. Und auch die Entspannung zwischen den USA und Venezuela drückt nach wie vor auf die Preise, zumal die unterbrochene Ölförderung genauso wieder anläuft wie die Exporte des OPEC-Mitglieds.

Trump erklärte zudem, er habe am Mittwoch ein „sehr gutes Gespräch“ mit der venezolanischen Interimspräsidentin Delcy Rodriguez geführt, bei dem es auch um Öl gegangen sei. Separat sagte der US-Präsident gegenüber Journalisten, erhalte es für besser, wenn Venezuela in der OPEC bleibe, sei jedoch unsicher, ob dies auch für die USA vorteilhaft wäre. Gespräche darüber habe Washington mit Caracas nicht geführt.

Unterdessen teilte die OPEC selbst am Mittwoch in ihrem aktuellen Monatsreport mit, die Ölnachfrage werde 2027 voraussichtlich in ähnlichem Tempo wachsen wie in diesem Jahr. Zudem veröffentlichte sie Daten, die für 2026 auf ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis von Angebot und Nachfrage hindeuten – im Gegensatz zu anderen Prognosen, die von einem deutlichen Überangebot ausgehen. Damit bleibt die OPEC ihrer Linie treu und rechtfertigt gleichzeitig weitere geplante Produktionssteigerungen ab dem Frühjahr.

Insgesamt fällt die fundamentale Einschätzung heute neutral aus, nachdem die immanente Gefahr eines Militärschlags der USA gegen Iran gesunken und damit auch die Risikoprämie geschrumpft ist. Dennoch bleibt die geopolitische Lage weiterhin riskant, so dass die bearishen Faktoren noch nicht wieder die Überhand gewinnen.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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