Mögliche Verkaufssignale – Futures pausieren ihre Preisrallye

Die fundamentale Lage am Ölmarkt wurde zum Handelsauftakt zunächst leicht bullish eingeschätzt. Ausschlaggebend waren die weiterhin geschlossene Straße von Hormus, neue Angriffe auf Frachtschiffe in der Region und die ausbleibende nachhaltige Wirkung der US-Ölbestandsdaten des API. Auch charttechnisch zeigte sich zunächst ein positives Bild, da die Vortageshochs überwunden wurden und sich kurzfristig ein Aufwärtstrend etablierte. Die Monatsberichte von EIA, IEA und OPEC brachten im weiteren Tagesverlauf jedoch keine entscheidenden neuen Impulse. Zwar korrigierte insbesondere die EIA ihre Preiserwartungen deutlich nach oben, gleichzeitig reduzierten alle drei Organisationen ihre Prognosen für die globale Ölnachfrage 2026, wodurch der Markt insgesamt nur wenig Unterstützung erhielt.

Zusätzlichen bullishen Einfluss hatten die sinkenden russischen Rohölexporte sowie die anhaltenden Einschränkungen des Öltransports durch die Straße von Hormus. Gleichzeitig belasteten Hoffnungen auf eine Verlängerung des US-Iran-Rahmenabkommens die Preise und führten zu Gewinnmitnahmen. Als der Iran später klarstellte, dass er an einer Verlängerung des im Juni gescheiterten Abkommens nicht interessiert sei, nahm die Volatilität wieder zu. Die am Nachmittag veröffentlichten US-Ölbestandsdaten des DOE zeigten zwar massive Rohölaufbauten und waren damit klar bearish, wurden von den Marktteilnehmern jedoch weitgehend ignoriert. Insgesamt fehlte den Futures eine eindeutige Richtung, sodass die Ölpreise in New York und London unter ihren Eröffnungskursen mit leichten Verlusten schlossen und auch die Inlandspreise kaum verändert blieben.

Für zusätzliche Unsicherheit sorgt die Verschärfung der Sanktionen gegen Russland. Nachdem die EU weitere Schiffe der russischen Schattenflotte sanktioniert hat und in den USA ein weiteres Sanktionsgesetz den Senat passiert hat, droht Russland mit Gegenmaßnahmen. Präsident Putin kündigte an, im Fall der Beschlagnahmung russischer Schiffe oder Waren durch europäische Staaten selbst Schiffe der EU beschlagnahmen und deren Waren konfiszieren zu lassen. Eine solche Eskalation könnte den internationalen Handel weiter beeinträchtigen und insbesondere bei einer Betroffenheit von Öltankern die Ölpreise zusätzlich stützen. Gleichzeitig würde sich dadurch der Konflikt zwischen Russland und der EU beziehungsweise der NATO weiter verschärfen.

Auch bei den Verhandlungen zwischen den USA und Iran zeichnet sich weiterhin kein Durchbruch ab. Pakistan, das als Vermittler auftritt, räumt ein, dass der Friedensprozess ins Stocken geraten ist. Zwar besteht theoretisch noch die Möglichkeit, die im Juni vereinbarte Übergangslösung zu verlängern, doch der Iran hat zuletzt deutlich gemacht, dass er eine solche Verlängerung nicht anstrebt. Damit bleibt die Situation rund um die Straße von Hormus angespannt. Die Zahl der Schiffe, die die Meerenge tatsächlich passieren, lässt sich wegen eingeschränkter Trackingmöglichkeiten nur schwer bestimmen. Deshalb bleibt auch unklar, wie viel Öl tatsächlich aus dem Persischen Golf auf den Weltmarkt gelangt. Die jüngsten Angriffe auf Schiffe haben die Sicherheitslage zusätzlich verschlechtert und führen teilweise dazu, dass Schiffe ihre Ortungssignale abschalten, wodurch die Transparenz über die tatsächlichen Transportmengen weiter sinkt.

Die zentrale Stütze des Ölmarktes bleibt damit das begrenzte Angebot. Die Blockade beziehungsweise starke Einschränkung der Straße von Hormus, ukrainische Angriffe auf russische Ölanlagen sowie die Sanktionen gegen Russland reduzieren die verfügbare Ölmenge am Weltmarkt. Die rückläufige Nachfrageprognose der EIA, IEA und OPEC relativiert zwar den Preisdruck, allerdings ist ein Teil des Nachfrage­rückgangs darauf zurückzuführen, dass wegen des knappen Angebots tatsächlich weniger Öl zur Verfügung steht. Gleichzeitig dürften die Marktteilnehmer angesichts der unsicheren Versorgungslage weiterhin mit hoher Volatilität rechnen. Bearishe Faktoren wie die hohen US-Rohölbestände treten dabei in den Hintergrund, solange die geopolitischen Risiken und die Unsicherheit über die tatsächlichen Öltransporte bestehen bleiben.

Für die aktuelle Einschätzung ergibt sich dennoch ein neutraleres Bild. Da konkrete neue bullishe Impulse ausblieben, wird die fundamentale Bewertung von zuvor leicht bullish auf neutral zurückgestuft. Die Risiken rund um die Straße von Hormus sind nach den jüngsten Eskalationen offenbar bereits weitgehend in den Preisen enthalten, während Putins Drohung wegen ihrer noch unklaren Umsetzung kurzfristig keinen nachhaltigen zusätzlichen Preisdruck erzeugt. Entsprechend zeichnen sich für die rechnerischen Inlandspreise leichte Preisnachlässe ab. Insgesamt bleibt der Ölmarkt damit zwischen einem begrenzten Angebot, geopolitischen Risiken und fehlenden klaren neuen Impulsen gefangen, sodass vorerst vor allem mit anhaltend hoher Volatilität und einer eher richtungslosen Preisentwicklung zu rechnen ist.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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