Ölfutures bleiben fester - Trump verhängt Strafzölle für Irans Handelspartner

Trump verkündet 25 % Strafzölle für Irans Handelspartner

Die USA werden Importwaren von Ländern, die Geschäfte mit dem Iran betreiben, mit einem Strafzoll in Höhe von 25 % belegen. Dies teilte US-Präsident Donald Trump am gestrigen Montag in einem Post auf seiner Plattform Truth Social mit. Die Strafzölle würden "unverzüglich in Kraft treten", so Trump weiter." Jedes Land, das mit der Islamischen Republik Iran Geschäfte macht, muss einen Zoll von 25 % auf alle Geschäfte zahlen, die mit den Vereinigten Staaten von Amerika gemacht werden. Diese Anordnung ist endgültig und unanfechtbar", schrieb der US-Präsident, der Details zur Umsetzung jedoch zunächst ebenso schuldig blieb, wie zum Umfang der Maßnahme. Mit den angekündigten Strafzöllen könnte Trump vor allem China vor den Kopf stoßen, das Marktbeobachtern zufolge der Bestimmungsort von etwa 90 % der iranischen Ölexporte ist. Ob die Maßnahme den Handelskrieg zwischen den beiden weltweit größten Volkswirtschaften (und Ölverbrauchern) wieder entfachen wird bleibt abzuwarten. Sollte es jedoch dazu kommen, würde dies die Sorgen hinsichtlich der Entwicklung der Ölnachfrage wieder steigen lassen. Am heutigen Dienstag will Trump mit Vertreterinnen und Vertretern der US-Regierung noch einmal über mögliche Maßnahmen gegen den Iran sprechen. Ob dabei auch ein Militärschlag gegen die Islamische Republik beschlossen wird, ist ungewiss. Nachdem Teheran zuletzt jedoch angegeben hatte, die Proteste im Iran mittlerweile eingedämmt zu haben und Medienberichten zufolge das Gespräch mit Washington suchte, könnte ein militärisches Vorgehen der USA erst einmal hinten angestellt werden, zumal es das beträchtliche Risiko bergen würde, dass es in der Region zu einem Flächenbrand führen könnte.

Marktlage

Die Befürchtung, die USA könnten mit Luftangriffen auf Ziele im Iran in die jüngsten Entwicklungen in der Islamischen Republik eingreifen und damit auch mögliche Ausfälle des iranischen Ölangebots verursachen, hatte der Aussicht auf den Verkauf umfangreicher Mengen an venezolanischem Rohöl durch die USA zuletzt entgegengewirkt. Die Rohölpreise an ICE und NYMEX konnten daher wieder zulegen und starten im Bereich der Vortageshochs. "Die Unruhen im Iran haben unserer Ansicht nach die geopolitische Risikoprämie für Öl um etwa 3-4 Dollar pro Barrel erhöht", heißt es zur jüngsten Preisentwicklung in einer Mitteilung der Barclays Bank. Hauptgrund für die Risikoprämie ist die ​​​Möglichkeit eines Militärschlags der USA auf iranische Ziele, mit welcher US-Präsident Trump der iranischen Führung gedroht hatte, nachdem diese versuchte, die Proteste mit Gewalt einzudämmen. Statt eines Militärschlags kündigte Trump am gestrigen Montag nun jedoch erst einmal Strafzölle in Höhe von 25 % für Importe aus Ländern an, die Geschäfte mit dem Iran machen. Auch dies dürfte laut Analystin Charu Chanana von Saxo Markets zur geopolitischen Risikoprämie beitragen, die Trader derzeit auf die Rohölpreise aufschlagen. "Die nachhaltige Entwicklung wird jedoch davon abhängen, ob diese Rhetorik in eine durchsetzbare Politik mündet und ob sie messbare Angebotsengpässe oder umfassendere Handelsvergeltungsmaßnahmen auslöst, die das Nachfragewachstum dämpfen. "Zu derlei Vergeltungsmaßnahmen könnte vor allem China greifen, das den Großteil der iranischen Ölexporte abnimmt, da dieses aufgrund der westlichen Sanktionen günstig angeboten wird. Zwischen der Trump-Regierung und Peking gibt es bis heute kein umfassendes Handelsabkommen, allerdings gilt derzeit noch eine Art Waffenstillstand, im Rahmen dessen die umfangreichen Strafzölle, die Trump im Frühjahr 2025 verhängt hatte, sowie die Vergeltungszölle Chinas überwiegend ausgesetzt sind. Ein erneuter Handelskrieg könnte die Wirtschaft und die Ölnachfrage der beiden Volkswirtschaften maßgeblich beeinträchtigen. Aber auch Indien hätte mit den Strafzöllen gegen iranische Handelspartner ein Problem, denn das Land muss bereits wegen seiner fortwährenden Käufe an russischem Öl höhere Zölle für seine Exporte in die USA hinnehmen. Aus Angebotssicht kamen zuletzt auch mit der Aussicht auf weitere Sanktionen der USA und der EU gegen Russland ein Faktor hinzu, der die Preise an den Ölbörsen stützt. Diese könnten die Ölproduktion des OPEC+-Produzenten weitersinken lassen. Wie die EIA die Entwicklung der Rohölproduktion der OPEC und ihrer Partner für Dezember einschätzt, wird sich heute Abend zeigen, wenn die Statistiker des US-Energieministeriums ihren aktuellen Monatsbericht veröffentlichen. Der Bericht wird wie immer auch die aktuellen Preisprognosen der EIA beinhalten, wobei die Frage ist, ob die Möglichkeit von Ausfällen des iranischen Ölangebots dabei berücksichtigt wurde. Die OPEC gibt ihren aktuellen Monatsbericht am Mittwochnachmittag heraus, wohingegen die IEA erst kommende Woche mit ihrem Monatsreport aufwartet. Erste Hinweise über die kurzfristige Entwicklung der Versorgungslage in den USA wird in der Nacht (22:30 Uhr) dann das API mit seinen wöchentlichen Schätzungen zu den US-Ölbeständen liefern. Die offiziellen Daten des DOE folgen wie üblich erst am Mittwoch um 16:30 Uhr. Wie gewohnt beinhaltet der DOE-Bericht auch konkrete Daten zur Entwicklung der Rohölproduktion, der Raffinerieauslastung und der Nachfrage in den USA. An den Ölbörsen notieren die Kontrakte derzeit leicht oberhalb der Vortagessettlement-Niveaus, wobei Gasoil aktuell das Hoch von Freitag testet. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich daher heute Morgen rein rechnerisch zunächst Potenzial für Aufschläge im Vergleich zu gestern ab, zumal der Euro gegenüber dem Dollar leicht an Boden verloren hat.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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