Ölfutures vor US-Entscheidung zu Iran auf Richtungssuche

Ukraine greift erneut Ölplattformen im Kaspischen Meer an
Die Ukraine nahm bei ihren Drohnenangriffen gegen die russische Energieinfrastruktur erneut die Ölanlagen im Kaspischen Meer ins Visier. Dabei wurden nach Angaben des Generalstabs der ukrainischen Streitkräfte die Plattformen V. Filanovsky, Yuri Korchagin und Valery Grayfe getroffen, die vom russischen Ölkonzern Lukoil betrieben werden und bereits im Dezember unter Beschuss genommen worden waren. Wie stark die Anlagen beim jüngsten Angriff beschädigt wurden, versuche man derzeit noch abzuschätzen, teilte der Generalstab über Telegram mit. 

Davon abgesehen führte die Ukraine auch Angriffe in den von russischen Truppen kontrollierten ostukrainischen Regionen Luhansk und Cherson durch, bei denen unter anderem ein Mittelstrecken-Flugabwehrraketenwerfer des Typs Buk-M3 sowie ein Materiallager getroffen wurde. Aber auch auf Ziele auf russischem Territorium führte die Ukraine am Wochenende weitere Drohnenangriffe durch. Dabei sollen bei einem Angriff auf die Stadt Woronesch örtlichen Behörden zufolge ein Mensch getötet und vier weitere verletzt worden sein.

Trump: Iran will verhandeln - USA müssen aber vielleicht schon vorhereingreifen
Nachdem US-Präsident Trump dem Iran bereits mehrmals damit gedroht hatte, gegen das Mullah-Regime vorzugehen, sollte es weiterhin versuchen, die derzeitigen Proteste mit Gewalt niederzuschlagen, will Teheran offenbar verhandeln. Dies gab Trump auf seinem Rückflug nach Washington D.C. am gestrigen Sonntag gegenüber Journalisten an.

Dem US-Präsidenten zufolge hätte sich die iranische Führung am Samstag an die Vereinigten Staaten gewendet und Verhandlungen vorgeschlagen. "Ein Treffen wird gerade anberaumt", so Trump, der jedoch hinterher schickte: "Angesichts der aktuellen Ereignisse müssen wir aber möglicherweise schon vor dem Treffen handeln."

Derzeit prüfe man laut Trump noch "einige sehr starke Optionen" für ein Eingreifen in die Entwicklungen im Iran. "Wir nehmen die Situation sehr ernst." Das Wall Street Journal berichtete zuletzt, der US-Präsident werde am Dienstag mit hochrangigen Vertretern seiner Regierung zusammen kommen, um das weitere Vorgehen zu besprechen.

Noch am Samstag hatte der Präsident des iranischen Parlaments, Mohammad Baqer Qalibaf, damit gedroht, dass ein militärisches Eingreifen der USA in die Angelegenheiten Irans US-Militäranlagen in der Region und auch Israel zu legitimen Zielen für iranische Angriffe machen würde.

Vitol und Trafigura können sich Verkauf von venezolanischem Öl vorstellen
US-Präsident Trump hatte am vergangenen Freitag hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Ölbranche ins Weiße Haus geladen, um über Investitionen in die venezolanische Ölindustrie sowie mögliche Vertriebswege für das Öl aus dem OPEC-Staat zu sprechen. Die beiden Handelshäuser Vitol und Trafigura sicherten der US-Regierung dabei ihre Unterstützung zu.
 
"Wir sind hier, um sicherzustellen, dass Sie dieses Öl weltweit transportieren können", sagte beispielsweise Vitol-Manager John Addison, am Freitag gegenüber den Vertretern der US-Regierung. Trafigura wird nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Richard Holtum die erste Verladung von für den Export in die USA bestimmtem venezolanischem Öl in der kommenden Woche vornehmen. Die US-Sanktionen gegen das staatliche venezolanische Ölunternehmen PdVSA würden einem Sprecher des Handelshauses zufolge eingehalten.

Unterdessen sicherte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des US-Ölproduzenten Chevron, Mark Nelson, der US-Regierung eine deutliche Steigerung der Ölproduktion in Venezuela zu. Aktuell fördert Chevron dort noch rund 240.000 B/T. Innerhalb der kommenden eineinhalb bis zwei Jahre könnte es die Förderung aber um etwa 50 % steigern.

Bei Exxon Mobil-Chef Darren Woods stieß Trump mit seiner Aufforderung zu Investitionen in die venezolanische Ölindustrie dagegen auf eine eher verhaltene Reaktion. Betrachte man "die rechtlichen und wirtschaftlichen Strukturen und Rahmenbedingungen (...), die heute in Venezuela gelten", sei es unmöglich, dort zu investieren, sagte Woods, der zudem darauf verwies, dass die Vermögenswerte von Exxon Mobil in der Vergangenheit bereits zweimal von der venezolanischen Regierung beschlagnahmt worden seien.

Marktlage
Der Fokus der Marktteilnehmer rückte zuletzt von Venezuela zunehmend auf den Iran, wo das gewaltsame Vorgehen der Regierung gegen Proteste der Bevölkerung ein militärisches Eingreifen der USA zur Folge haben könnte. Die Preise für Brent und WTI  an den Ölbörsen legten in der vergangenen Woche vor diesem Hintergrund so stark zu, wie seit Mitte Oktober nicht mehr.

Schließlich könnte ein Militärschlag gegen den Iran Ölexporte von insgesamt fast 2 Mio. B/T in Gefahr bringen. Nach Meinung des Analysten Saul Kavonic von MST Marquee unterschätzt der Markt derzeit auch noch das Risiko von Beeinträchtigungen der Ölexporte, die über die Meerenge von Hormus abgewickelt werden. Bereits bei vergangenen Konflikten hatte der Iran immer wieder damit gedroht, die Straße von Hormus, über die täglich rund 20 Mio. Barrel Öl auf den Weltmarkt exportiert werden, zu blockieren. Bislang griff Teheran allerdings noch nie zu dieser Maßnahme.

Die Analysten der ANZ Bank weisen davon abgesehen darauf hin, dass "auch Arbeiter der Ölindustrie zum Streik aufgerufen“ seien, sodass selbst ohne Militärschlag der USA abzuwarten bleibt, wie stark die Ölproduktion Irans durch die Proteste in Mitleidenschaft gezogen wird.

Unterdessen will das Handelshaus Trafigura die erste Verladung von venezolanischem Rohöl für den Export in die USA in der kommenden Woche vornehmen. Während die bis zu 50 Mio. Barrel an Rohöl aus dem OPEC-Staat, die die USA in naher Zukunft auf den Markt bringen will, das Aufwärtspotenzial der Ölpreise begrenzen dürften, traf die Aufforderung des US-Präsidenten zu Investitionen in Venezuelas Ölindustrie auf gemischte Reaktionen.

Nachdem beispielsweise der Vorstandsvorsitzende von Exxon Mobil bei den Gesprächen im Weißen Haus am Freitag sagte, man könne bei der aktuellen Lage praktisch nicht in Venezuela investieren, gab US-Präsident Trump am Sonntag an, er werde Exxon Mobil möglicherweise für Investitionen sperren. "Mir hat Exxons Reaktion nicht gefallen", so Trump am Sonntag gegenüber Reportern. "Ich werde Exxon wohl eher außen vor lassen. Mir hat ihre Reaktion nicht gefallen. Sie spielen ein zu raffiniertes Spiel."

Davon abgesehen dürfte der erneute Drohnenangriff der Ukraine auf die russischen Ölanlagen im Kaspischen Meer vom Wochenende den Ölfutures zum Wochenbeginn leichten Auftrieb geben, wenn gleich noch unklar ist, wie stark die Anlagen dabei beschädigt wurden. Abzuwarten bleibt auch, ob die USA tatsächlich bald weitere Sanktionen gegen Russland umsetzen werden. Trump hatte der Möglichkeit weiterer Sanktionen vergangene Woche grünes Licht gegeben.

Aktuell versuchen die Ölfutures an ICE und NYMEX noch, eine klare Richtung zu finden. Nachdem sie zum Tagesbeginn zunächst zulegten, testeten sie im frühen asiatischen Handel die Vortagestiefs. Mittlerweile notieren Brent und WTI jedoch wieder leicht oberhalb der Vortagessettlements, wohingegen der Gasoil-Kontrakt, bei dem heute der nächste Frontmonatswechsel ansteht, derzeit leichte Verluste markiert. Auch bei den Inlandspreisen ist aktuell noch nicht eindeutig absehbar, in welche Richtung sich diese entwickeln.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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