Trump erteilt Waffenstillstand eine Absage – Ölpreise ziehen deutlich an

Trump: Irans Bedingungen „völlig inakzeptabel“

Allianz zur Sicherung der Straße von Hormus

Trotz zahlreicher geopolitischer Zwischenfälle reagierten die Öl-Futures an den Börsen ICE und NYMEX zunächst nur moderat. Zwar verschlechterte sich die Sicherheitslage im Nahen Osten spürbar: Die USA verhängten neue Sanktionen gegen den Irak, es kam zu Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus, der Iran beschlagnahmte sogar einen Tanker mit iranischem Öl, zudem verschärften sich Konflikte in Libyen und Russland. Dennoch blieben größere Kurssprünge zunächst aus. Technisch betrachtet waren die zuvor bearishen Marktimpulse erschöpft, gleichzeitig gelang es den Ölpreisen nicht, wichtige charttechnische Unterstützungen nachhaltig zu unterschreiten. Die Marktteilnehmer sahen offenbar trotz zahlreicher Zwischenfälle noch keine unmittelbare großflächige Eskalation.

Im Zentrum der politischen Entwicklungen steht die gescheiterte Annäherung zwischen den USA und dem Iran. Teheran übermittelte Washington Vorschläge für ein mögliches Abkommen, die jedoch aus Sicht der USA unannehmbar waren. Der Iran fordert unter anderem:

  • ein Ende israelischer Angriffe auf die Hisbollah,
  • die Anerkennung iranischer Kontrolle über die Straße von Hormus,
  • Reparationszahlungen,
  • sowie den Erhalt der eigenen Urananreicherungsanlagen.

US-Präsident Donald Trump wies diese Forderungen scharf zurück und bezeichnete sie öffentlich als „völlig inakzeptabel“. Damit rückte die Hoffnung auf ein schnelles Friedensabkommen wieder in weite Ferne. Gleichzeitig betonte Israels Premierminister Benjamin Netanyahu, dass der Iran weiterhin militärisch und nuklearpolitisch eingegrenzt werden müsse – notfalls auch mit Gewalt.

Große Aufmerksamkeit richtet sich nun auf das geplante Treffen zwischen Trump und Chinas Präsident Xi Jinping in Peking. China gilt als wichtiger Partner Teherans und könnte theoretisch eine Vermittlerrolle übernehmen. Marktteilnehmer hoffen daher, dass China seinen Einfluss nutzt, um eine weitere Eskalation zu verhindern und möglicherweise einen Waffenstillstand zu fördern. Allerdings ist aktuell auf beiden Seiten nur begrenzte Verhandlungsbereitschaft erkennbar.

Parallel dazu beraten mehr als 40 Staaten über Maßnahmen zur Sicherung der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Öltransportrouten der Welt. Diskutiert werden:

  • Minenräumungen,
  • militärische Eskorteinsätze,
  • sowie Patrouillenflüge.

Der Iran lehnt diese internationale Sicherheitsinitiative entschieden ab und betrachtet zusätzliche Kriegsschiffe in der Region als Provokation und Militarisierung. Teheran droht mit „entschlossenen und unmittelbaren“ Gegenmaßnahmen, falls weitere militärische Kräfte entsandt werden. Großbritannien hat bereits angekündigt, den Zerstörer HMS Dragon in die Region zu verlegen.

Die Straße von Hormus bleibt weiterhin faktisch gestört beziehungsweise teilweise blockiert. Mehrere Schiffe wurden erneut angegriffen, wodurch die Risiken für den globalen Öltransport hoch bleiben. Entsprechend reagieren die Märkte sehr sensibel auf politische Aussagen aus Washington und Teheran. Analysten verschiedener Banken und Handelshäuser erwarten deshalb weiter steigende Ölpreise.

Besonders betont wird, dass die geopolitische Risikoprämie dauerhaft höher bleiben könnte – selbst wenn der aktuelle Konflikt irgendwann entschärft wird. Gründe dafür seien:

  • die anhaltende Unsicherheit in der Straße von Hormus,
  • niedrigere globale Ölreserven,
  • sowie eine schwächere internationale Zusammenarbeit.

Die ING prognostiziert deshalb langfristig hohe Ölpreise: Brent-Rohöl könnte bis Ende 2026 über 90 Dollar pro Barrel bleiben und sich erst 2027 im Bereich von 80 bis 85 Dollar stabilisieren.

Das abschliessende Fazit ist, dass sich die fundamentale Ausgangslage am Ölmarkt deutlich verschärft hat. Da eine diplomatische Einigung zwischen den USA und dem Iran aktuell unwahrscheinlich erscheint, steigt die Gefahr einer weiteren Eskalation. Ein Teil der zuvor abgebaute geopolitischen Risikoprämie kehrt deshalb in die Ölpreise zurück. Dies führt bereits zu deutlichen Preissteigerungen bei den Futures und auch zu höheren Inlandspreisen.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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