
Trump: Krieg mit Iran könnte "sehr bald" beendet sein
In einem Interview mit dem Sender CBS News gab US-Präsident Donald Trump am gestrigen Montag an, er sei der Ansicht, dass die USA bei ihrem Militärschlag gegen den Iran dem eigenen Zeitplan "sehr weit voraus" seien. Dass der Krieg noch in dieser Woche enden wird, schloss Trump jedoch aus. Ursprünglich waren vier bis fünf Wochen angesetzt worden, um die Ziele des Angriffs zu erreichen, wobei sich viele - darunter auch Mitglieder des US-Kongresses - noch immer nicht sicher sind, was diese Ziele eigentlich sind.
Eine Lösung auf diplomatischem Wege scheint zumindest für den Iran nicht in Frage zu kommen. So schloss der iranische Außenminister Abbas Araghchi Verhandlungen aus und verwies dabei auf die Atomgespräche. "Nach drei Verhandlungsrunden, in denen das amerikanische Team selbst erklärte, wir hätten große Fortschritte erzielt, entschieden sie sich dennoch für einen Angriff. Daher glaube ich nicht, dass weitere Gespräche mit den Amerikanern noch auf unserer Tagesordnung stehen werden“, so der Minister am Montag in einem Interview mit PBS News.
Auch die Islamischen Revolutionsgarden äußerten sich zum Thema. Über die iranische Nachrichtenagentur Tasnim teilten sie mit: "Wir sind diejenigen, die über das Ende des Krieges entscheiden" und kündigten an, sie würden "keinen Liter Öl" aus dem Nahen Osten fließen lassen, solange die Angriffe der USA und Israels andauern. Daraufhin warnte US-Präsident Trump, die USA würden den Iran so hart angreifen, "dass es ihnen und jedem, der ihnen hilft, nicht möglich sein wird, diesen Teil der Welt jemals wieder zu erlangen."
Trump stellt weitere Sanktions-Ausnahmen in Aussicht
Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete unterdessen, Trump habe mit Russlands Präsident Wladimir Putin telefoniert, der Vorschläge zur zügigen diplomatischen Beendigung des Iran-Kriegs unterbreitet habe. Laut Putins Berater, Juri Uschakow sollen die beiden Präsidenten auch über die Ukraine gesprochen haben, wobei Trump "sein Interesse an der Beendigung des Konflikts (…) durch einen schnellen Waffenstillstand und eine langfristige Einigung" bekräftigt habe.
Die vierte geplante Gesprächsrunde zum Thema Ukraine hätte eigentlich vergangene Woche stattfinden sollen, dann kam allerdings der Iran-Krieg dazwischen. Von Moskau seien die Bemühungen der USA hinsichtlich der Verhandlungen zwischen der Ukraine und Russland als "positiv" eingestuft worden, so Uschakow. Wann diese nun in die nächste Runde gehen sollen, bleibt ungewiss.
Was Russland jedoch durchaus freuen dürfte, ist die Ankündigung des US-Präsidenten, dass Washington weitere Ausnahmen für Sanktionen in Erwägung ziehe, um die Ölpreise wieder sinken zu lassen. Zwar bezog sich Trump dabei nicht ausdrücklich auf die Russland-Sanktionen, vergangene Woche hatten die USA aber bereits Indien eine Ausnahme für Rohölimporte aus Russland gewährt.
Marktlage
Bereits im gestrigen Tagesverlauf gaben die Rohölpreise wieder deutlich nach, nachdem sie noch am Morgen an der 120 Dollar-Marke gekratzt hatten - ein Niveau, dass seit 2022 nicht mehr erreicht wurde, dem Jahr in dem der Ukraine-Krieg begann. Am späten Abend sorgten dann Äußerungen von US-Präsident Trump noch dafür, dass Brent und WTI zumindest kurzzeitig wieder in den Bereich um die 85 Dollar pro Barrel fielen.
Trumps Ankündigung, dass der Iran-Krieg bald vorbei sein könnte sorgte dabei ebenso für Abwärtsdruck wie die Erwähnung möglicher weiterer Sanktions-Ausnahmen. Wie alles, was der US-Präsident so von sich gibt, sind allerdings auch seine jüngsten Äußerungen mit Vorsicht zu genießen. Auch Vandana Hari, die Gründerin des Marktanalyseunternehmens VandaInsights ist skeptisch: "Trumps Aussage, der Iran-Krieg werde bald beendet sein, ist kaum die Rückversicherung, die dazu führen wird, dass Tanker wieder normal durch die Straße von Hormus fahren", so Hari, die darauf hinweist, dass die Marktteilnehmer aufgrund der jüngsten Schlagzeilen zu Panik-Verkäufen neigen könnten.
Auch der Energiemarkt-Experte der DBS Bank, Suvro Sarkar, hält dies für möglich. "Trumps Äußerungen über einen kurzlebigen Krieg haben die Märkte eindeutig beruhigt. Während es gestern eine Überreaktion nach oben gab, glauben wir, dass es heute eine Überreaktion nach unten gibt“, sagt Sarkar, der gleichzeitig warnt, dass der Markt die Risiken für Brent auf diesen Preisniveaus unterschätze.
Dies scheint nicht allzu weit hergeholt, denn einerseits hält das iranische Regime offenbar nichts von Kapitulation und andererseits nimmt die Zahl der Golfstaaten, die ihre Fördermengen mangels Lagerkapazitäten drosseln, beinahe stetig zu. Die Frage wird nun sein, ob Washington tatsächlich weitere Ausnahmen bei seinen Sanktionen gewähren wird und auch, ob und wenn ja, wann die IEA oder die G7 noch durch die Freigabe strategischer Ölreserven in den Markt eingreifen werden. Bislang scheint man dies nicht für nötig zu halten.
Wie die IEA die aktuelle Lage und den Ausblick für den Markt derzeit einschätzt, wird sich am Donnerstagvormittag zeigen, wenn die Behörde ihren aktuellen Monatsbericht veröffentlicht. Der Monatsreport der EIA steht bereits heute Abend auf der Agenda. Aufgrund der in den USA bereits erfolgten Umstellung auf Sommerzeit ist dieser heute schon um 17 Uhr fällig. Ebenfalls eine Stunde früher als üblich, also um 21:30 Uhr stehen heute die US-Ölbestandsschätzungen des API für die Woche zum 6. März an. Der Monatsbericht der OPEC erscheint am Mittwochnachmittag.
Aktuell notieren die Ölfutures an ICE und NYMEX leicht oberhalb der Vortagestiefs. Bei den Inlandspreisen zeichnet sich nach dem starken Preisrutsch von gestern allerdings Potenzial für beträchtliche Abschläge im Vergleich zu gestern ab, zumal sich auch der EUR/USD heute etwas erholt zeigt.