
Auch VAE und Kuwait drosseln Produktion
Nach dem Irak haben nun auch die OPEC-Mitglieder Kuwait und Vereinigte Arabische Emirate (VAE) ihre Produktion vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs gedrosselt. Grund für die Maßnahme ist, dass den beiden Ländern die freien Lagerkapazitäten ausgehen, da sie ihr Öl derzeit nicht über die Straße von Hormus nicht exportieren können. Für gewöhnlich wird die für den internationalen Ölhandel so wichtige Meerenge täglich von durchschnittlich 138 Schiffen durchfahren. Am vergangenen Donnerstag ließ der Iran gerade noch zwei Tanker durch das Nadelöhr hindurch.
Wie stark die Produktion der beiden OPEC-Mitglieder reduziert wurde, ist noch unklar. Vom emiratischen Unternehmen Adnoc ist nur bekannt, dass es die Förderung der Offshore-Anlagen gedrosselt hat. Aus Kuwait hieß es außerdem, dass auch der Durchsatz an den Raffinerien verringert worden sei.
Der US-Energieminister, Chris Wright, gab unterdessen an, dass die Straße von Hormus "in einigen Wochen, nicht Monaten" wieder regulär befahrbar sein dürfte. Dass dies die Märkte wirklich beruhigt, ist allerdings eher unwahrscheinlich, zumal US-Präsident Trump in einer Mitteilung auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social am Wochenende ankündigte, die US-Angriffe im Iran auf "Gebiete und Personengruppen, die bisher noch nicht als Ziele in Erwägung gezogen wurden", auszuweiten.
Mojtaba Chamenei zum Nachfolger von Ajatollah Ali Chamenei ernannt
Der neue oberste Führer Irans steht mittlerweile fest: Mojtaba Chamenei, Sohn des Anfang März bei Angriffen der USA und Israels getöteten Ajatollahs Ali Chamenei, wird das Amt seines Vaters übernehmen. Der 56-Jährige soll Spekulationen zufolge bereits einen Teil der Angelegenheiten im Büro seines Vaters erledigt haben.
Experten gehen davon aus, dass Mojtaba Chamenei den konservativen Kurs seines Vaters fortsetzen dürfte. Bei der Niederschlagung der Proteste im Rahmen der Grünen Bewegung (2009) soll er eine wesentliche Rolle gespielt haben. Zu den Protesten war es damals nach Wahlen gekommen, deren Ergebnis als manipuliert galten. Der Sohn von Ali Chamenei hat außerdem gute Verbindungen mit den Islamischen Revolutionsgarden, die bei der gewaltsamen Niederschlagung der jüngsten Proteste eine wichtige Rolle einnahmen und sowohl militärisch, als auch wirtschaftlich großen Einfluss im Iran haben.
Marktlage
Hatte der Nordsee-Rohölkontrakt Brent am Freitag noch die 90 Dollar-Marke überschritten, so notierte er am frühen Montagmorgen bereits knapp unterhalb von 120 Dollar pro Barrel. Selbst die US-Sorte WTI, die bislang mit einem Abschlag von mehreren Dollar pro Barrel zu Brent gehandelt wurde, näherte sich diesem Niveau kurz.
"Die heftige Reaktion rührt daher, dass die Märkte in dem eskalierenden Nahostkonflikt, der sich zu einer Pattsituation mit hohem Einsatz entwickelt hat, keinen Ausweg sehen. Keine der beiden Seiten scheint bereit zu sein, nachzugeben", erklärt IG-Analyst Tony Sycamore das hohe Preisniveau in einer Mitteilung und fügt hinzu: "Das Risiko nachhaltiger wirtschaftlicher Schäden wächst täglich."
Auch wenn sich Irans Präsident Masud Peseschkian am Wochenende bei den anderen Golfstaaten entschuldigt und angegeben hatte, Teheran werde seine Angriffe beenden, wenn wiederum aus den anderen Staaten in der Region keine Angriffe mehr auf den Iran durchgeführt würden, trug dies nicht einer Entspannung bei. Denn gegenüber den USA kündigte Peseschkian an, dass sich der Iran nicht bedingungslos ergeben werde. US-Präsident Trump schrieb daraufhin in einem Post auf Truth Social die US-Militärschläge gegen die Islamische Republik würden andauern "bis sie kapitulieren, oder wahrscheinlicher, vollkommen zusammenbrechen!"
Und während der Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Chamenei als dessen neuer Nachfolger wohl bereits eine unsichtbare Zielscheibe auf seinem Rücken tragen dürfte, fragt man sich am Markt, wie stark die Ausfälle am Ölangebot aus den Golfstaaten noch werden, nachdem mittlerweile nicht nur der Irak, sondern auch Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate vor dem Hintergrund der nicht befahrbaren Straße von Hormus mangels freier Lagerkapazitäten ihre Fördermengen bereits gedrosselt haben und Saudi-Arabien am Wochenende einen Drohnenangriff aus dem Iran auf das Shaiba-Ölfeld im Süden des Königreichs abwehren musste.
Nach Meinung von Haris Khurshid wiegt die Unterbrechung der Ölströme über die Straße von Hormus für die Marktteilnehmer allerdings noch schwerer, als die Produktionsausfälle. "Produktionsstillstände sind zwar von Bedeutung, aber der Markt sorgt sich vor allem darum, dass die Öllieferungen nicht mehr möglich sind“, so der CIO von Karobaar Capital LP. Und dass die IEA zur Überbrückung Öl aus ihren strategischen Reserven freigibt, steht - zumindest zum aktuellen Zeitpunkt - offenbar noch nicht zur Debatte.
Im weiteren Wochenverlauf werden die drei wichtigsten Institutionen am Ölmarkt- EIA, OPEC und IEA - ihre aktuellen Monatsberichte herausgeben. Angesichts der jüngsten geopolitischen Entwicklungen werden die Marktteilnehmer diesmal vermutlich gespannter auf die Berichte sein als üblich. Wegen der in den USA am Wochenende bereits erfolgten Umstellung auf Sommerzeit erscheint der Bericht der EIA am Dienstagabend auch eine Stunde früher als gewohnt. Gleiches gilt für die US-Ölbestandsdaten von API und DOE, die diese Woche am Dienstag um 21:30 Uhr bzw. am Mittwoch um 15:30 Uhr fällig sind.
Nach dem Anstieg auf neue Langzeithochs am frühen Morgen haben die Ölfutures zuletzt wieder etwas an Boden verloren. Nichtsdestotrotz notieren sie immer noch auf einem hohen Niveau, sodass sich bei den Inlandspreisen rein rechnerisch derzeit Potenzial für Aufschläge im Vergleich zu Freitag abzeichnet.