Streit um Straße von Hormus bleibt ungeklärt – Unsicherheiten nehmen wieder zu

Der Konflikt um die Straße von Hormus verschärft sich weiter und erschwert eine rasche Wiederaufnahme des internationalen Schiffsverkehrs sowie der Energieexporte. Iran knüpft eine Öffnung der strategisch wichtigen Meerenge an neue Bedingungen. Das Land will Schiffen aus den USA und Israel die Durchfahrt vollständig untersagen und von Staaten, die es als „feindlich“ einstuft, Transitgebühren beziehungsweise Entschädigungszahlungen von bis zu 20 Prozent des Frachtwertes verlangen. Grundlage dieser Forderungen soll eine Vereinbarung zwischen Iran und Oman sein, die bislang als wichtiger Baustein für eine mögliche Wiederöffnung der Straße von Hormus galt. Experten gehen jedoch davon aus, dass die neuen iranischen Forderungen die Verhandlungen erheblich erschweren, da sowohl Teheran als auch Washington ihre Positionen weiter verschärfen.

Die USA lehnen Einschränkungen der Schifffahrt und jegliche Transitgebühren weiterhin ab und bestehen auf einer uneingeschränkten Durchfahrt nach dem Vorkriegsstatus. Gleichzeitig signalisieren beide Seiten zwar grundsätzlich Verhandlungsbereitschaft, konkrete Fortschritte bleiben jedoch aus. US-Präsident Donald Trump erklärte zwar, die Gespräche entwickelten sich positiv und ein Ende des Konflikts könne bevorstehen, ließ jedoch offen, ob bereits eine Einigung erzielt wurde. Innenpolitisch dürfte Washington Zugeständnisse an Iran angesichts der bevorstehenden Zwischenwahlen und der bisherigen harten Haltung gegenüber Teheran nur schwer rechtfertigen können.

Unklar bleibt außerdem, wie Iran ein mögliches Durchfahrtsverbot für amerikanische und israelische Schiffe konkret umsetzen würde. Da weltweit nur wenige Handelsschiffe unter den entsprechenden Flaggen verkehren, könnte Teheran den Begriff auch auf Reedereien mit US-amerikanischen oder israelischen Eigentümern oder Investoren ausweiten. Parallel dazu diskutieren die Verhandlungspartner unterschiedliche Modelle für Transitgebühren. Während Iran Gebühren von fünf bis sieben Prozent des Frachtwertes fordert und Oman drei Prozent vorgeschlagen hat, lehnen die USA jegliche Abgaben kategorisch ab. Branchenvertreter weisen zudem darauf hin, dass die Umsetzung eines solchen Gebührensystems aufgrund bestehender US-Sanktionen gegen Iran sowie versicherungsrechtlicher Vorgaben erhebliche praktische Schwierigkeiten mit sich bringen könnte.

Die anhaltenden Unsicherheiten wirken sich unmittelbar auf die internationalen Ölmärkte aus. Die Ölpreise bleiben erhöht, da Investoren zunehmend davon ausgehen, dass selbst eine Einigung keine vollständige Rückkehr zur freien Schifffahrt ermöglichen wird. Marktanalysten erwarten vielmehr einen künftig kontrollierten und an Bedingungen geknüpften Transit durch die Straße von Hormus. Die anhaltende Unsicherheit führt dazu, dass sich Marktteilnehmer zurückhalten und der Schiffsverkehr weiterhin deutlich unter dem üblichen Niveau bleibt.

Zusätzlich verschärft die Sicherheitslage in der Region die Situation. Iran meldete erneut Angriffe auf als feindlich eingestufte Ziele in der Straße von Hormus, nachdem es zuvor Explosionen in der Nähe der Insel Qeschm gegeben hatte. Gleichzeitig bekannten sich die vom Iran unterstützten Huthi-Rebellen zu umfangreichen Angriffen auf Truppen der saudi-arabisch unterstützten Regierung im Jemen, nachdem sie bereits zuvor einen saudischen Öltanker im Golf von Aden angegriffen und den Schiffsverkehr im nördlichen Roten Meer bedroht hatten. Die militärischen Spannungen zeigen, dass von einer Deeskalation im Nahen Osten derzeit keine Rede sein kann. Vor diesem Hintergrund bleiben die Aussichten für eine baldige Wiederöffnung der Straße von Hormus unsicher, während die anhaltenden geopolitischen Risiken die Ölpreise und die Inlandspreise für Energie auf einem hohen Niveau halten.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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