Iran und Oman haben sich auf die geographischen Parameter einer sicheren Schifffahrtsroute durch die Straße von Hormus geeinigt und schaffen damit die Grundlage für eine mögliche Entspannung im internationalen Seeverkehr. Nach Angaben des iranischen Außenministeriumssprechers Esmail Baghaei befindet sich eine gemeinsame Erklärung beider Länder mit den wichtigsten Vereinbarungen in der Endphase der Genehmigung. Baghaei betonte, dass lediglich eine Behinderung durch Drittstaaten den Abschluss noch verzögern könne und kritisierte dabei indirekt die USA, deren Einfluss auf die Gespräche Teheran als hinderlich bewertet. Der stellvertretende iranische Außenminister Kazem Gharibabadi erklärte, die vereinbarte Route sei zunächst als Übergangslösung für zwei bis vier Monate vorgesehen. Gleichzeitig verhandeln Iran und Oman jedoch darüber, diese Regelung dauerhaft beizubehalten.
Während sich in der Straße von Hormus eine Verbesserung der Sicherheitslage abzeichnet, bleibt die Lage im Roten Meer angespannt. Die britische Seesicherheitsbehörde UKMTO meldete einen weiteren Angriff auf einen saudischen Öltanker südöstlich von Aden. Zwar blieb die Besatzung unverletzt, doch bekannte sich die Huthi-Miliz zu einem Angriff auf den Tanker „Daisy“ mit einem Marschflugkörper und kündigte weitere Angriffe auf saudische Tanker an, solange Saudi-Arabien ihre Forderungen nicht erfüllt. Offiziell begründet die Miliz ihre Angriffe mit der saudischen Blockade der von ihr kontrollierten Gebiete im Jemen. Gleichzeitig deuten Berichte darauf hin, dass Iran die Huthi im Zuge des Konflikts mit den USA bereits Anfang Juli dazu aufgefordert hatte, sich auf eine Störung des Schiffsverkehrs in der Straße von Bab el-Mandeb und im Roten Meer vorzubereiten.
An den Ölmärkten verhinderten die Hoffnungen auf eine sichere Passage durch die Straße von Hormus einen erneuten deutlichen Preisanstieg. Nachdem der Brent-Rohölpreis bereits unter die Marke von 80 US-Dollar je Barrel gefallen war, gelang ihm keine nachhaltige Rückkehr über dieses Niveau. Die offiziellen Aussagen aus Teheran verstärkten die Erwartungen, dass eine Lösung für den Schiffsverkehr tatsächlich näher rückt. Marktbeobachter sehen jedoch die laufenden Gespräche zwischen den USA und Iran als entscheidenden Faktor für eine nachhaltige Entspannung. Die Analysten von ING betonen, dass erst deutliche Fortschritte in den bilateralen Verhandlungen die unterbrochenen Energieflüsse vollständig normalisieren könnten. US-Präsident Donald Trump bestätigte die Fortsetzung der Gespräche mit Teheran und erklärte, er bevorzuge eine diplomatische Einigung gegenüber einer militärischen Eskalation. Nach Einschätzung des Analysten Rob Thummel von Tortoise Capital könnten die Ölpreise bei einem erfolgreichen Abkommen zwischen den USA und Iran auf etwa 70 US-Dollar je Barrel sinken.
Trotz der positiven Signale aus der Straße von Hormus bleibt die Schifffahrt sowohl dort als auch im Roten Meer vorerst mit erheblichen Risiken verbunden. In beiden Regionen wurden zuletzt weitere Angriffe auf Tanker registriert. Entscheidend wird daher sein, ob die Huthi-Miliz ihre Angriffe im Roten Meer im Falle einer politischen Einigung zwischen Washington und Teheran ebenfalls einstellt. Sollte der Schiffsverkehr durch beide Meerengen wieder weitgehend sicher verlaufen, dürfte sich das globale Ölangebot deutlich erhöhen. Vor allem Förderländer, deren Produktion infolge des Iran-Konflikts erheblich zurückgegangen war – darunter Saudi-Arabien, Irak und Kuwait – könnten ihre Förderung wieder ausweiten. Bereits nach dem vorläufigen Abkommen zwischen den USA und Iran Mitte Juni hatte sich die Ölproduktion in mehreren Staaten spürbar erholt. Dadurch würden auch andere Angebotsstörungen, etwa am CPC-Exportterminal im Schwarzen Meer, geringere Auswirkungen auf die Ölpreise haben. Entsprechend konnten sich die Öl-Futures an den Börsen ICE und NYMEX trotz der jüngsten geopolitischen Spannungen auch am Morgen nicht nachhaltig erholen.