
USA gewähren Indien bei Russland-Sanktionen Ausnahmen
Die US-Regierung hat Indien am gestrigen Donnerstag Ausnahmen bei den Sanktionen hinsichtlich des Kaufs von russischem Öl gewährt. Die Raffinerien der Republik hatten aufgrund des starken Rückgangs der Exporte an Rohöl aus dem Nahen Osten über die Straße von Hormus bereits teilweise Force Majeure für ihre Produkte erklären müssen.
Das Office of Foreign Asset Control (OFAC) des US-Finanzministeriums veröffentlichte am Donnerstag daher eine vorübergehende Genehmigung, auf Basis derer Indien seine Käufe von Rohöl aus Russland vorübergehend steigern darf. Die Sondergenehmigung gilt allerdings nur für Transaktionen, bei denen das Rohöl und/oder die Produkte aus Russland vor dem 5. März verladen wurden und nur, sofern die Lieferung nach Indien erfolgt und das Öl von einem indischen Unternehmen gekauft wird. Die Genehmigung läuft am 4. April um 0:01 Uhr Washingtoner Zeit aus.
Noch im vergangenen Jahr hatte die US-Regierung Indien Strafzölle aufgebrummt, weil das Land trotz Sanktionen weiterhin umfangreiche Mengen an russischem Rohöl bezog. Im Rahmen der Verhandlungen über ein Handelsabkommen hatte Neu-Delhi schließlich angekündigt, man werde sich nach Alternativen umsehen und die Importmengen aus Russland reduziert. US-Finanzminister Bessent kommentierte die Sondergenehmigung in einem Post auf dem Kurzmitteilungsdienst X mit den Worten: "Diese bewusst kurzfristige Maßnahme wird der russischen Regierung keinen nennenswerten finanziellen Nutzen bringen, da sie nur Transaktionen mit bereits auf dem Meer gestrandetem Öl genehmigt."
US-Regierung könnte in Ölfutures-Markt eingreifen
Die Trump-Regierung könnte aufgrund der hohen Ölpreise bald in den Ölhandel an den Börsen eingreifen. Dies gab US-Innenminister Doug Burgum gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg an. Burgum nannte auch mögliche andere Maßnahmen, mit denen die Trump-Administration auf die Preise einwirken könnte, wie beispielsweise die Freigabe von Angebotsmengen aus den strategischen Ölreserven der USA.
Sollte es tatsächlich zu einer Intervention der Regierung am Terminmarkt kommen, die eine außergewöhnliche Maßnahme darstellen würde, dürfte US-Finanzminister Scott Bessent zumindest Ahnung von der Materie haben, immerhin war er vor dem Antritt seines Ministeramts selbst Hedgefonds-Manager und handelte jahrzehntelang unter anderem mit Rohstoffen.
Am Markt ist man gespannt darauf, wie der Eingriff der US-Regierung in den Handel ablaufen soll und dementsprechend zurückhaltend mit den Erwartungen. "Der Teufel steckt im Detail ... wir müssen abwarten, welche Pläne die US-Regierung hat“, meint beispielsweise Ben Hoff, Leiter der quantitativen Rohstoffforschung bei der Société Générale. Nach Ansicht des Experten können Finanzinstrumente die Energiemärkte nur bedingt beeinflussen, da diese hauptsächlich durch Angebot und Nachfrage am physischen Markt gesteuert würden.
Marktlage
Der Angriff der USA und Israels auf den Iran hat den Rohölpreisen an ICE und NYMEX in dieser Woche zu einem signifikanten Anstieg und neuen Langzeithochs verholfen. Während WTI gestern erstmals seit Mitte Januar 2025 wieder ein Settlement oberhalb von 80 Dollar verzeichnete, markierte Brent zum ersten Mal seit Juli 2024 wieder ein Settlement oberhalb von 85 Dollar. Die Möglichkeit einer Intervention der US-Regierung an den Terminmärkten für Öl sorgten heute Morgen allerdings zunächst dafür, dass die beiden Rohölkontrakte unterhalb der genannten psychologisch wichtigen Preisniveaus starteten.
Sollte die US-Regierung vor dem Wochenende noch konkrete Maßnahmen verkünden, könnte dies die Ölfutures an den Börsen am letzten Handelstag der Woche noch maßgeblich beeinflussen. Bereits durchgewunken wurde am gestrigen Donnerstag derweil eine Ausnahmegenehmigung für Indiens Rohölimporte aus Russland, die allerdings nur für März gilt und auch nur für Öl, dass bereits auf dem Weg ist.
Unterdessen tickt für die Ölproduzenten im Nahen Osten die Uhr, da sich deren Lager aufgrund der Exportunterbrechung in der Straße von Hormus füllen. So werden die Ölfutures weniger durch tatsächliche Schäden an den Ölanlagengestützt, sondern vielmehr durch die Drosselung der Produktion, zu denen die sich füllenden Lager einige Länder - besonders den Irak - veranlassen.
Ob die US-Regierung, wie bereits im Frühjahr 2022 - nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine - erneut Mengen aus den strategischen Reserven freigeben wird, um das weltweite Angebot zu erhöhen, bleibt abzuwarten. Die Maßnahme steht offenbar zwar zur Debatte, verabschiedet wurde sie jedoch noch nicht.
So könnten die aktuell hohen Preisniveaus laut der Analystin Samantha Dart von der Investmentbank Goldman Sachs noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. "Angenommen, der Ölfluss durch die Straße von Hormus bleibt weitere fünf Wochen sehr gering", so eine Beispielrechnung Darts bei einem Interview mit dem Sender Bloomberg Television, in dem sie fortfährt: "Dann wäre es möglich, dass der Brent-Preis die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel überschreitet."
Aktuell lässt Brent erst einmal wieder die 85 Dollar-Marke hinter sich und nähert sich allmählich - wie auch WTI - dem Hoch von Donnerstag. Gasoil hat bis zum Vortageshoch noch mehr Spielraum. Dennoch zeichnet sich bei den Inlandspreisen derzeit im Vergleich zu gestern leichtes Aufwärtspotenzial ab.