
Die Ölpreise starten mit unterschiedlichen Vorzeichen in die neue Handelswoche: Brent notiert weiterhin über 100 US-Dollar je Barrel, steht aktuell jedoch unter Druck. Auch WTI und Gasoil geben nach. Ausschlaggebend ist vor allem die angekündigte Freigabe strategischer Reserven durch die G7.
Die G7-Staaten und ihre Partner wollen innerhalb der kommenden vier Monate insgesamt 100 Mio. Barrel Rohöl und Diesel aus strategischen Reserven freigeben. Dabei soll insbesondere kurzfristig zusätzliches Dieselangebot bereitgestellt werden. Die Internationale Energieagentur (IEA) koordiniert die Maßnahme.
Damit sinkt zunächst der Druck auf die Versorgungslage. Gleichzeitig nimmt die Wahrscheinlichkeit eines von den USA angedrohten Diesel-Exportverbots gegenüber einzelnen europäischen Ländern ab. Für die kurzfristige Preisentwicklung wirkt die Freigabe daher klar dämpfend.
Auch von der Angebotsseite gibt es wenig neue Impulse: Die sieben OPEC+-Staaten Saudi-Arabien, Irak, Kuwait, Algerien, Russland, Kasachstan und Oman halten ihre Fördervorgaben für November unverändert. Da der Markt mit dieser Entscheidung gerechnet hatte, fiel die unmittelbare Preisreaktion gering aus.
Trotz der zusätzlichen Reservemengen bleibt die Versorgungslage angespannt. Die Straße von Hormus ist weiterhin von Angriffen auf Tanker betroffen, während gleichzeitig die militärische Präsenz der USA in der Golfregion zunimmt. Auch die Risiken für die Energieinfrastruktur in Saudi-Arabien und Russland bleiben bestehen.
Positiv für die Versorgung wirkt dagegen, dass die Rohölexporte aus dem Nahen Osten zuletzt wieder deutlich angezogen haben. An vier von sieben Tagen der letzten Septemberwoche lagen die Ausfuhren sogar über dem Niveau vor Beginn des Iran-Kriegs.
Kurzfristig spricht die zusätzliche Verfügbarkeit von Diesel und Rohöl für eine Entspannung am Markt. Entsprechend hat sich auch der Abwärtsdruck auf die europäischen Inlandspreise zuletzt verstärkt.
Gleichzeitig bleibt das Marktumfeld ausgesprochen volatil. Neue Angriffe auf Energieinfrastruktur oder eine erneute Verschärfung der Lage rund um die Straße von Hormus könnten die Preise jederzeit wieder nach oben treiben.
Unser Fazit: Die Freigabe strategischer Reserven bietet aktuell eine Chance auf günstigere Beschaffungspreise. Angesichts der weiterhin hohen geopolitischen Risiken sollten Unternehmen Preisrückgänge jedoch gezielt für eine Absicherung nutzen, statt ausschließlich auf eine nachhaltige Entspannung zu setzen.