Die Aussicht auf eine weitere Entspannung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran setzte die Ölmärkte deutlich unter Druck. Nachdem bereits am Vortag bekannt geworden war, dass beide Staaten Entwürfe für ein neues vorläufiges Friedensabkommen ausgetauscht haben, verdichteten sich die Hinweise, dass bereits kurzfristig ein separates Abkommen über den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus verkündet werden könnte. Nach Informationen des Nachrichtenportals Axios sieht der Entwurf eine zunächst auf 60 Tage befristete Regelung für die Passage durch die strategisch bedeutende Meerenge vor. Während dieser Zeit sollen keine Gebühren oder Abgaben für die Durchfahrt erhoben werden. Zudem sollen einlaufende Schiffe künftig eine Route näher an der iranischen Küste nutzen, während auslaufende Schiffe in Abstimmung mit dem Iran eine Fahrrinne nahe Oman befahren sollen. Gleichzeitig sollen der Iran und Oman mit der Räumung der Minen in der mittleren Fahrrinne beginnen. Die geplanten Regelungen entsprechen weitgehend den Vereinbarungen des vorläufigen Friedensabkommens vom Juni.
Auch die diplomatischen Bemühungen intensivieren sich weiter. US-Präsident Donald Trump führte ein Telefonat mit dem Emir von Katar, Scheich Tamim Bin Hamad Al-Thani, um Möglichkeiten zur Deeskalation des Konflikts zu erörtern. Gleichzeitig erklärte Trump in einem Interview mit Fox News, die Gespräche mit dem Iran verliefen aus seiner Sicht sehr positiv, auch wenn Teheran dies öffentlich nicht einräume. Zugleich bekräftigte er seine bekannte Drohung, dass ein Scheitern der Verhandlungen schwerwiegende Folgen hätte.
Das US-Zentralkommando (CENTCOM) betonte unterdessen, dass die Straße von Hormus über die südliche Route weiterhin uneingeschränkt passierbar sei. Nach Angaben des Militärs konnten durch die Sicherungsmaßnahmen in den vergangenen drei Monaten bereits mehr als 1.000 Handelsschiffe sicher durch die Meerenge geleitet werden.
Die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung ließ die Ölpreise deutlich nachgeben. Der Nordsee-Rohölkontrakt Brent fiel erstmals seit dem 10. Juli wieder unter die Marke von 80 US-Dollar je Barrel, während WTI knapp oberhalb von 75 US-Dollar schloss. Marktteilnehmer bewerteten die Entwürfe für ein neues Abkommen als Signal dafür, dass sich auch die Unsicherheiten rund um den Schiffsverkehr in der Straße von Hormus bald entschärfen könnten.
Trotz der jüngsten Preisrückgänge warnen Marktbeobachter jedoch vor einer vorschnellen Entwarnung. Priyanka Sachdeva, Leiterin der Marktanalyse bei Phillip Nova, weist darauf hin, dass die geopolitische Risikoprämie zwar zurückgegangen sei, die weltweite Versorgungslage aber weiterhin angespannt bleibe. Sollten die diplomatischen Bemühungen scheitern und die physische Ölversorgung beeinträchtigt werden, könnten die derzeit niedrigen Lagerbestände einen künftigen Angebotsschock erheblich verstärken und die Ölpreise rasch wieder steigen lassen.
Diese Einschätzung wird durch die Entwicklung der US-Rohölvorräte gestützt. Die Lagerbestände waren in der Woche bis zum 24. Juli auf den niedrigsten Stand seit September 2018 gefallen. Zwar erwartet das American Petroleum Institute (API) für die Vorwoche einen Bestandsaufbau von rund 2,7 Millionen Barrel, doch selbst eine Bestätigung dieser Daten durch das US-Energieministerium (DOE) würde das Versorgungsniveau weiterhin auf einem historisch niedrigen Stand belassen.
Auch die Versorgung mit Kraftstoffen bleibt ein Unsicherheitsfaktor. Zwar gaben die Produktpreise an den Börsen ICE und NYMEX zuletzt ebenfalls nach, doch dürfte es sich dabei vor allem um eine technische Gegenbewegung handeln. Auslöser waren wiederholte Angriffe Trumps auf die US-Ölindustrie. Der Präsident warf den Ölkonzernen erneut vor, die Kraftstoffpreise für amerikanische Verbraucher künstlich hoch zu halten und vom Konflikt mit dem Iran zu profitieren.
Zusätzliche Risiken bestehen weiterhin im Schiffsverkehr durch die Meerenge von Bab el-Mandeb. Die Huthi-Miliz setzt ihre Blockade gegen Saudi-Arabien fort, während parallel sowohl Überlegungen für eine internationale Schutzkoalition unter Führung Riads als auch indirekte Gespräche zwischen Saudi-Arabien und den Huthi über omanische Vermittler bekannt wurden. Sollten diese Verhandlungen scheitern, könnte sich auch dieser Konflikt weiter verschärfen und die saudischen Ölexporte beeinträchtigen.
Zum Handelsstart bauten Brent und WTI ihre Vortagestiefs leicht aus, während sich die Produktkontrakte noch oberhalb ihrer jüngsten Tiefstände behaupteten.