Iran verschärft Kontrolle über die Straße von Hormus – Ölmarkt bleibt angespannt

Der Iran verschärft angesichts der anhaltenden militärischen Auseinandersetzungen mit den USA seine Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus. Teheran hat die Sanktionsliste für Öltanker erneut ausgeweitet und damit die Risiken für die internationale Schifffahrt und die globalen Ölversorgungströme erhöht. Ende August setzte der Iran bereits 45 Tanker auf eine schwarze Liste, denen Verstöße gegen die iranischen Regeln für die Durchfahrt durch die Meerenge vorgeworfen werden. Nun wurden offenbar elf weitere Schiffe aufgenommen. Damit umfasst die Liste insgesamt 56 Schiffe. Betroffen sind neben mehreren Very Large Crude Carriern (VLCC), der größten Klasse von Öltankern, auch Tanker für Gas- und Mineralölprodukte.

Für die betroffenen Schiffe drohen bei einer Durchfahrt der Straße von Hormus unter anderem Geldstrafen, Beschlagnahmung oder eine Festsetzung. Gleichzeitig weitet der Iran die möglichen Sanktionen auf weitere Akteure aus: Nach Angaben der Persian Gulf Strait Authority (PGSA) sollen auch Schiffe auf die schwarze Liste gesetzt werden, die mit bereits gelisteten Schiffen zusammenarbeiten. Dies betrifft insbesondere Umladungen von Öl von Schiff zu Schiff (Ship-to-Ship, STS) sowie andere Formen des Güterumschlags. Eine Streichung von der Liste ist grundsätzlich möglich, setzt jedoch einen formellen Antrag mit entsprechender Begründung voraus.

Mit diesem Vorgehen unterstreicht Teheran seinen Anspruch, die Durchfahrt durch die Straße von Hormus kontrollieren zu können. Die Bedeutung dieser Wasserstraße für den globalen Energiemarkt ist erheblich: Vor Beginn des aktuellen Konflikts wurde dort etwa ein Fünftel des weltweiten Ölbedarfs täglich transportiert. Jede Einschränkung der Schifffahrt oder Unsicherheit über die verfügbaren Transportwege kann daher erhebliche Auswirkungen auf Lieferketten, Frachtraten und letztlich auch auf die Ölpreise haben.

Die zunehmende Eskalation spiegelt sich bereits am Ölmarkt wider. Die Preise steuern aktuell auf den stärksten Wochenanstieg seit Juli zu. Brent notiert in der Nähe von 96 US-Dollar je Barrel und liegt damit auf Wochensicht mehr als 7 Prozent im Plus. WTI bewegt sich bei rund 92 US-Dollar. Die jüngsten Angriffswellen zwischen den USA und Iran haben die Sorgen über die Stabilität der Ölexporte durch die Straße von Hormus erneut verstärkt. Gleichzeitig setzt der Iran seine Angriffe auf Schiffe in der Meerenge fort und hat zudem Raketen auf Jordanien, Kuwait und Bahrain abgefeuert. Die USA führten in dieser Woche ihre bislang schwersten Angriffe seit Juli durch, bei denen mehrere Menschen getötet und verletzt wurden, darunter auch iranische Zivilisten.

Trotz der politischen Debatte darüber, wie die US-Militäraktionen einzuordnen sind, bleibt die Sicherheitslage im Persischen Golf angespannt. Zusätzliche Risiken entstehen durch die Möglichkeit einer weiteren regionalen Ausweitung des Konflikts. Israel hat zuletzt erneut signalisiert, dass es militärisch reagieren könnte, sollte der Iran Israel direkt bedrohen. Eine solche Entwicklung würde die bestehenden Beschränkungen für Israel nach eigener Darstellung aufheben und könnte eine weitere Eskalationsrunde auslösen.

Die Ölmärkte bewerten vor diesem Hintergrund die Risiken der regionalen Versorgungslage neu. Der aktuell wieder steigende Risikoaufschlag zeigt, dass Marktteilnehmer eine mögliche Beeinträchtigung der Öltransporte durch die Straße von Hormus stärker einpreisen. Zwar haben sich die Exportströme zuletzt teilweise wieder erholt und die USA betonen, dass die Ausfuhren durch die wichtige Meerenge bislang robust bleiben. Ob diese Stabilität angesichts der zunehmenden militärischen Spannungen anhält, bleibt jedoch offen. Solange die grundlegenden Sicherheitsrisiken nicht gelöst sind, dürfte daher ein erhöhter Risikoaufschlag am Ölmarkt bestehen bleiben.

Gleichzeitig gibt es auch Signale, die gegen eine unmittelbar bevorstehende Verschärfung der globalen Rohölversorgung sprechen. Saudi-Arabien hat seine Verkaufspreise für Oktober veröffentlicht und dabei lediglich für Kunden in den USA die Preise über alle Sorten hinweg erhöht. Für europäische und asiatische Abnehmer blieben die Preise bei fast allen Sorten unverändert. Lediglich schweres Öl für den asiatischen Markt wurde leicht verteuert. Marktteilnehmer werten diese Preisgestaltung als Hinweis darauf, dass Saudi-Arabien derzeit nicht mit einer deutlichen zusätzlichen Verknappung des Rohölangebots rechnet.

Insgesamt bleibt die fundamentale Ausgangslage am Ölmarkt damit zunächst leicht bullish. Zwar erholen sich die Ölfutures aktuell von der kräftigen Preisrally der vergangenen Tage, wodurch sich kurzfristig auch bei den Inlandspreisen wieder etwas Abwärtspotenzial ergibt. Gleichzeitig bleibt das geopolitische Risiko hoch. Sollte sich der Konflikt weiter ausweiten und weitere Länder oder wichtige Transportwege am Persischen Golf erfassen, könnte dies die Ölversorgung erheblich beeinträchtigen und erneut zu einem deutlichen Preisanstieg führen. Für Marktteilnehmer bleibt daher insbesondere die Entwicklung der Schifffahrt durch die Straße von Hormus ein zentraler Faktor für die weitere Preisentwicklung.

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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