Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran bleibt angespannt und sorgt weiterhin für erhebliche Unsicherheit an den internationalen Energiemärkten. US-Präsident Donald Trump erklärte, sein jüngstes Gesprächsangebot an den Iran sei die „letzte Chance“, bevor die USA mit drastischen Maßnahmen reagieren würden. Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt, dass die für den globalen Ölhandel zentrale Straße von Hormus kurzfristig wieder vollständig geöffnet werde. Konkrete Angaben zu möglichen Verhandlungen oder beteiligten Akteuren machte Trump jedoch nicht. Die iranische Führung wies seine Aussagen entschieden zurück und betonte, dass derzeit keine Gespräche mit den USA stattfänden. Stattdessen führe Teheran ausschließlich Verhandlungen mit Oman über die Organisation der Schifffahrt in der Straße von Hormus. Aus iranischer Sicht müsse zunächst Washington sein Verhalten ändern, bevor weitere diplomatische Schritte möglich seien.
Parallel verschärft sich die Lage auf dem russischen Energiesektor. Die ukrainischen Angriffe auf die russische Öl- und Energieinfrastruktur haben sich in den vergangenen Monaten deutlich intensiviert und zeigen inzwischen erhebliche Wirkung. Im Juli fiel die russische Rohölverarbeitung auf rund 3,6 Millionen Barrel pro Tag und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Mai 2002. Das Verarbeitungsniveau liegt damit rund ein Drittel unter dem saisonalen Durchschnitt der vergangenen Jahre. Besonders ins Gewicht fallen die zahlreichen ukrainischen Drohnenangriffe, die inzwischen selbst weit von der Front entfernte Anlagen erreichen. Allein im Juli griff die Ukraine 18 Raffinerien an, darunter auch die größte russische Raffinerie in Omsk. Darüber hinaus attackierten ukrainische Drohnen mehrere Öltanker, Hafenanlagen und Pipelines. Insgesamt wurden im Juli rund 30 Angriffe auf die russische Ölinfrastruktur registriert und damit einer der höchsten Monatswerte seit Beginn der russischen Invasion in die Ukraine erreicht. Während Moskau die Auswirkungen zunächst herunterspielte, musste die russische Regierung inzwischen Versorgungsprobleme im Inland einräumen und verlängerte deshalb die Exportverbote für Benzin und Diesel.
Die Entwicklungen im Nahen Osten und in Russland beeinflussen die Ölmärkte weiterhin erheblich. Nach einem deutlichen Preisrückgang zu Wochenbeginn setzen die Ölpreise bereits wieder zu einer Erholung an. Marktteilnehmer bewerten die Chancen auf eine diplomatische Lösung zwischen den USA und dem Iran weiterhin als gering. Zwar erklärte Trump, einen geplanten militärischen Angriff auf den Iran abgesagt zu haben, und behauptete, Teheran sowie andere Staaten der Region hätten Gespräche zur Beendigung des Konflikts angestrebt. Diese Darstellung wies der Iran jedoch erneut zurück und bekräftigte, dass weder Verhandlungen noch Treffen mit den USA geplant seien.
Marktanalysten sehen deshalb weiterhin ein hohes Eskalationspotenzial. Nach Einschätzung der ING erscheinen die jüngsten Gewinnmitnahmen an den Ölmärkten überzogen, da die geopolitischen Risiken unverändert hoch bleiben und frühere diplomatische Annäherungen regelmäßig gescheitert sind. Auch Experten der New York University erwarten anhaltend starke Preisschwankungen. Solange alternative Transportwege für Öl bestehen, könnten sich Phasen militärischer Eskalation und diplomatischer Signale weiterhin abwechseln. Der Iran habe zwar kein Interesse an einer weiteren Verschärfung des Konflikts, wolle die Spannungen jedoch aufrechterhalten.
Zusätzlich erhöht die ukrainische Strategie gegen Russlands Ölversorgung den Druck auf den Weltmarkt. Die zahlreichen Angriffe auf Raffinerien, Tanker und weitere Energieeinrichtungen beeinträchtigen die russische Export- und Verarbeitungskapazität erheblich. Gleichzeitig zeigen sich erste Anzeichen einer Entspannung an den Schwarzmeerhäfen. Am Exportterminal des Caspian Pipeline Consortium konnten zuletzt wieder mehrere Tanker beladen werden, nachdem Angriffe zuvor wiederholt zu Unterbrechungen geführt hatten. Dennoch bleiben Reedereien aufgrund der anhaltenden Sicherheitsrisiken vorsichtig.
Insgesamt bleibt die Lage an den Energiemärkten von geopolitischer Unsicherheit geprägt. Solange keine glaubwürdigen Hinweise auf direkte Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran vorliegen und sowohl die Spannungen im Nahen Osten als auch die ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur anhalten, rechnen Marktbeobachter mit einer tendenziell bullischen Entwicklung der Ölpreise und einer weiterhin hohen Volatilität.