Israel und Libanon haben nach erneuten Gesprächen in Washington einen zweiten Anlauf für die Umsetzung einer Waffenruhe unternommen. Nach Angaben der US-Regierung einigten sich beide Seiten darauf, den Waffenstillstand umzusetzen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Hisbollah sämtliche Angriffe auf Israel einstellt und ihre Kämpfer vollständig aus dem Gebiet südlich des Litani-Flusses abzieht. Bereits zuvor hatten Israel und Libanon eine Waffenruhe ausgehandelt, nachdem der Iran diese zur Bedingung für ein Abkommen mit den USA gemacht hatte. Die Vereinbarung erwies sich jedoch als instabil und wurde von der Hisbollah nicht akzeptiert. Zu Beginn der Woche kündigte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu an, die Angriffe auf einen Vorort von Beirut auszuweiten, der als Hochburg der Hisbollah gilt. Daraufhin drohte der Iran, die Verhandlungen mit den USA auszusetzen. Unter dem Druck Washingtons verzichtete Israel schließlich auf die geplante Offensive. Die Märkte beobachten nun aufmerksam, ob die vereinbarte Waffenruhe tatsächlich Bestand haben wird. Weitere Gespräche zwischen Israel und Libanon sollen noch im Laufe des Monats stattfinden. Gleichzeitig erklärte der iranische Außenminister Abbas Araghtschi laut der Nachrichtenagentur Tasnim, dass die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran bislang keine greifbaren Fortschritte erzielt hätten.
Parallel dazu sprach sich das US-Repräsentantenhaus mehrheitlich gegen eine Fortsetzung des Krieges gegen den Iran aus. Insgesamt unterstützten 215 Abgeordnete eine Resolution, die ein Ende der militärischen Einsätze fordert. Auch einige Republikaner stimmten dafür. Die Resolution betont, dass für einen Kampfeinsatz grundsätzlich eine formelle Kriegserklärung des Kongresses erforderlich sei. Ausnahmen gelten lediglich für die Abwehr unmittelbar bevorstehender Angriffe auf die USA oder zur Verteidigung des Landes und seiner Verbündeten. Die Abstimmung hat allerdings zunächst nur symbolischen Charakter und erhöht vor allem den politischen Druck auf Präsident Donald Trump. Damit die Resolution rechtskräftig werden kann, müsste auch der Senat zustimmen. Zudem könnte der Präsident sein Vetorecht einsetzen, das nur mit einer Zweidrittelmehrheit im Kongress überstimmt werden könnte.
An den Rohstoffmärkten hatten die Sorgen über eine erneute Eskalation im Nahen Osten die Ölpreise in der ersten Wochenhälfte deutlich steigen lassen. Die Preise für Brent- und WTI-Rohöl übertrafen zeitweise sogar die Höchststände der Vorwoche. Neben den geopolitischen Spannungen trugen auch deutlich gesunkene US-Rohölvorräte sowie ukrainische Drohnenangriffe auf russische Öl- und Militärinfrastruktur zu diesem Preisanstieg bei. Die Einigung zwischen Israel und Libanon auf die Umsetzung eines Waffenstillstands sowie die Aussage des iranischen Außenministers, dass Teheran den Dialog mit Washington fortsetzt, beruhigten die Märkte zunächst etwas. Dennoch warnte Araghtschi, dass der Iran seine Angriffe auf Ziele in Israel wieder aufnehmen könnte, falls Israel erneut Beirut angreifen sollte.
Besondere Aufmerksamkeit richtet sich weiterhin auf die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Transportrouten für den internationalen Ölhandel. US-Präsident Trump erklärte, die Wasserstraße könne unverzüglich wieder geöffnet werden, sobald der Iran eine Absichtserklärung zur Beendigung der Kampfhandlungen unterzeichne. Allerdings müssten zuvor noch bestimmte Bereiche der Meerenge geräumt und von Minen befreit werden. Experten gehen davon aus, dass selbst bei einer sofortigen Wiederöffnung mehrere Monate vergehen werden, bis sich die Öltransporte und Lieferketten vollständig normalisieren. Die anhaltenden Störungen belasten daher weiterhin die globalen Ölbestände.
Diese Entwicklung spiegelte sich auch im jüngsten Bericht des US-Energieministeriums wider. Demnach sanken die US-Rohölvorräte in der Woche bis zum 29. Mai um rund acht Millionen Barrel. Ausschlaggebend dafür waren insbesondere die gestiegenen Rohölexporte der Vereinigten Staaten, die teilweise die Lieferausfälle aus dem Nahen Osten kompensierten. Analysten der ING Bank betonten, dass die Lagerbestände dem Ölmarkt bislang als Puffer gedient hätten. Gleichzeitig warnten sie jedoch davor, dass selbst bei einer baldigen Wiederaufnahme der Transporte durch die Straße von Hormus die Erholung nur langsam und schrittweise erfolgen werde. Die fundamentalen Marktbedingungen bleiben daher aus Sicht vieler Analysten weiterhin preistreibend.