
Trump: USA wollen Öltanker durch Straße von Hormus eskortieren
US-Präsident Donald Trump hat gestern angekündigt, dass die USA im Persischen Golf falls nötig Marinegeleitschutz für Öltanker und andere Schiffe bereitstellen würden, um eine sichere Passage durch die Straße von Hormus zu gewährleisten. Damit solle einer Energiekrise infolge des Krieges mit dem Iran entgegengewirkt werden.
Trump fügte zudem an, dass sich die USA auch um den Versicherungsschutz für den Tankerverkehr kümmern werde. So werde die US-Behörde für Entwicklungsfinanzierung Versicherungen „zu einem sehr vernünftigen Preis“ anbieten, um den Fluss von Energie und anderem kommerziellen Handel in der Golfregion sicherzustellen.
Auf Truth Social schrieb Trump: „Falls erforderlich, wird die US-Marine so bald wie möglich damit beginnen, Tanker durch die Straße von Hormus zu eskortieren. Die Vereinigten Staaten werden unter allen Umständen den FREIEN FLUSS VON ENERGIE in die WELT sicherstellen.“ An den Ölbörsen sorgte die Ankündigung am Abend für weitere Gewinnmitnahmen, wirklich beruhigen ließen sich die Anleger aber offenbar nicht, denn inzwischen sind diese Preisrückgänge schon wieder ausgeglichen.
Marktlage
Die Ölfutures an ICE und NYMEX orientieren sich heute schon wieder nach oben, und preisen erneut den Risikoaufschlag ein, den die Angebots- und Exportausfälle im Nahen Osten mit sich bringen. Gestern hatten die Preise etwas nachgegeben, nachdem US-Präsident Donald Trump die Möglichkeit ins Spiel gebracht hatte, dass die US-Marine Handelsschiffe durch die Straße von Hormus eskortieren könnte.
Der Vorstoß aus Washington folgt auf wachsende Anzeichen, dass die faktische Schließung der zentralen Handelsroute die Produzenten in der Region immer stärker beeinträchtigt. Marktexperten und Trader gleichermaßen scheinen aber nicht komplett überzeugt, dass die Maßnahme durchführbar und dann auch wirksam ist.
„Bislang sind es nur Worte. Wir müssen erst sehen, wie sich das konkret entwickelt“ meint Rebecca Babin von der CIBC Private Wealth Group im Bezug auf Trumps Social Media Post. „Wie sollen diese militärischen Eskorten aussehen? Wie hoch werden die Versicherungskosten sein? Und gibt das den Reedereien tatsächlich ein Gefühl der Sicherheit?“
Die Aussicht auf entsprechende Garantien kommt zu einem Zeitpunkt, an dem kein anderer Versicherer bereit ist, die Risikodeckung für eine Durchfahrt der Straße von Hormus zu übernehmen. „Das ist zwar eine begrüßenswerte Nachricht, aber eine Umsetzung wird nicht über Nacht erfolgen. Marineeskorten könnten helfen, doch auch dieser Schritt wird Zeit benötigen“, kommentieren die Analysten der ING. Zugleich warnen sie: „Marineeskorten könnten zu leichten Zielen iranischer Angriffe werden.“ Washington könnte daher abwarten, bis die Angriffsfähigkeit Teherans deutlich geschwächt sei, bevor Schiffe begleitet würden.
Unterdessen hielten die Kampfhandlungen am fünften Tag des Konflikts an. Die Israel Defense Forces teilten mit, eine „breite Welle von Angriffen“ gegen Ziele im Iran begonnen zu haben. Das Verteidigungsministerium von Saudi-Arabien meldete die Abwehr von neun Drohnen und zwei Marschflugkörpern. Das US Central Command erklärte zudem, bislang 17 iranische Schiffe sowie Hunderte Abschussvorrichtungen und Drohnen zerstört zu haben.
Iran hat unterdessen in Reaktion auf Trumps Kommentare seine Warnung an die Schifffahrt im Persischen Golf wiederholt. Die Straße von Hormus befinde sich im Kriegszustand, Schiffe müssten mit Risiken durch Raketen oder außer Kontrolle geratene Drohnen rechnen, erklärten die Islamischen Revolutionsgarden. Iran habe demnach bereits mehr als zehn Tanker angegriffen.
Nach wie vor überlagert die Entwicklung im Nahen Osten alle weiteren Faktoren am Ölmarkt. „Derzeit überschatten geopolitische Faktoren eindeutig die üblichen Preistreiber wie Lagerbestandsdaten, US-Wirtschaftszahlen oder Kommentare der OPEC“, kommentiert Priyanka Sachdeva von Phillip Nova. „Kurzfristig sind vor allem die physischen Exportdaten aus dem Golf, bestätigte Tankerunfälle, Bewegungen der US-Marine und die Haltung des Iran zu beobachten“, fügt sie hinzu.
Mit der sich fortsetzenden Eskalation im Irankrieg bleibt unsere fundamentale Einschätzung damit weiterhin bullish. Dies dürfte sich erst ändern, wenn tatsächlich Anzeichen der Entspannung zu erkennen sind und die Angebots- und Exportunterbrechungen tatsächlich beendet werden können. Bei den Inlandspreisen setzen sich damit auch heute wieder deutliche Preisaufschläge im Vergleich zu Dienstagmorgen durch.