Ölfutures starten weicher

Marktlage
Während der Brent-Kontrakt mit Verladung im Mai an seinem letzten Handelstag gestern noch einmal in die Nähe der 120 Dollar-Marke stieg, notierte derJuni-Kontrakt beim gestrigen Settlement niedriger als noch am Montag. Dies dürfte der Hoffnung auf ein baldiges Ende des Kriegs geschuldet sein, die US-Präsident Trump mit seinen jüngsten Äußerungen und Posts geschürt hat. Unterdessen soll der iranische Präsident in einem Telefonat mit EU-Ratspräsident Anónio Costa gesagt haben, der Iran sei bereit den Konflikt zu beenden, allerdings nur wenn das Land Garantien erhalte, die eine "Wiederholung der Aggression verhindern".

Während sich die USA nach Angaben Trumps in den nächsten zwei bis drei Wochen aus dem Iran zurückziehen könnten, bleibt immer noch ungewiss, was nach dem Abzug aus dem Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wird. Umso gespannter ist der Markt nun auf eine Rede des US-Präsidenten, die für heute Nacht (3 Uhr MESZ) angekündigt wurde.

So wie es zum aktuellen Zeitpunkt aussieht, werden sich wohl andere um die Sicherheit in der Meerenge kümmern müssen. In einem Post auf seiner Kommunikationsplattform Truth Social schrieb Trump am gestrigen Dienstag, dass sich die Länder, die wegen der faktischen Blockade kein Kerosin erhalten, entweder in den USA kaufen sollten oder die Kontrolle über die Straße von Hormus einfach an sich reißen sollten.

Gegenüber der amerikanischen Tageszeitung New York Post sagte Trump, die Straße von Hormus werde sich nach dem Abzug der USA aus dem Iran"automatisch" wieder öffnen. Ob Trump damit bereits die Gebühren im Hinterkopf hatte, die der Iran für den Transit der Straße von Hormus künftig verlangen will, darüber darf spekuliert werden. Solange die Straße von Hormus nicht wieder vollständig geöffnet ist, dürften die Marktteilnehmer nach Einschätzung der Analystin Priyanka Sachdeva von Phillip Nova Pte. bei Preisrückgängen eher zu erneuten Käufen tendieren, als zu Verkäufen.  

Vor dem verlängerten Osterwochenende dürfte die Aufmerksamkeit der Trader nun allmählich auch auf die nächste Sitzung der acht OPEC+-Länder übergehen, die ihre Produktion seit Anfang 2024 über die Vorgaben hinaus gekürzt hatten. Die OPEC8+ wollen eigentlich am Sonntag über die Produktionsstrategie für Mai sprechen. Allerdings dürften sie dabei durch die aktuelle Situation in der Straße von Hormus ihre Schwierigkeiten haben, schließlich mussten einige der acht Länder aufgrund der nicht nutzbaren Exportroute ihre Produktion teils deutlich drosseln.

Die wöchentlichen Ölbestandsdaten des DOE, die heute um 16:30 Uhr erscheinen, dürften von der geopolitischen Lage weiterhin überlagert werden. Sollte das US-Energieministerium allerdings den beträchtlichen Anstieg der landesweiten Rohölvorräte bestätigen, den das API gestern meldete, könnte dies zumindest zu einem kurzzeitigen Rücksetzer an den Ölbörsen führen. Vor der Rede Trumps zum Iran-Krieg dürften sich die Marktteilnehmer allerdings nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen. Aktuell notieren die Ölfutures an ICE und NYMEX leicht oberhalb der Vortagestiefs. Bei den Inlandspreisen deutet sich rein rechnerisch im Vergleich zu gestern daher immer noch Potenzial für Abschläge an. 

Daniel Ehrler
Die Marktnews beziehen sich auf die Entwicklung der internationalen Rohöl- und Produktnotierungen. Die effektive Preisentwicklung in der Schweiz kann aufgrund von weiteren Einflussfaktoren wie Transportkosten, Rheinfrachten oder Dollarkurs jedoch abweichen.

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